Immer mehr Armut in Hamburg

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Stephanie Timm (l.) ist alleinerziehend mit drei Kindern, Tobias Lucht ist der Leiter der Arche, der selber vier Kinder hat Foto: kg
 
Für viele Kinder ist die Arche ein Anker. Das drücken sie durch diese Collage aus Foto: kg
Hamburg: Görlitzer Straße 10 |

Alleinerziehende haben es besonders schwer. Die Arche in Jenfeld hilft sozial schwachen Familien

Von Karen Grell
Hamburg-Jenfeld
Die Arche in Jenfeld ist eine Einrichtung für Familien, die nur wenig Einkommen zur Verfügung haben und deshalb auf die Unterstützung von außen angewiesen sind. Jeden Mittag gibt es hier für mindestens 30 bis 40 Kinder aus sozial schwachen Familien eine warme Mahlzeit und den ganzen Nachmittag über die Möglichkeit, im Haus die Freizeit zu verbringen und auch Hilfen bei Hausaufgaben und anderen Problemen in Anspruch zu nehmen. „Die große Nachfrage ist in den vergangenen Jahren noch weiter gestiegen“, berichtet Tobias Lucht, der Leiter der Arche Jenfeld, der sich damit auf den aktuellen Armutsbericht bezieht, der laut Paritätischem Wohlfahrtsverband auf einem Höchststand von 15,7 Prozent liegt (das Wochenblatt berichtete). Gerade Alleinerziehende hätten es besonders schwer ihre Kinder durchzubringen und müssten in vielen Bereichen zurückstecken.

„Immer weitermachen und niemals aufgeben“


Das kann auch Stephanie Timm bestätigen, die mit ihren drei kleinen Kindern in Jenfeld lebt und froh ist, dass es die Arche gibt. „Zuerst wollte ich keine Hilfe annehmen, habe gedacht, ich müsse es allein schaffen“, so die Hausfrau, die sich zurzeit ganz auf die Erziehung ihrer Kinder konzentriert. „Ich würde gern wieder berufstätig sein“, sagt Stephanie, doch gerade weil die Kinder oft krank seien, habe ihr sogar die Agentur für Arbeit empfohlen, zunächst im Hause zu bleiben. Zu kompliziert sei der Ablauf, wenn sie aufgrund von Fehltagen durch die Kinderbetreuung, den Job wieder aufgeben müsste. Stephanie Timm hat ein Lebensmotto, das sie immer wieder motiviert und auf die Beine bringt: „Immer weitermachen und niemals aufgeben.“ Das ist ihre Devise, an der sie auch in schweren Zeiten festhält. Sie gehört zu denen, die Tobias Lucht als Rechenfüchse bezeichnet.

Winterjacken, Schulranzen, Geburtstagsschenke


Stephanie Timm weiß sich zu helfen, indem sie mit Freundinnen Kleidung für die Kinder tauscht, lieber günstiges Eis beim Discounter kauft, als beim Eismann und statt ins Kino zu gehen, dann ab und zu einmal einen Heim-Kino-Abend mit der ganzen Familie veranstaltet. Dennoch gibt es Momente, an die Stephanie nicht gern zurückdenken möchte. „Wenn plötzlich alle drei neue Schuhe brauchen, die Winterjacken nicht mehr passen, die Schulranzen erneuert werden müssen oder die Geburtstage anstehen, die alle in denselben Monat fallen.“ Dann stehen oft große Ausgaben an, für die sie an anderer Stelle einsparen muss. Stephanie Timm versucht ihren Kindern beizubringen, dass man nicht alles haben muss, was die anderen besitzen und dass ein glückliches Miteinander wichtiger ist als alles andere. Sie baut deshalb auch mal ein Bett für ihre Jungs selber und organisiert den Transport für das Holz gleich zusammen mit der Arche.

Ausgrenzung ist das Schlimmste


Bernd Siggelkow, der Gründer der Arche Deutschland, betont, dass sie Situation gerade für Alleinerziehende schlimmer werde. Armut, das bedeute auch schnell Mangel an bildungsgleichen Chancen und Ausgrenzung. „Wir müssen mehr Angebote schaffen, wie Nachhilfeunterricht und kostenloses Mittagessen“, so Siggelkow. „Ausgrenzung ist das Schlimmste für arme Familien“, meint auch Stephanie Timm, die immer versucht, ihre Kinder an allen Schulprojekten teilnehmen zu lassen. „Noch vor den Ferien findet eine Projektwoche zum Thema Zirkus statt“, erklärt die Mutter. Zusammen muss sie dafür einschließlich Teilnahmegebühr und Eintritt für die Abschlussvorstellung über 40 Euro bezahlen. Geld, das sie eigentlich nicht übrig hat. „Ich gucke mir die Aufführung natürlich trotzdem an, das mache ich für meine Kinder“, erklärt Stephanie Timm.

Weitere Infos: Arche in Jenfeld
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