Halbe Million Euro veruntreut

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Veruntreuung von Geldern: Bankerin zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt Symbolfoto: thinkstock

Bankerin zu zwei Jahren Bewährungsstrafe verurteilt

Harvestehude „Sie handelte in Robin-Hood-Manier“, sagte Rechtsanwalt Rolf-Werner Thieme in dem Plädoyer vor dem Amtsgericht Mitte über seine Mandantin Sabine P. (44), ehemalige Mitarbeiterin bei der Deutschen Bank, Filiale am Klosterstern. Die Bankerin, angeklagt wegen „Betrug“ und „Urkundenfälschung“, hatte sich fast drei Jahre lang, von Januar 2011 bis November 2013, von dem Konto einer ihrer reichen Kundinnen bedient und das Geld auf die Konten anderer Kunden verteilt. Eine Summe von 143 500 Euro floss auf ihr eigenes Konto. Die von Sabine P. bedachten Kunden hatten zuvor viel Geld bei Geldanlagen verloren, die mit einem hohen Risiko behaftet waren. Das Gericht verurteilte die Bankerin zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Zuvor hatte Sabine P. unter Tränen ein ausführliches Geständnis abgelegt. In 189 Fällen hatte sie unberechtigt Geld vom Konto der wohlhabenden Kundin Kristina L. (44) abgehoben. Ihr Geständnis und ihre aufrichtige Reue bewahrten die Bankerin davor, dass sie die Strafe absitzen muss. In der Bankfiliale genoss Sabine P. einen ausgezeichneten Ruf. „Sie war die gute Seele am Klosterstern“, sagt Fabian T. (29), ein ehemaliger Kollege. Immer freundlich hatte sie ihre Kunden am Schalter beraten und betreut. Doch als sie dann, nach der Finanzkrise, in das Anlagegeschäft berufen wurde, war sie überfordert. „Der Druck nahm ständig zu“, sagte sie in ihrem Geständnis. „Und dann habe ich den Fehler gemacht, von einem Konto auf das andere auszugleichen.“ Besonders häufig von ihr bedacht wurde die Kundin Heide J. (75), die Geld für ihre Tochter anlegen wollte. Ausgerechnet durch diese Heide J. fiel der Schwindel auf. Während Sabine P. im November 2013 in Urlaub war, wunderte sich die alte Dame über eine Buchung, die auf ihrem Konto eingegangen war. Sie ging damit zum Filialdirektor. Nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaub wurde Sabine P. mit den Unstimmigkeiten konfrontiert. Da leugnen zwecklos war, ging sie zur Polizei und erstattete Selbstanzeige. Die Bankerin rief auch persönlich die geschädigte Kundin Kristina L. an und beichtete den Betrug. Kristina L. wurde von der Bank entschädigt. Die Kunden aber, an die Sabine P. das Geld überwiesen hatte, wurden von der Bank zur Rückzahlung aufgefordert. Das Geld, das sie auf das eigene Konto überwiesen hatte, gab Sabine P. nur für Reisen, teure Klamotten und Spenden aus. (je)
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