Ernst Deutsch Theater zeigt „Foto 51“

Wann? 12.02.2017 bis 14.02.2017

Wo? Friedrich-Schütter-Platz 1, Friedrich-Schütter-Platz 1, 22087 Hamburg DE
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Kann auch mal lachen, obwohl sie wenig zu lachen hat: Biochemikerin Rosalind Franklin (Isabella Vértes-Schütter) Foto: Oliver Fantitsch
Hamburg: Friedrich-Schütter-Platz 1 |

Anna Zieglers Stück erzählt vom Schaffen Rosalind Franklins

Hamburg-Uhlenhorst Menschen solle sie doch mal malen, rieten die Eltern der kleinen Rosalind Franklin. Doch die zeichnete lieber abstrakte Strukturen. Und wurde Biochemikerin. 1953 schoss sie das für die Entdeckung der Struktur der DNA entscheidende „Foto 51“. Den Nobelpreis für die Entdeckung der Struktur der DNA erhielten allerdings andere. Von den Vorgängen rund um das entscheidende Foto handelt Anna Zieglers Stück „Foto 51“, das jetzt im Ernst Deutsch Theater zu sehen ist. Insbesondere von den menschlichen Vorgängen, den Herabsetzungen durch männliche Kollegen, mit denen eine Wissenschaftlerin nicht nur Anfang der 1950er-Jahre zu kämpfen hatte. Die ersten Bilder der Inszenierung von Hartmut Uhlemann zeigen überlebensgroß die Porträts, Namen und Lebensdaten von Wissenschaftlerinnen aus dem 19. und 20. Jahrhundert wie schweigende Anklagen. Diese Frauen, so die klare Aussage, hätten mehr erreichen können, hatten es schwer, sich gegen die Kollegen durchzusetzen oder wurden wegen ihres Geschlechts diskriminiert. Wie Rosalind Franklin.

„Entdeckung des Lebens“


„Spröde“ und „schwierig“ sei sie, sagen die Herren Chemiker, mit denen die zielstrebige und durchsetzungsfähige englische Biochemikerin zusammenarbeitet oder zusammentrifft. Man frotzelt über ihr Privatleben, das nur aus Arbeit besteht. Rosalind Franklin forscht beharrlich allein. Sehr zum Verdruss ihres Kollegen Maurice Wilkins, der sie zwar herablassend behandelt, sie nur als Assistentin akzeptieren wollte, sie aber zunehmend zu schätzen weiß. Ungeschickte Annäherungsversuche scheitern regelmäßig. Da kommen der amerikanische Hallodri James Watson und sein spleeniger englischer Kollege Francis Crick gerade recht, denen Wilkins das entscheidende Foto 51 von Kollegin Rosalind leichtfertig (oder aus enttäuschter Liebe?) zur Verfügung stellt. Denen ist sofort klar, was sie da in Händen halten: die „Entdeckung des Lebens“, ein Foto der DNA-Struktur als Doppel-Helix. Das hatte Rosalind Franklin nicht erkannt. Sie stand aber womöglich kurz vor dieser Entdeckung. Als Watson und Crick einige Jahre später für ihre Entdeckung den Nobelpreis erhalten, erwähnen sie Rosalind Franklin mit keinem Wort. Sie erfährt es nicht mehr, denn sie ist bereits gestorben – mit 36 Jahren an Eierstockkrebs.

Schwungvoll inszeniert


Hartmut Uhlemann hat „Foto 51“ schwungvoll inszeniert, lässt die Szenen geschickt ineinander greifen. Das Spiel des überzeugenden Ensembles wird durch Erzählpassagen der Personen ergänzt, die sich darin abwechseln. Spiel und Erzählen gehen nahtlos ineinander über, so dass der Fluss der Inszenierung nie unterbrochen wird. Die Wissenschaft bleibt bruchstückhaft, auch als Videoeinspielungen von Modellen und Zeichnungen, im Hintergrund. Muss auch nicht verstanden werden. Intendantin Isabella Vértes-Schütter, die die Hauptrolle der Rosalind Franklin kurzfristig übernehmen musste, glänzt als selbstbewusste, gradlinige, leicht spröde Wissenschaftlerin, die durchaus nicht so kontaktscheu ist, wie die Kollegen es darstellen. (ch)

„Foto 51“: bis 19. Februar im Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, gespielt. Infos und Tickets: Ernst Deutsch Theater
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