Hamburgs älteste Psychotherapeutin

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Eigeninitiative: Gudrun Halbrock jätet die öffentlichen Rosenbeete im Kellinghusenpark. Fotos: Haas
 
Gudrun Halbrock voll im Einsatz: für das Wohl der Kinder

Gudrun Halbrock (87) im Einsatz für die Kinder

Eppendorf. Der Lohn für ihre Plackerei war ein schöner Rosenstrauß, überreicht von Gärtnern, die sie – in Eigeninitiative – tatkäftig unterstützt. Denn sie liebt die Rosenbeete im Kellinghusenpark unweit ihrer Wohnung. Und die werden derzeit vom Unkraut überwuchert. Weil die Gärtner alle Hände voll zu tun haben, greift sie deshalb oft selbst zu Hacke und Handschuhen, um Ackerwinde, Brennnessel und Springkraut zwischen den Rosenbüschen zu jäten. Gudrun Halbrock (87) kennt sich bestens aus: „Früher hatten wir auch einen Garten, und alle packten mit an.“
„Respektvoll erziehen.“
Dabei hat die pensionierte Lehrerin genug zu tun, sie ist voll berufstätig als „Hamburgs älteste Psychotherapeutin“, wie sie die kassenärztliche Vereinigung kürzlich adelte. Eltern begleitet die agile Seniorin in therapeutischen Gesprächen. Zudem liegen in ihrer Praxis Püppchen bereit, so kommt sie spielerisch ins Gespräch mit Kindern. Ihr Ziel: „Die Prävention von Erziehungsschäden“. Der Weg dazu heißt für sie „Kinder respektvoll erziehen!“ Ihre Überlegungen zu alltäglichen Problemfällen beschreibt Gudrun Halbrock in ihrem Blog: www.respektvoll-erziehen.de. Zugleich engagiert sie sich auch für die Elternkurse von STEP (Systematisches Training für Eltern und Pädagogen). Denn Erziehung „aus dem Bauch heraus“ führe heute oft zu Dauerbespaßung, Verwöhnung und Überbehütung der Kinder. Dabei vernachlässigen Väter und Mütter oft genug ihre eigenen Ziele und überfordern sich selbst. Angesichts zunehmender „Materialschlachten“ bei Kindergeburtstagen etwa fragt sie nachdenklich: „Und wo bleibt die Freude?“

Vom Recht auf qualifizierte Erziehung
„Ohne Strafen und ohne autoritären Druck erziehen bedeutet nicht, die Zügel schießen zu lassen.“ sagt Gudrun Halbrock. Sie empfiehlt einen „unterstützenden Umgang mit Kindern“, der ihnen auch Grenzen setzt. Allerdings erfordere das erhebliche Anstrengungen der Erwachsenen: Die brauchen oft selber Hilfe, um nicht in eine „schwarze Pädagogik“ zu verfallen. Ansonsten würden die Kinder zu „Bildungsverlierern“: Spätestens hier werde die immense Bedeutung der Erziehung für unsere Gesellschaft zum Politikum: „Kinder haben ein Recht auf qualifizierte Erziehung.“ fordert die Psychotherapeutin und engagiert sich dafür, weil Politik und Gesellschaft noch zu wenig dafür tun. 34 Jahre lang war Gudrun Halbrock als Gewerbelehrerin tätig. Und damit nicht genug: In der schulischen Erziehungshilfe unterrichtet sie Kinder und Jugendliche in Heimschulen. Ihre Tochter zieht sie alleine groß, leitet über viele Jahre Eltern- und Erziehergruppen und ist Mitbegründerin des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter e.V. (VAMV). Mit 50 Jahren studiert sie – berufsbegleitend – Psychologie. Nach ihrer Pensionierung entschließt sich sie Diplom-Psychologin 1988 zu einer Ausbildung als Psychotherapeutin. Ihr Einsatz für die Unterstützung von Eltern in Erziehungsfragen wurde schon mehrfach ausgezeichnet.
Weil sie von ihrer Pension gut leben kann, fließen sämtliche Einkünfte aus der Psychotherapie seit 2002 in die „Gudrun Halbrock Stiftung zum Wohle der Kinder“. Seit 2005 läuft auch die Aktion: „Hamburg – kinderfreundliche Stadt? Mach mit!“ Info: www.kinder-hh.de
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