Bewegende Vorstellung

Anzeige
Eine Szene aus dem Theaterworkshop mit Flüchtlingen im Kulturschloss Wandsbek Foto: Kaleidoskop

Theaterworkshop mit Flüchtlingen im Kulturschloss Wandsbek

Wandsbek Vor vollem Saal zeigten Flüchtlinge aus zwei Wandsbeker Wohnunterkünften Bilder und Szenen aus ihren Lebens- und Fluchtgeschichten. Sie präsentierten damit die Ergebnisse eines nur zweitägigen Theaterworkshops, der im Rahmen des Themenmonats „Flucht und Asyl“ im Kulturschloss Wandsbek durchgeführt wurde.
Unter der Leitung der beiden Theaterpädagoginnen Dorothea Erl und Ulrike Krogmann von „Kaleidoskop Theater und Kommunikation e.V.“ arbeiteten sechs Männer aus Syrien und Afghanistan gemeinsam mit weiteren Mitgliedern des Playbacktheater-Ensembles an Themen wie Heimat, Flucht und Ankunft in Deutschland. Diese Bilder wurden dem Publikum präsentiert, das, wie beim Playbacktheater üblich, auch hier nicht unbeteiligt blieb.

Besondere Atmosphäre


So sollten sie zum Beispiel Titel für die Skulpturen auf der Bühne finden. Vorschläge wie „Flehen zum Himmel“ oder „Zwischen Hoffnung und Verzweiflung“ machten deutlich, wie stark der Ausdruck der Schauspieler und wie einfühlsam das Publikum war. Überhaupt gelang es den beiden Leiterinnen auf besondere Weise, von Anfang an eine Verbindung zwischen den Spielern und den Zuschauern herzustellen. Damit war eine gute Atmosphäre für die dann folgenden Szenen einer Flucht geschaffen: Polizeigewalt auf den Straßen, willkürliche Straßenkontrollen, Vergewaltigung und Ermordung, die Macht der Schlepper, die Not auf hoher See und die von Erschöpfung wie auch Erleichterung gekennzeichnete Ankunft in Hamburg.

Flucht als Lebensrealität


Im Anschluss an die Aufführung nutzte das Publikum die Gelegenheit, den Flüchtlingen, die fast alle erst zwischen drei und sieben Monaten in Hamburg leben, direkt Fragen zu stellen. Auf die Frage, wie es ihnen damit ergangen sei, diese schlimmen Erlebnisse nun auch noch auf die Bühne zu bringen, antwortete Said, ein 33-jähriger Syrer, für sie alle seien diese Erlebnisse im Verlauf ihrer Flucht Lebensrealität gewesen – und hier sei es ihnen ein großes Bedürfnis, davon erzählen zu können. Hamid (28), der in Afghanistan als Dolmetscher für das amerikanische Militär gearbeitet hatte, ergänzte, er wolle auch manche Bilder korrigieren, die in den westlichen Ländern von seinem Land herrschten. So werde hier aus seiner Sicht inzwischen der Eindruck vermittelt, Afghanistan sei nach Jahren des US- amerikanischen und des NATO Einsatzes ein sicheres Land und Menschen von dort nicht mehr auf Asyl angewiesen. Er und viele Landsleute würden aber täglich noch immer anderes erleben und erleiden.
Nach dem offiziellen Teil blieben viele Gäste und kamen mit den Akteuren ins Gespräch - dass eine Fortführung dieser Arbeit wünschenswert wäre, darin waren sich Publikum und Teilnehmer einig. (wb)

„Kaleidoskop“ sucht weitere Unterstützung für solche Projekte. Informationen über die Arbeit gibt es unter 0157/39555162 oder per Mail an info@kaleidoskop-hamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige