Down-Syndrom: Der etwas andere Alltag

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Kerstin Schmidt und ihr Niklas erhalten Unterstützung von „Kids Hamburg“ Foto: to
Hamburg: Heinrich-Hertz-Straße 72 |

Der Verein „Kids Hamburg“ kümmert sich um Betroffene und Inklusion

Von Thomas Oldach
Billstedt
Niklas Schmidt ist vor wenigen Tagen 18 Jahre alt geworden – und hat groß gefeiert. Mit vielen Freunden und sogar mit einem genehmigten Feuerwerk. Eigentlich alles ganz normal. Doch das Geburtstagskind ist anders. Denn das Down-Syndrom hat sein Leben nicht in den gewohnten Bahnen verlaufen lassen. Und damit gehört er zu den rund 50.000 Betroffenen in Deutschland. Seine Mutter Kerstin Schmidt hatte die Party organisiert. Alles unter dem Motto „Wir wollen dazu gehören“. Warum auch nicht? Denn das Thema Inklusion – also das gemeinsame Lernen von Behinderten und Nicht-Behinderten – steht doch seit Jahren im Mittelpunkt von Politik und Gesellschaft. Wirklich? Kerstin Schmidt sagt Nein: Ihr Sohn hat trotz vieler Verbesserungen immer noch mit Zurücksetzungen im täglichen Leben zu kämpfen. „Früher waren es Probleme mit Gleichaltrigen, die ihn gehänselt und geärgert haben. Heute ist zwar vieles besser geworden in Sachen Akzeptanz, aber wir sind immer noch nicht da, wo auch unser Sohn hingehört, sagt die 52-Jährige.

„Situation akzeptieren – nicht daran zerbrechen“

Deshalb haben sie und ihre Familie – zu der auch ein elfjähriger Sohn ohne Behinderung gehört – schon vor Jahren die Ärmel aufgekrempelt und sich der Situation gestellt. Doch das war nicht einfach: „Man muss die Situation akzeptieren, darf nicht daran zerbrechen. Die Kinder mit Behinderung sind es mehr als wert und geben einem so viel zurück. Man muss nur akzeptieren, dass man anders leben wird und muss.“ Geholfen haben ihr dabei die Mitarbeiter von „Kids Hamburg“. Der Verein ist das große Kontakt- und Infozentrum in Sachen Down-Syndrom, das im September 1999 gegründet wurde. Zu den ersten Mitgliedern gehört auch Kerstin Schmidt. Die Ausrichtung der Vereinsarbeit ist geprägt von dem Erfahrungswissen von Menschen mit Down-Syndrom und ihren Angehörigen einerseits und hoher professioneller Kompetenz andererseits.

Volksinitiative „Gute Inklusion“

Die ursprünglichen Tätigkeitsschwerpunkte Beratung und Information wurden um drei Bereiche erweitert: Kinder- und Jugendarbeit sowie Bildungsangebote gehören jetzt ebenfalls dazu. Zudem gibt’s in der Präsenzbibliothek eine Reihe an Fach- und Kinderbüchern rund um das Thema Down-Syndrom. Doch der Einsatz des Vereins und engagierter Eltern allein reicht nicht. Deshalb wird jetzt mit der Volksinitiative „Gute Inklusion“ Druck gemacht . Die Aktivisten werfen Schulsenator Ties Rabe (SPD) vor, dass die „freie‘“ Schulwahl eine Farce sei für Eltern, die ein behindertes Kind haben. Sylvia Wehde, Mutter dreier Kinder: „Ich kenne eine Reihe von Eltern, die für ihr Kind die Inklusion wünschen, es aber trotzdem auf der Sonderschule anmelden.“

Unterschriftenaktion gestartet

Deshalb wurde für den 23. Februar der Start einer Unterschriftenaktion initiiert. Jetzt müssen die Aktivisten in sechs Monaten mindestens 10.000 Unterschriften sammeln, damit die Volksinitiative zustande kommt. Sie fordern mehr pädagogisches Personal, therapeutisches und pflegerisches Personal auch in der Inklusion, zusätzliche Räume und einen Masterplan für Barrierefreiheit. Niklas jedenfalls hat seinen Geburtstag zusammen mit seinen Freunden genossen. Kein Wunder: Hat er doch längst seine Schulausbildung an der Erich-Kästner-Schule abgeschlossen und ist in einem Praktikum an der Schule Fuchsbergredder als Hausmeistergehilfe mit viel Spaß unterwegs. Inklusion kann also doch funktionieren – aber eben noch lange nicht überall und jeden Tag.

Down-Syndrom und Infos

Beim Down-Syndrom ist aufgrund einer Genommutation das gesamte 21. Chromosom oder Teile davon dreifach vorhanden. Die ursprüngliche Bezeichnung war Mongolismus. Der Verein „Kids Hamburg“ hat mehr als 400 Mitglieder und finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Zuwendungen. Eine Mitgliedschaft kostet 90 Euro pro Jahr, Familien zahlen 130 Euro.

Weitere Infos und Kontakt: „Kids Hamburg“, Telefon 38 61 67 80, Heinrich-Hertz-Straße 72


Weitere Infos zur Volksinitiative: „Gute Inklusion“

Spendenkonto: IBAN: DE 97 2005 0550 1238 1429 52; BIC: HASPDEHHXXX
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