Jenfeld setzt Zeichen gegen das Vergessen

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Sechs Straßen der Jenfelder Au werden nach NS-Opfern benannt Foto: Glitz
Hamburg: Jenfelder Au |

NS-Opfer als Namensgeber für künftige Straßen in der Jenfelder Au

Von Rainer Glitz
Jenfeld
Die Gedenkveranstaltung fand dieses Jahr in der Otto-Hahn-Schule statt, in Sichtweite der Jenfelder Au. Dort sollen insgesamt sechs Straßen laut einstimmigem Beschluss der Wandsbeker Bezirksversammlung nach drei Männern und drei Frauen benannt werden, die im Nationalsozialismus verfolgt oder ermordet wurden. Der Vorsitzende der Bezirksversammlung Peter Pape dankte den zahlreichen Abgeordneten für diese fraktionsübergreifende Entscheidung. „Es ist ein Zeichen gegen das Vergessen, ein solches Schreckensregime darf sich nicht wiederholen“, so der SPD-Politiker.

Sechs Schicksale


Die Schicksale aller sechs Namensgeber wurden kurz vorgestellt. Den Anfang machte Susanne Okroy, Leiterin des „Erlenbusches“, einer Einrichtung für behinderte Kinder in Volksdorf. Sie erinnerte an Hilde Wulff, die Gründerin des Heims. Wulff war nach einer Polio-Erkrankung selbst körperbehindert und rettete ab 1935 vielen Kindern das Leben, denen die Ermordung im Rahmen des „Euthanasieprogramms“ der Nazis drohte. Auch jüdische Kinder nahm sie auf. Unterstützt wurde Wulff von Hermine Albers, die sich in der SPD gegen das NS-Regime engagierte. Ihren Job bei der Hamburger Sozialbehörde habe sie deshalb verloren, referierte die SPD-Bezirksabgeordnete Sarah Mania. Ihre CDU-Kollegin Claudia Folkers stellte die dritte Frau vor. Charlotte Mügge unterstützte Deserteure und wurde 1942 wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ verurteilt. Getrennt von ihren sechs Kindern kam sie in ein Straflager. Das Urteil wurde erst 1947 aufgehoben.

Zeitzeugen spricht über Folter


Oliver Döscher von den Grünen erinnerte an das Schicksal von Erich Hippel. Die NS-Justiz bescheinigte ihm „angeborenen Schwachsinn“ und ließ ihn sterilisieren. Er kam trotzdem zur Marine und wurde 1944 wegen Fahnenflucht auf dem damaligen Wehrmachtsgelände Höltigbaum erschossen. Dasselbe widerfuhr Kurt Elvers. Er wollte lieber Kunst studieren als zurück an die Front. Er sei wegen kritischer Äußerungen denunziert worden, so Rainer Behrens von der Linken. Helga Daniel von der Liberalen Fraktionsgemeinschaft referierte über Kurt Oldenburg, nach dem bereits eine Straße der Jenfelder Au benannt wurde. Der Seemann aus Tonndorf zweifelte am Sinn des Krieges und desertierte. Zunächst zum Tode verurteilt, wurden er und sein Freund Ludwig Baumann begnadigt und in ein Strafbataillon gesteckt. Baumann berichtete als Zeitzeuge von Folter und Angst vor der Hinrichtung. Er endete mit einem Plädoyer für Gerechtigkeit und Frieden.
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