Keine Kavaliersdelikte

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Ex-Mongols-Boss steht vor Gericht Symbolfoto: thinkstock

Ex-Mongols-Boss steht vor Gericht in Mitte

Hoheluft/Neustadt Wegen des unerlaubten Besitzes und Führens von halbautomatischen Kurzwaffen und der dazugehörigen Munition muss sich Ex-Mongols-Boss Erkan U. (37) vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Mitte verantworten. Ein weiterer Anklagepunkt: Der stark tätowierte Rocker soll in einem Tattoo-Studio in der Fruchtallee mit seiner Pistole eine Angestellte erschreckt haben. Allesamt keine Kavaliersdelikte. Erkan U. galt lange als einer der gefährlichsten Männer Hamburgs. Die Mongols, seit Juli 2014 auch in Hamburg vertreten, sind verfeindet mit den Hells Angels. Zwischen den Rockergruppen kam es auf dem Kiez, aber auch vor der Wohnung von Erkan U., immer wieder zu teilweise dramatischen Zwischenfällen.

Anschlag mit Handgranate


So gab es u. a. einen Anschlag mit einer Handgranate auf den Lamborghini des Angeklagten. Spektakulär waren auch die Einsätze der Polizei gegen den Mongols-Boss. So landete im Juli für eine Hausdurchsuchung ein Hubschrauber auf dem Dach der Penthouse-Wohnung des Angeklagten. Bei den Hausdurchsuchungen an der Hoheluftchaussee beschlagnahmten die Polizisten im Juli 2015 eine halbautomatische Pistole der Marke Norinco und im Dezember eine Glock. Das reichte für die Verhaftung und gleichzeitige Aufhebung einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten, zu der Erkan U. bereits verurteilt worden war. Für den Waffenbesitz muss er sich jetzt verantworten. Es dürften nach dieser Verhandlung noch einige Monate Gefängnis dazukommen.

„Luxusleben“ ermöglicht die Familie


Vor Gericht gibt der Rocker-Boss bereitwillig Auskunft über sein Leben. Danach will Erkan U. sein Geld als Fahrer verdient haben. Er habe wenig Geld zum Leben gebraucht und habe Lebensmittel ausgefahren. Es ist eher wahrscheinlich, dass er schon vor seiner Berufung zum Mongols-Boss kräftig im Rotlichtmilieu mitgemischt hat, sonst hätte er sich kaum so teure Autos und so eine Luxuswohnung leisten können. Dem Richter erklärte er, das Geld dafür habe er von seiner Familie bekommen. Ob er sich inzwischen von den Mongols distanziert hat – die Rockergruppe hatte gleich nach seiner Verhaftung einen neuen Boss gewählt – sagt er nicht. Es ist aber wahrscheinlich. Denn vor Gericht erklärte er, er wolle seine Tattoos im Gesicht entfernen lassen. Er hatte sich „MFFM“ ins Gesicht tätowieren lassen. Es bedeutet „Mongols Forever – Forever Mongols“. Das ist ihm jetzt offenbar doch peinlich. Der Prozess wird fortgesetzt. (je)
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