Die Magie des Kaspers lebt

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Lillie und Samir (beide 7 und in der Klasse 1b) zusammen mit Jörg Naused mit Kasper und Kerstin Berndt mit Benny Foto: to
 
Im Alukoffer stehen die Puppen bereit: Darunter auch original Hohensteiner Figuren im hohen Alter Foto: to
Hamburg: Jenfelder Str. 252 |

Verkehrserziehung mit der Puppenbühne begeistert immer noch – auch in Jenfeld

Von Thomas Oldach
Jenfeld
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Digitalisierung der Gesell-
schaft, in der schon Grundschüler mit Smartphone unterwegs sind, mag man es kaum glauben. Aber: Der Verkehrskasper lebt. Und wie! Nachdem sich die erste Unruhe unter den rund 80 Schülern der ersten Klassen in der Pausenhalle der Schule Jenfelder Straße gelegt hat, steht mit Jörg Naused ein erfahrener Polizeioberkommissar vor den Kindern.

Echte Polizisten

Und der ist echt: mit Uniform und sogar einer Pistole am Gürtel. Doch nicht nur seine Erscheinung und seine sonore Stimme machen Eindruck. Bereitet der 50-Jährige mit einem interaktiven Frage-Antwort-Spiel das Publikum – „sein“ Publikum – doch nur darauf vor, was dies in den nächsten gut 35 Minuten erwartet. Nämlich Verkehrserziehung auf die spielerische Art, die immer noch ankommt, nicht den erhobenen Zeigefinger in den Vordergrund stellt, sondern die Kinder mit zeitgemäßen, lehrreichen Stücken „abholt“ und berührt. Etwa mit „Benny, der Esel“. Der wird nämlich Opfer eines Verkehrsrowdys, der rücksichtslos auf einem Fußweg mit seinem Auto einparkt, dem Esel dabei über einen Huf fährt und Fahrerflucht begeht. Doch Kasper und die Polizistin „Anna Funk“ kommen „Viktor Schnell“ flott auf die Schliche und können ihn mit Hilfe des Publikums festnehmen. Kein Wunder, dass am Ende der Vorstellung viele Kinder glänzende Augen haben und die Figuren einmal anfassen möchten.

Verkehrserziehung rettet Leben

„Das sind diese Momente, für die sich der Job mehr als lohnt“, sagt Naused, der zusammen mit Polizeikommissarin Kerstin Berndt (33) und Polizeihauptmeister Patrick Ittrich (38) eines von zwei Polizeikasper-Teams bildet, die täglich an Schulen und Kindergärten im Einsatz sind. Ziel: Die Zahl der verunglückten Kinder im Straßenverkehr zu senken. Nach dem Rückgang der Zahl von 599 im Jahr 2013 auf 539 im Jahr 2014, stieg die Zahl 2016 nach Angaben der Polizei auf 568 Verkehrsunfälle. Insgesamt verunglückten in Hamburg 741 Kinder. Die Notwendigkeit der Verkehrserziehungsmaßnahmen durch die Verkehrslehrer der Hamburger Polizei liegt also auf der Hand. Naused ist seit 2012 bei der Abteilung Verkehrserziehung und –prävention in der Verkehrsdirektion 6. Als dreifachen Familienvater reizte ihn die Aufgabe hinter der Puppenbühne. Doch diesen Job bekommt man nicht geschenkt. Naused und seine Mitstreiter mussten ein regelrechtes Casting durchlaufen. Nur wer wirklich gut auf Kinder eingehen und unterschiedlichen Figuren ein „Leben einhauchen“ kann, qualifiziert sich.

Hamburgs Verkehrskasper ist seit 70 Jahren im Einsatz

Rund 2000 Kinder kommen pro Monat in den Genuss des Besuchs durch den Verkehrskasper in Hamburg – wobei jedes Team allein gut eine halbe Stunde mit dem Aufbau der Bühne – samt Zubehör mit einem Gewicht von rund 500 Kilogramm – beschäftigt ist. „Selbst wenn man dadurch etwas ins Schwitzen gerät – zu sehen, wie die Faszination der Puppe immer noch wirkt, welche geradezu magische Wirkung sie ausübt, bereitet jeden Tag neue Freude. Die Kinder sind einfach gefangen vom Theater“, sagt Naused. In Jenfeld waren bei den zwei Vorstellungen rund 150 Kinder dabei. Doch kaum ein Kind weiß natürlich, dass der Verkehrskasper tatsächlich der älteste Hamburger Polizist im Einsatz ist. Im kommenden Jahr feiert er nämlich sein 70-jähriges Dienstjubiläum. Zu seinen Ehren soll es deshalb auch ein Polizeipuppenbühnen-Festival mit Teilnehmern aus ganz Deutschland geben.
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