Prostituierte vor Gericht

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Bulgarin soll behinderten Obdachlosen überfallen und beraubt haben Symbolfoto: wb

Bulgarin soll behinderten Obdachlosen überfallen und beraubt haben

St. Georg Eine trauriges Kapitel von St. Georg wird zur Zeit vor dem Hamburger Landgericht verhandelt. Es geht um Prostitution, Drogen, Obdachlosigkeit und einen Überfall. Die aus Bulgarien stammende Prostituierte Galabina R. (27) hatte am Abend des 5. November den gehbehinderten Alfred S. (56, Name geändert) im Bereich des Besenbinderhofs angesprochen und ihm ihre sexuellen Dienste für zehn Euro angeboten. Nachdem er zugestimmt hatte, lotste sie ihn in eine dunkle Hofeinfahrt, um den behinderten Mann auszurauben. Dort lauerte ein zweiter Täter auf das Opfer. Während der aus dem Dunkeln aufgetauchte Mittäter das Opfer festhielt, soll Galabina R. den behinderten Mann gewürgt und gekratzt haben, bevor sie ihn zu Boden zerrte. Dann zog sie ihm 250 Euro Bargeld aus seiner Hosentasche. Während der Tat soll sie ihr Opfer sogar mit einem Messer bedroht haben. Nach dem Raub steckte sie dem Mittäter 50 Euro zu, der damit in Richtung Hauptbahnhof verschwand. Sie flüchtete mit dem Rest des Geldes ins „Drob Inn“, versteckte sich dort im Duschraum. Da Zeugen den Raubüberfall beobachtet hatten, konnte sie dort von der Polizei festgenommen werden.Schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Galabina R., die aus Burgas, einer Stadt am Schwarzen Meer stammt. Sie wuchs beim Großvater auf, da ihre Eltern früh starben. Eine Schule hat sie nie besucht. Sie kann weder lesen noch schreiben.

Drogen waren Motiv


Seit ihrem zwölften Lebensjahr geht sie der Prostitution nach. Mit 13 Jahren bekam sie ihre erste Tochter, mit 16 Jahren das zweite Kind. Sie arbeitete in Spanien, Italien und Holland, wurde rauschgiftsüchtig. Seit vier Jahren lebt sie obdachlos in St. Georg. „Um Geld für Rauschgift zu bekommen, biete ich meine Dienste für zehn oder manchmal sogar nur für fünf Euro an“, erklärte sie vor Gericht. „Am Tag des Überfalls hatte ich den ganzen Tag keinen Freier, stand deswegen enorm unter Druck.“ Sie gibt den Überfall auf den gehbehinderten Mann zu, erklärt aber: „Ein Messer hatte ich nicht dabei.“ Den bisher unbekannten Mittäter will sie nicht gekannt haben. Der habe rein zufällig in das Geschehen eingegriffen. Ihr Opfer ist, wie sie selbst, obdachlos. Der Zeuge ist zur Zeit im Krankenhaus. Ihn wurde dort vor wenigen Tagen ein Fuß amputiert. Während ihrer Zeit in Hamburg wurde Galabina R. Mutter von zwei weiteren Kindern, die vom Jugendamt betreut werden. Ihre Anwältin: „Mein Mandantin ist in einem unglaublich schlechten Zustand. Sie braucht dringend eine Entziehungskur.“ Dass diese Kur der Angeklagten bewilligt wird, ist fraglich. Ihr droht eine längere Freiheitsstrafe und dann die Ausweisung nach Bulgarien. Der Prozess wird fortgesetzt. (je)
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