Freispruch für Gastwirt Alfredo M.

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Nach dem Freispruch für der Gastwirt aus St. Georg kam es zu Tumulten im Gerichtssaal Symbolfoto: thinkstock

Gericht spricht Wirt aus St. Georg frei. Der 52-Jährige habe den Schutzgelderpresser in Notwehr erschossen

Von Martin Jenssen
St. Georg/Neustadt
Überraschung im Prozess gegen Gastwirt Alfredo M. (52), der am späten Abend des 30. September 2015 in seinem Restaurant „Casa Alfredo“ in der Kirchenallee den Schutzgelderpresser Erkan D. (49) nach einem Wutanfall erschoss. Nach der Tat mauerte er den toten Erpresser im Boden der Abstellkammer des Lokals ein. Der Gastwirt, von der Staatsanwaltschaft wegen „Totschlag“ angeklagt, wurde vor der großen Strafkammer 1 des Hamburger Landgerichts freigesprochen. Das Gericht erkannte Notwehr. Der aus Portugal stammende Gastwirt hatte sein Lokal in St. Georg im Jahr 2011 eröffnet. Schon kurz nach der Eröffnung erschien Erkan D. (Spitzname „Cincin“) in dem Restaurant. Er gab vor, das Lokal vor Erpressern und Randalierern schützen zu wollen. Dabei war er selbst der Erpresser. Als monatliche Abschlagszahlung verlangte er 1.000 Euro von dem Restaurantbetreiber. Alfredo M. in seiner Vernehmung vor Gericht: „Zahlte ich nicht,wurden nachts die Scheiben meines Restaurants eingeschmissen, oder es kamen Randalierer und belästigten die Gäste.“

Besuch mit Pistole


Im September 2015 weigerte sich Alfredo M., weitere Gelder zu bezahlen. Da erschien Erkan D. am 30. September am späten Abend, nachdem alle Gäste gegangen waren, wieder im Lokal. Er hatte ein Pistole dabei. Alfredo M.: „Cincin zielte damit auf mein Knie und drohte grinsend: Du zahlst heute, oder einer von uns beiden geht drauf!“ Außerdem soll er den Gastwirt aufgefordert haben, seine Töchter auf den Strich zu schicken, damit er mehr Geld einnehme. Alfredo M.: „Nun wurde ich furchtbar wütend. Ich stand auf, um ihn zu packen.“ Bei dem Gerangel soll sich der Schuss gelöst haben, der den Erpresser tötete.


Freiheitsstrafe gefordert


Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert. Er hatte dem Angeklagten die Erpressung geglaubt, aber nicht die „Unfall-Geschichte“. Der Staatsanwalt: „Die Tötung war nicht erforderlich.“ Nach dem Freispruch kam es zu Tumulten im Gerichtssaal. Die Angehörigen des getöteten Erpressers wollten das Urteil nicht akzeptieren.
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