Krank und keine Versicherung - Was tun?

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Krankenmobil vor der Bahnhofsmission am Hamburger Hauptbahnhof
- Erlebnisbericht vom 29. Mai 2013 -

Seit Tagen regnet es, sowohl am Tag, wie auch in der Nacht und "Petrus" hat kein Einsehen, wie auch der Virus, der mir seit Wochen zu schaffen macht, ein Infekt der Atemwege und ein Grund mehr, das Krankenmobil für Obdachlose aufzusuchen, denn ich habe keine Krankenversicherung und so bleibt nur das.

Mittwochs 11 - 12 Uhr vor der Bahnhofsmission wartet der weiße Kastenwagen und meine Hoffnung ist groß.

"Schon mal bei uns gewesen?", fragt ein Mann hinterm Laptop und ich sage "Ja, vor zwei Jahren" und er blättert nach und findet meinen Eintrag. "Wie kann ich Ihnen helfen?" und ich erzähle wie es dazu kam, als ich kaum noch Luft holen konnte, wohl ein Infekt, besonders hartnäckig und er schaut mir in den Hals, kann oberflächlich und im Rachen aber keine Entzündung sehen. "Die ist jetzt schon runter gewandert", sage ich und zeige auf halbe Höhe des Halses und wo es schmerzt. "So tief kann ich aber nicht gucken", sagt der Mann in Straßenkleidung und hat nicht mal einen HNO-Spiegel dabei, mit dem er mir tief in den Hals hätte schauen können. "Sie müssen zum HNO-Arzt, der kann da tiefer reinschauen" und (...) "Adressen haben wir keine, die bekommen Sie hier" und drückt mir einen Zettel in die Hand, wo die Adresse vom "Medibüro Hamburg" draufsteht, ein medizinische Vermittlungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen, die dann wiederum erstmal Adressen raussuchen und mich zu einem Arzt schicken, der dann auch kostenlos behandelt.

Früher (zu meiner Zeit) wurde man an direkt in die Krankenstube bzw. ins Hafenkrankenhaus vermittelt, jetzt ein neues Büro? Die Damen und Herren sind nur Montag und Donnerstags erreichbar, wird heute also nichts mehr und ob und was ich von denen bekomme, ist auch noch unklar.

"Wir haben keine Kassenzulassung und können auch keine Rezepte ausstellen", sagt der Mann im Krankenmobil zu mir. Ob er mir das "Locabiosol" (ein pflanzliches Mittel) aufschreiben kann, hatte ich gefragt aber das schreiben die Ärzte generell nicht mehr auf, weil es angeblich nicht wirkt. Ich kann das nur kaufen, aus eigener Tasche oder soll die Apotheke fragen, ob sie mir eines der abgelaufenen Präparate (Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen) schenkt (ich sagte ich habe kein Geld und das war sein Tipp).

Ob er mir sonst irgendwas mitgeben könne und es stellt sich heraus, dass er nicht mal Salbei oder dergleichen an Bord hat. Nur ein paar Anis-Lutschtabletten und jedem sollte klar sein, dass diese Krankenmobile allein nur von Spenden leben. Die Apotheken spenden das, was sie gerade übrig haben und das Mobil verteilt es dann an die Obdachlosen.

Nun gut, für mich war heute nichts dabei und so muss ich weitersuchen. Nach der Vermittlungsstelle und nach dem Arzt, der mir dort dann erst mal vermittelt wird, das sind schon 3 Wege und ich kann den Mann verstehen, der vor mir stand, mit allem Gepäck und schwach auf den Beinen, wie er keine Lust mehr hatte und abwinkt, weil er nicht mehr die Energie hat, von A nach B zu laufen und zu einer bestimmen Uhrzeit am Ort X zu sein, wo ihm dann Hilfe versprochen wird.

Kritik: Warum hat das Krankenmobil keine Adressen von Ärzten an Bord, die kostenlos behandeln? Warum müssen die Leute erst von Pontius zu Pilatus laufen, um an diese Adressen zu kommen und um eine "Vermittlung" zu erfahren? Meines Erachtens sollte das Krankenmobil diese Vermittlung selbst übernehmen und nicht irgendein Verein, der wieder ganz woanders sitzt. Wozu auch sonst, kommt das Krankenmobil zu den Obdachlosen hin, wenn sie nicht oder kaum helfen können? Den Weg hätte ich mir auch sparen können! (Er hatte mich nicht mal abgehört!).

Problem: Seit Feb 2012 bin ich nicht mehr krankenversichert. Leute mit Minijobs, Selbständige und alle die nicht über den Arbeitgeber versichert sind, müssen sich freiwillig versichern. Das habe ich nicht getan, denn so viel Geld hatte ich nicht. Zwar konnte ich mietfrei wohnen und das Geld was ich hatte, reichte gerade so für Essen und Trinken, nur eine Versicherung, die hätte ich extra zahlen müssen und das habe ich nicht getan.

Gespräch mit der Krankenkasse vom 25.5.: "Wir können Sie wieder versichern aber Sie müssen alles nachzahlen, alle Monate seit Februar 2012", was ein paar Tausend Euro sind, die ich selbstredend nicht habe und ob sie nicht eine Ausnahme machen könnte, ich war und bin zur Zeit wieder obdachlos und ob sie mich nicht wieder aufnehmen kann, auch ohne Nachzahlung und sie antwortet: "Nein, das tut uns sehr leid, aber da können wir keine Ausnahme machen. Sie müssen alles nachzahlen, wenn Sie bei uns wieder versichert sein wollen" und (...) "Es darf KEINE LÜCKE im Versicherungsverhältnis geben!".

In diesem Punkt bin ich wohl kein Einzelfall. Vermutlich gibt es Hundertausende ohne Krankenversicherung. Selbständige, Freiberufler, Mini-Jobber, die sich eine freiwillige Versicherung kaum oder nicht mehr leisten können und dann jahrelang ohne Versicherung herumlaufen. Wer wieder rein will (in die GKV), hat´s schwer, berichten auch die Foren.

http://www.forum-krankenversicherung.de/viewtopic....

Dort habe ich auch gelesen, dass Krankenversicherungen hin und wieder auch Ausnahmen machen, insbesondere im Fall von Obdachlosigkeit - was aber Ermessenssache ist und so werde ich nochmal an anderer Stelle nachfragen, wie das denn ist, wenn ein Obdachloser wieder krankenversichert sein will und ob ihm die rückständigen Beiträge erlassen werden, die er zumeist kaum im Stande ist zu begleichen.

Auf den Rückruf der entsprechenden Sachbearbeiterin warte ich noch.

Bis dahin heißt es Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass nichts schlimmeres passiert.

Max Bryan
29.05.2013
www.maxbryan.com
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