Die Causa Alfredo

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Noch hängt das Namensschild „Casa Alfredo“ über dem Souterrain-Restaurant Foto: wb

Einbetonierte Leiche beim Italiener ist das Gesprächsthema in St. Georg

Von Annette Luckey
St. Georg
„Na, willst Du nicht mal renovieren? Es müffelt schon!“ – die einbetonierte Leiche im Fußboden des mediterranen Spezialitäten-Restaurants „Casa Alfredo“ ist seit Tagen das Thema im Stadtteil St. Georg und zur Begrüßungsfloskel unter Nachbarn geworden. Mit Naserümpfen rechnen sich die Leute aus, wann sie zuletzt bei Alfredo S. eingekehrt sind und frisches Rindercarpaccio oder die beliebte Dorade genossen haben – nicht ahnend, dass unter dem frisch verlegten Holzboden eine Leiche lag: Ercan D. (49), polizeibekannter Schutzgelderpresser aus Hummelsbüttel.
Er war bei dem portugiesischen Wirt Alfredo S. (51) häufig „zu Gast“. Seine Brüder aus Wilhelmsburg meldeten ihn Anfang Oktober als vermisst und hängten rund um den Spadenteich an der St.-Georgskirche und an der Kirchenallee bis zum Hauptbahnhof Suchplakate auf – hier war er zuletzt gesehen worden. Nach Hinweisen aus dem Stadtteil mit Hilfe von Spürhunden wurde der im Boden des Abstellraums vergrabene Leichnahm, in dem frisch renovierten Lokal auch gefunden worden.

Er galt als fröhlich


Hat Gastronom Alfredo den Türken mit einem Kopfschuss aus dessen eigener Waffe getötet, weil dieser ihn erpresste? Oder hatte er zu hohe Schulden gemacht und sich dieser kaltblütig entledigt? Viele Nachbarn, die Alfredo S. nicht nur wegen der guten Küche, sondern den Vater von fünf Töchtern auch wegen seiner unterhaltsamen Fröhlichkeit mochten, sind hin und hergerissen. Hatte dieser Mann zwei Gesichter?
Einen Toten im Fußboden zu versenken und dann auf der Facebook-Seite mit der Renovierung zu werben – das sei schließlich schon verrückt. Im Friseur-Salon um die Ecke, wo Alfredo S. Kunde war, brodelt die Gerüchteküche. Eine Friseurin, die ihm die Haare schnitt, wunderte sich noch, dass der ansonsten lebhafte Mann so „verlegen“ war. Ein anderer Kunde sieht ihn als Opfer einer gewaltbereiten Erpresserbande: Eine der Töchter soll auf der Reeperbahn kürzlich zusammengeschlagen worden sein - möglicherweise wurde die gesamte Familie bedroht. Schutzgeld-Erpressung – davon seien viele Gastronomen in St. Georg bedroht, mutmaßt er weiter. Darüber werde nur nicht geredet. Die portugiesischen Landsleute in der Tapas-Bar und an der Langen Reihe sind mit einem Urteil vorsichtig. Sie sagen nichts. Nur eins: Sie hätten sich gefragt, wie Alfredo finanziell über die Runden kommt.

Schutzbehauptung?


Bevor er 2011 das kleine Souterrain-Restaurant an der Kirchenallee eröffnete, hatte er sich schon an mehreren Standorten in St. Georg versucht. Und dann seien bis zur Eröffnung mehrere Monate verstrichen – wegen eines fehlenden Fettabscheiders. Auch die Polizei ermittelt derzeit, ob es sich um eine Schutzbehauptung des inzwischen inhaftierten und geständigen Wirtes handelt oder er von dem einschlägig Vorbestraften massiv bedroht worden war. „Bis wir das Endergebnis der Ermittlungen haben, geben wir keine Wasserstandsmeldungen mehr heraus“, so ein Polizeisprecher.
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 26.11.2015 | 12:15  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 26.11.2015 | 17:38  
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