„Attention Restauration“

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Yosep Kang und Guanqun Yu las Arnold und Mathilde in Rossinis Guillaume Tell Foto: Brinkhoff/Mögenburg

Beifall und Buhrufe für Rossinis Guillaume Tell an der Staatsoper Hamburg

Alles ist für das Verlobungsfest bereitet. Arnold wäre gern unter den Verlobten, doch seine angebetete Mathilde gehört dem verfeindeten Lager an. Das Fest wird von Soldaten des Landvogts Gesslers beendet, Arnolds Vater Melchtal verhaftet und schließlich ermordet. Gessler zwingt Tell mit der Armbrust einen Apfel vom Kopf seines Sohnes Gemmy zu schießen. Der Schuss gelingt, Tell wird dennoch verhaftet. Mathilde wechselt das Lager und verhilft so Tells Sohn zur Flucht. Der Aufstand beginnt.
Mit der Uraufführung von Guillaume Tell 1829 in Paris beendete Rossini seine Tätigkeit als Opernkomponist. Er hinterließ ein gewaltiges Werk, das nicht nur als vermeintlich schweizerisches Panorama der Natur und des Freiheitsgeistes des Titelhelden, sondern auch als Seelenschau über Liebe, Hass, Verwicklungen und Abhängigkeiten schier unerschöpflich scheint. So unerschöpflich, dass sich auch die Nazis des Stoffes bemächtigten, passte doch der Typus des Volkstribunen Tell zunächst so ganz in ihr Bild.

Seelenschau über Liebe, Hass, Verwicklungen und Abhängigkeiten


Erst 1941 wurde die Aufführung des Werkes verboten, zu groß war die Angst vor dem „Drama des Separatismus“ und dem damit verbundenen Vorbild des moralisch gerechtfertigten Tyrannenmordes.

Vom Typ eines Tyrannenmörders ist die Gestalt des Tell in der jüngsten Inszenierung an der Hamburger Staatsoper nun aber weit entfernt. Als ergrauter Maler ist der damit beschäftigt, dem die Bühne (Bühnenbild Muriel Gerstner) einnehmenden Monumentalwerk („Der Schwur“ von Ferdinand Holdlers) zu neuem Glanz zu verhelfen. Einen großen Schlagbaum zieren die Worte: „Attention Restauration“. Roger Vontobel und sein Regieteam rücken die Geschichte der Schweizer Eidgenossen damit in die Nähe jüngster Diskussionen, ausgelöst durch die Flüchtlingskrise, um die Schließung innereuropäischen Grenzen und der Restauration zur Einzelstaatlichkeit.

Kann man so machen, muss man aber nicht. Leider allzu durchsichtig die Regieeinfälle, aneinander gereihte, pathetische Szenen lassen der Handlung kaum Fluss. Überall Rütlischwur. Blass hingegen die Figur des Tell (Sergei Leiferkus), der seinem Widersacher Gessler (überzeugend Vladimir Barkov) wenig entgegenzusetzen hat. Tells Tyrannenmord mit Pinsel und Farbe wirkt daher auch allzu plakativ als Sieg der Kunst über die Diktatur. Gabriele Ferros Dirigat kann die Erwartungen des Premierenpublikums nicht ganz erfüllen. Stimmlich grandios Christina Gansch, als Tells Sohn Gemmy. Herausragend und voller Spannung lassen Yosep Kang als Arnold und Guanqun Yu als Mathilde, die Zerrissenheit zwischen Liebe und Vaterland erleben. Zumindest hier ist das Publikum ist versöhnt.
Vorstellungen am 12., 16., 19., 22., 26. Marz 2016,19 Uhr. Karten unter www.staatsoper-hamburg.de
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