Was steckt hinter der Faszination Segeln?

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Segeln mit Hamburg-Panorama
 
Catharina Trunz (15), Jan Krueger (20) und Sven-Ole Ivens (56, v.l.) lieben das Spiel mit dem Wind und teilen die Leidenschaft fürs Segeln Fotos: sos

Leinen los zur Saison 2016. Logbucheintrag eines Segeltörns auf der Außenalster

Von Sonja Schmidt
Hamburg

„Achtung, Kopf runter!“, ruft Ole. Der Baum rast auf unsere Köpfe zu. Wir ducken uns, richten uns wieder auf und atmen erleichtert auf. So geht das bei jeder Wende, wenn der lange Balken, an dem das Großsegel befestigt ist, von einer Seite auf die Seite schwingt. Schnell ist klar: Zum Segeln gehört Köpfchen – und zwar ein unversehrtes, das schnell reagieren kann. Wer die Faszination Segelsport verstehen will, muss raus aufs Wasser. Zum Beispiel mit Sven-Ole Ivens, Hafenmeister und passionierter Segellehrer im Hamburger Segel-Club (HSC). Für einen Schnupperkurs segeln wir zwei Stunden über die Außenalster.

„Segeln ist ein komplexer Sport. Aber jeder kann es lernen“, sagt Ole. Weil wir heute eine Crew bilden, duzen wir uns. So macht man das unter Segel-Kameraden. Schließlich sitzen wir ja alle im selben Boot. Jan Krueger und Catharina Trunz segeln ebenfalls auf der „Alice“ mit. Das sportliche Kielboot ist „ein robustes Dickschiff der Bootsklasse J/24, ein sehr beliebtes Regattaboot in Hamburg“, erklärt Jan.

Der 20-jährige Flensburger absolviert ein freiwilliges soziales Jahr beim HSC. Immer wieder richtet er den Blick zum Himmel. Oben auf dem Mast, über dem gespannten Großsegel und der Genua, thront ein kleiner Windanzeiger, der Verklicker. Er zeigt an, in welchem Winkel das Boot zur Windrichtung segelt. Das nennt man „Kurse zum Wind“. Steht der Wind im rechten Winkel, segelt man halben Wind. Viel Wirbel macht der Verklicker heute allerdings nicht, denn es weht nur ein laues Lüftchen. Dafür schüttet es wie aus Eimern. Dick eingepackt in Seglergummistiefeln, Öljacken und Schwimmwesten gleiten wir über das seichte Wasser. „Richtige Segler kennen kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung“, sagt Ole.

Mehr als 1.000 Schülern und Schülerinnen hat der 56-Jährige das Einmaleins des Segelns beigebracht. Rechnet man seine gesamten Segel-Kilometer auf der Außenalster zusammen, ist er dreimal um die Erde gesegelt. Sein Lieblingsplatz auf der Alster? „Der ist immer da, wo der Wind weht.“
Ole ist Segler durch und durch. Daran ändert selbst ein dreifacher Kieferbruch nichts, den er sich mal bei einem harten Regatta-Manöver in der Karibik zugezogen hatte. Segeln ist für ihn nicht nur ein Sport. Es ist ein Lebensgefühl von Freiheit und Gemeinschaft.

Klar zur Wende?

Auch heute greifen alle Handgriffe perfekt ineinander. Jeder weiß, was er zu tun hat – nur ich nicht. „Es dauert, bis man mit einem Segelboot quasi verwachsen ist. Aber ich rate jedem Anfänger, Segeln auf dem Wasser zu lernen. Theorieunterricht allein bringt rein gar nichts“, erklärt Ole – und drückt mir das Ruder in die Hand. „Alice“ wird zickig und schlingert. Zum Glück haben wir bis auf ein paar Enten keinen Gegenverkehr. Die Alster ist an diesen wolkenbehangenen Nachmittag wie leergefegt. „Jetzt kannst du mal deine erste Wende fahren. Siehst du da hinten die Tonne?“, fragt Ole. Ich nicke und kralle mich mit der rechten Hand an der Ruderpinne fest. Links halte ich die Großschot. Erstaunlich, wie empfindlich das Boot auf die kleinste Bewegung reagiert. Dann gebe ich das Kommando: „Klar zur Wende?“ „Ist klar!“, antwortet Vorschoterin Catharina. Ich drücke den Bug rechts herum und müsste jetzt eigentlich noch „Ree!“ rufen, während ich die Wende durch den Wind einleite. Aber das vergesse ich in der Aufregung. Das Boot macht, was es will – aber Ole lobt: „Gut gemacht!“ Keine Frage, dieser Mann weiß, wie man Segelanfänger motiviert. Mit neuem Wind in den Segeln nehmen wir Kurs auf die Kennedybrücke.
Es dauert eine Stunde, bis ich den Törn genießen kann. Mittlerweile hält Ole das Ruder wieder in der Hand. Beim Blick auf die Umgebung erhebt sich in weiter Ferne die Elbphilharmonie hinter dem Rathausturm und der Alsterfontäne. Ein Bild, das man so nur vom Boot aus zu sehen bekommt.

Von Luv und Lee

Catharina lässt die Seele baumeln und lauscht dem leisen Plätschern des Wassers. „Segeln ist für mich Entschleunigung. Auf dem Wasser kann ich nach einem stressigen Tag besonders gut abschalten“, sagt sie. Die wichtigsten Grundlagen des Segelns lernte sie schon als Kind: Luv, das ist die windzugewandte Seite. Lee ist die windabgewandte Seite. Kleine Lernhilfe: „Wenn man in den Wind spuckt und die Spucke kommt wieder zurückgeflogen, dann war es Luv“, sagt Jan – und alle lachen. An Bord gemeinsam Spaß haben, auch das macht Segeln aus. Ole findet eine wasser-dichte Beschreibung: „Segler sind vielleicht nicht die glücklichsten Menschen, aber die glücklicheren unter den Glücklichen.“

Segeln lernen

Saison: März bis Oktober

Hamburger Segel-Club:
Schnuppersegeln,
Telefon 28 05 62 05, hamburger-segel-club.de

Segelschule Käpt’n Prüsse:
Schnuppersegeln Mo. - Fr.: 10 - 21 Uhr; Sa. - So.: 10 - 19 Uhr, Preis: 1 Std. ,1 Pers.
30 Euro; Sportbootführerschein Binnen Segeln:
Wochentags 10-21 Uhr,
am Wochenende 10-19 Uhr
Abendkurse 1x wöchentlich 19-22 Uhr + Ferien- und Kompaktkurse, Preis: ab 400 Euro, Telefon 280 31 31, pruesse.de

Segelschule Pieper:
Schnuppersegeln wochentags 10-22 Uhr, Preis:
1 Stunde für 1-2 Pers.: 45 Euro, Sportbootführerschein Binnen Segeln Theorie: Abend- und Wochenendkurse + 34 Praxisstunden, Spezialkurse: Theorie + Praxis an zwei Wochenenden + 10 Std. freies Segeln, ab 420 Euro, Kinder-Segeln (Opti), Anfänger & Fortgeschrittene: 10 Stunden ab 130 Euro: Telefon 24 75 78, segelschule-pieper.de

Hamburger Volkshochschule: Grundtechniken des Segelns + Prüfung zum Segelgrundschein, ab 250 Euro; vhs-hamburg.de
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