Erst „Irrenanstalt“, dann Quartier

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Michael Pommerening engagiert sich für seinen Stadtteil. Er schuf den Historischen Rundgang durch Wandsbek

Auf Eilbeker Krankenhausareal entstehen 35 Wohnungen

Barmbek/Eilbek. Wieder muss ein historisches Gebäude neuem Wohnraum Platz machen. Das alte Torhaus des früheren Allgemeinen Krankenhauses Eilbek wird voraussichtlich abgerissen. Auf dem Gelände sollen 30 bis 35 neue Wohnungen entstehen. Das Bezirksamt Hamburg-Nord teilt mit, dass das Torhaus nicht unter Denkmalschutz steht und im Bebauungsplan Barmbek-Süd 12 als städtebaulicher Erhaltungsbereich festgesetzt ist. Der neue Eigentümer, Hamburg Team, hat jedoch, laut Bezirksamt nachgewiesen, dass ein Erhalt des Gebäudes nicht wirtschaftlich wäre. Das Fachamt Stadtplanung würde demnach einem Abriss zustimmen, wenn der Neubau sich an dem historischen Torhaus orientiert.
Michael Pommerening, 62, ist ein echter Wandsbeker und kennt Eilbek wie kein Zweiter. In seiner Freizeit betreibt er Heimatforschung. 1998 schuf er den historischen Rundgang in Wandsbek, ein Stadtteilrundgang bei dem man durch aufgestellte Tafeln viel über die Geschichte erfährt. Er kenn auch die Geschichte des Torhauses. Das gehörte zur ersten „Irren-, Heil- und Pflegeanstalt“ Hamburgs. Von 1861 bis 1864 wurde die Anstalt auf einer Fläche von 38 Fußballfeldern erbaut. Das Prinzip der offenen Behandlung war zu dieser Zeit neu und in Hamburg einzigartig. Beim Bau wurde auf vergitterte Fenster und Mauern verzichtet. In einer spektakulären Aktion wurden alle Zwangsjacken öffentlich versteigert. Anekdoten kennt Pommerening über Eilbek zuhauf. Über die alte Irrenanstalt fällt ihm schnell eine ein: „Heute sagt man, du gehörst nach Ochsenzoll, wenn man jemanden nichts gutes wünscht. Früher sagte man, das ist ein Friedrichsberger“, sagt er. Wegen der Seuchengefahr baute man früher seperate Häuser die nur vereinzelt miteinander verbunden waren. Noch heute liegt das Torhaus am Wandsewanderweg in einem weitläufigen Parkgelände, was es für den Wohnungsbau umso attraktiver macht. 1919 zog das Staatskrankenhaus Friedrichsberg auf das Gelände. 1943 fielen fast alle Gebäude dem Hamburger Feuersturm zum Opfer, der sich dieses Jahr zum 70. Mal jährt. „Das Krankenhaus wurde wieder aufgebaut, zum Teil wurden Verletzte noch in den Ruinen der zerstörten Gebäude versorgt“, sagt Pommerening. Ab 1945 nahm das Krankenhaus als AK Eilbek seinen Betrieb wieder auf. Obwohl es genaugenommen in Barmbek-Süd liegt, ist es doch mit dem Wandsbeker Stadtteil untrennbar verbunden. Heute stehen weite Teile leer oder sind in öffentliche Flächen umgewandelt worden. Das Schön Klinikum liegt im Norden des Geländes. Die Planungen für das Torhaus stehen laut Eigentümer noch am Anfang. Mit dem Baubeginn und einem Entwurf wird in einigen Wochen gerechnet werden. (mt)
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