Gastwirt gesteht Mord an Erpresser

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Im „Casa Alfredo“ wurde das Opfer in den Fußboden einbetoniert Foto: Archiv wb

Schutzgeld, Gewalt und Aufforderung zur Prostitution – Alfredo M. schoss mit der Waffe des Angreifers

St. Georg/Neustadt Spannender kann kein Kriminalroman sein, als der Fall, den zur Zeit das Hamburger Landgericht verhandeln muss. Es geht um den Schutzgelderpresser Erkan D. (49), Spitzname „Cincin“, der am 30. September im Restaurant „Casa Alfredo“ in der Kirchenallee erschossen und anschließend unter dem Fußboden in einem Abstellraum eingemauert wurde. Vor Gericht muss sich Gastwirt Alfredo M. (52) jetzt dafür verantworten. Er habe die Tat nach einem wahnsinnigen Wutanfall begangen, gestand der Angeklagte in der Verhandlung. Er habe das kleine familiäre Lokal im Jahre 2011 eröffnet. Der gebürtige Portugiese: „Dann kam eines Tages Erkan D. in das Restaurant. Er war ein Bekannter meines verstorbenen Bruders Manuel. Cincin saß häufig am Tresen. Er war ein großer Schwätzer. Irgendwann fingen dann die Erpressungen an. Er tat so, als ob er mir helfen wollte. Aber er war selbst der Täter.“ Nach Aussagen des Angeklagten verlangte „Cincin“ monatlich 1000 Euro von dem Gastwirt. Er habe ihm insgesamt 25.000 Euro gegeben. Alfredo M.: „Zahlte ich nicht, wurden meine Gäste belästigt oder die Scheiben des Restaurants eingeschlagen.“ Auch nachdem der Gastwirt dem Erpresser versicherte, dass er kein Geld mehr habe und noch hohe Schulden begleichen müsse, ließ „Cincin“ nicht locker und verlangte immer mehr.

Leiche einbetoniert


Am späten Abend des 30. September sei „Cincin“ erneut im Lokal erschienen. Der Angeklagte: „Diesmal bedrohte mich der Erpresser mit einer Pistole. Grinsend erklärte er: Du zahlst heute, oder einer von uns beiden geht drauf!“
Wieder beteuerte Alfredo M., dass er nicht mehr zahlen könne und auch nicht wolle. Daraufhin soll „Cincin“ gesagt haben: „Du hast doch zwei Töchter, die sind alt genug um arbeiten zu gehen.“ Der Gastwirt: „Ich wurde furchtbar wütend, erhob mich und wollte den Erpresser packen.“ Bei dem Gerangel gelangte die Pistole dann in seine Hände. Es fiel der Schuss. Der Erpresser wurde im Gesicht getroffen. Er starb an der Schussverletzung. Alfredo M. zog die Leiche in eine Grube, die im Lokal schon ausgehoben war. Dort wollte der Gastwirt eigentlich einen Fettabscheider-Kessel einbauen. Über Facebook verbreitete der Wirt: „Neuer Fußboden im Casa. Eure Füße werden sich freuen.“ Ein Fehler, denn kurze Zeit später durchsuchte die Polizei das Lokal, vor dem „Cincin“ zum letzten Mal gesehen worden war, und fand die Leiche. Der Prozess wird weiterhin fortgesetzt. (je)
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