Barmbeker Kinonächte : Für die einen Unterhaltung, für andere ein Sommerjob

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Die Kinonächte in Barmbek sind in ihrer ersten Saison ein voller Erfolg (Foto: Outdoor Cine)
 
Klara Thiele arbeitet allabendlich bei den Barmbeker Kinonächten
Barmbek. Wer in dieser Zeit auf der Suche nach einer Abwechslung für milde Sommerabende ist, wird bis zum Sonntag im Zentrum vom Hamburger Stadtteil Barmbek fündig.

Noch bis zum 5. Juli können Kinobegeisterte die Barmbeker Kinonächte auf dem Marktplatz vor der Globetrotter Erlebnisfilliale genießen. Gezeigt werden Kinofilme jeglicher Art, vom mitreißenden Actionthriller über Komödie bis hin zum rührseligen Liebesdrama. Das Programm ist weit gefächert und erfüllt für fast jeden Zuschauer einen Kinowunsch.

"Es ist jedes mal komisch, 500 Leute lachen zu hören und man weiß einfach nicht warum."



Die Barmbeker Kinonächte sind Hamburgs erstes Kopfhörer-Freiluftkino. Jeder Besucher erhält zu Beginn der Vorstellung Kopfhörer gegen einen Pfand von 20 Euro, der Ton zum Film wird nicht über Lautsprecher übertragen. So herrscht während des gesamten Films eine besonders für die Anwohner entspannende Ruhe auf dem Platz im Herzen Barmbeks.
Nur die Großleinwand lässt die Handlung für Außenstehende erahnen. Zu diesen Außenstehenden gehört zu dieser Zeit auch Klara Thiele (18).
Die Abiturientin arbeitet seit dem Kinostart am 25. Juni an der Abendkasse der Kinonächte und beschreibt ihren Job als "ereignisreich und oft auch ziemlich spaßig". Klara bedient die Besucher mit Getränken und Snacks, die gegen geringen Obolus erhältlich sind. Sie selbst verdient 8,50 Euro - den Mindestlohn - pro Stunde plus Trinkgeld. "Die Kinonächte sind eine tolle Aktion und für mich ist es jedes mal wieder komisch, 500 Leute lachen zu hören und man weiß einfach nicht warum", erzählt die Schülerin mit einem Lächeln. Die neuartige Tonübertragung über Funkkopfhörer sorgt für ein einzigartiges Klang- und Kinoerlebnis, das täglich von hunderten Begeisterten genutzt wird.

Aufmerksam auf die Möglichkeit dieses Sommerjobs geworden ist Klara durch Freunde, die ihr diese besondere Beschäftigung empfohlen haben.
Die 18-jährige Eilbekerin hat gerade ihren Abschluss am Gymnasium Lerchenfeld mit Bestnoten absolviert und freut sich nun auf die freie Zeit des Sommers. Nächste Woche steht für sie und einige Freunde die Abschlussfahrt in das heiße Kroatien an und auch für ihre Freizeit suchte sie nach einer Gelegenheit, sich ihre kleineren und größeren Wünsche finanzieren zu können. Per Online Bewerbung bekam Klara die Stelle als Mitarbeiterin für das Hamburger Open-Air Kino.
Für Klara und ihre Kollegen beginnt der Arbeitstag, oder besser, die Arbeitsnacht jeden Abend zwischen 19 und 19.30 Uhr.
"Als erstes ruft Günther, der Teamleiter, uns alle erstmal zur Teambesprechung." Das Team setzt sich aus tatkräftigen Aushilfen zwischen 18 und 35 Jahren zusammen, die sich gegenseitig bei ihren abendlichen Aufgaben unterstützen. Die Besprechung vor der eigentlichen Vorstellung ist wichtig für die Realisierung und Organisation der Veranstaltung. Auf der Tagesordnung werden dann Programm, Wetter und zu erwartende Gästeanzahl besprochen.
Denn bis halb Acht lässt nur die große weiße Leinwand auf das Kinoerlebnis schließen. Doch das ändert sich, sobald die tatkräftigen Mitarbeiter beginnen, die Sitzmöglichkeiten in Reih und Glied aufzubauen. Schließlich soll ja auch jeder Besucher eine möglichst freie Sicht auf den Blockbuster erhaschen.
"Das kann manchmal ganz schön nervig sein," meint Klara, "denn man weiß bei jedem weißen Plastikstuhl, den wir platzieren: der muss nach der Vorführung auch wieder ordentlich weggeräumt werden!"
Und nicht nur die Stühle, auch der Müll, die ausgeliehenen Decken und Kissen und natürlich die Versorgungswagen für Cola, Wasser, Sekt, Bier oder Snacks dürfen am nächsten Morgen den Platz nicht mehr versperren. Das heißt für die Sommerjobber: Arbeitszeit bis 1 Uhr.

Die Volljährigkeit ist eine Grundvoraussetzung für die Annahme als Aushilfe gewesen. Klara sagt erleichtert: "Ich kann froh sein, grade 18 geworden zu sein, ansonsten hätte ich den Job hier nicht machen können." Laut Jugendschutzgesetz dürfen Jugendliche unter 18 Jahren nämlich nur Filmveranstaltungen besuchen, die bis 24 Uhr beendet sind. Und das kann bei einem Filmstart von 22 Uhr, inklusive Werbepausen und den genannten Aufräumarbeiten etwas schwierig werden.


Trotzdem freut sich die Schülerin, die Outdoor Cine GmbH bei ihrem geräuschlosen Kinoprojekt unterstützen zu dürfen. "Es ist einfach die allgemeine Atmosphäre, die mir hier Freude bereitet, zu arbeiten. Mit jedem Tag hatten wir mehr Besucher und es ist wunderbar, direkt miterleben zu dürfen, wie diese Premiere hier in Barmbek bei den Bewohnern so gut ankommt."

Kein Wunder, bei dem Wetter! Tagestemperaturen um die 28Grad lockten hunderte Schaulustige in das Herzen Barmbeks. Je mehr Besucher, desto mehr Stühle müssen aufgebaut und dementsprechend wieder weggeräumt werden. Aber viele Besucher bedeuten auch mehr Einnahmen und erhöhen die Abwechslung und Chancen auf einen kleinen Zuschuss.

Insgesamt ist Klara Thiele zufrieden mit ihrem Sommerjob und ganz nebenbei darf sie jeden Abend Kinohits und Filmklassiker unter freiem Himmel miterleben.
Sie hofft, dass auch im nächsten Jahr die Kinonächte weitergeführt werden, sodass sie dann vielleicht selbst die Möglichkeit der Funkkopfhörer ausprobieren kann.

Eventuelle Weiterführung der Barmbeker Kinonächte


Auf diese Möglichkeit hofft auch Dirk Evers, Geschäftsführer der Outdoor Cine GmbH. Wie bereits in einem Beitrag des Hambuger Wochenblatts berichtet, wollte der Veranstalter neben dem Schanzenpark und der im Millerntor-Stadion vorgeführten Filme auch den Bewohnern dieses Stadtteils die Erfahrung des Freiluftkinos gewähren. "Barmbek entwickelt sich immer positiver. Das junge Publikum hier liebt Kino, milde Sommerabende im Freien und vor allem das Neue."

Durch die freie Zugänglichkeit des Marktplatzes und der vertrauten Atmosphäre strömten die Besucher regelrecht auf das Gelände und sorgten bereits in den ersten fünf Tagen für Rekordzahlen von bis zu über 500 Filmliebhabern. Damit hat sich der Wunsch des Geschäftsführers auf ein "riesiges Sit-in" verwirklicht.

Noch bis 5. Juli laufen die Kinonächte mit Hits wie "Mad Max", "Monsieur Claude und seine Töchter" oder "Frau Müller muss weg". Getränke und kinofreundiche Leckereien sowie Karten für den jeweiligen Abend sind ausschließlich an der Abendkasse erhältlich. (Juliane Golla)

Einlass ab 21 Uhr, Beginn 22 Uhr, Bert-Kaempfert-Platz, Kopfhörer (8 Euro, ermäßigt 7 Euro, plus 20 Euro Pfand)
Infos und das Programm unter:
http://kinonaechte-barmbek.de/kino/tree/node3922/c...
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