"Glück, das mir verblieb..."

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Glück, das mir verblieb......Paul (Klaus Florian Voigt) trauert um seien verstorbene Frau. Kann Marietta (Meagan Miller) ihm den Weg zurück ins Leben weisen? Foto: Bernd Uhlig

"Die tote Stadt" nach 95 Jahren zurück in Hamburg

Paul kann Marie nicht vergessen. Sein Leben kreist um die Erinnerungen an seine verstorbene Frau. Er bewahrt ihre Andenken wie Reliquien in seiner “Kirche des Gewesenen“. Unerwartet dringt die Tänzerin Marietta in seine Welt ein, glaubt er doch, in ihr die geliebte Marie wiederzuerkennen. Paul beginnt wieder zu lieben. Doch wem gehören seine Emotionen? Ein Taumel zwischen Gefühl, Traum und Realität beginnt.

Wie eingesponnen in die Haare (Bühnenbild Roy Sphan, Kostüme Mechthild Seipel) seiner toten Frau, lebt Paul in einem Kokon, unfähig den Schritt zur Umkehr in ein Leben jenseits der „Stadt des Todes“ zu gehen. Als auf der Bühne ein Schiff die Rückwand durchbricht, das haarige Korsett öffnet und die versandete Stadt Brügge erreicht, nimmt Pauls Wahn Gestalt an: Aus dem kaputten Rumpf des Seelenverkäufers taumeln alptraumartige Gestalten auf den versandeten Boden der toten Stadt.

Was ist Traum, was Wirklichkeit?

Der Regisseurin Karoline Gruber, gelingt es in der aktuellen Hamburger Version den Zwiespalt zwischen Wahn und Wirklichkeit deutlich werden zu lassen. Gleich einem surrealen Film ziehen Bilder vorbei, die Totes und Lebendiges vereinen und dennoch Raum für Assoziationen lassen. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwinden. So vermischt Paul in seinem Sehnen nach Wiederholung des Vergangenen, die ihn umgebenden Frauen. Seine Haushälterin Brigitta und die Tänzerin Marietta werden zum Alptraumdouble der Marie. Der Wahnsinn scheint nicht aufzuhalten zu sein.

Wie weit darf Trauer gehen, ohne uns zu entwurzeln?


Seiner entwurzelten Zerrissenheit, seinem Aufbegehren gegen die allzu bigotten Verhältnisse seiner Zeit, gehört die ungeteilte Empathie. Und dennoch schützt Paul die Flucht in eine Fantasie vor der Realität nicht. In wahnhaften Rausch erwürgt er seine Geliebte mit den Haaren der toten Frau. Wie soll der Alptraum jetzt weiter gehen? Soll er dem Todesengel Frank folgen? Diese Frage bleibt offen. Pauls Weg auf der Bühne endet wie er begonnen hat.

Unumstrittener Star der Aufführung ist Klaus Florian Voigt, der stimmlich wie darstellerisch in der Rolle des entwurzelten Witwers Paul überzeugt. An seiner Seite die amerikanische Sopranistin Meagan Miller, die es ausgezeichnet versteht, die Marie/Marietta mit dezent erotischer Ausstrahlung dazustellen, wenn gleich sie gesanglich hinter Voigt zurückbleibt. Generalmusikdirektorin Simone Young gelingt es, die komplexen harmonischen Zusammenhänge der filmisch anmutenden Musik scharf zu akzentuieren, ohne in allzu Kitschiges zu verfallen. Damit macht sie es aber ihren Kollegen auf der Bühne nicht immer leicht.

Der 23-jährige Wiener Komponist Erich Wolfgang Korngold feierte mit seiner Doppelpremiere „Die tote Stadt“ im Jahre 1920 zeitgleich in Hamburg und Köln fulminante Erfolge. Auf Grund seiner jüdischen Wurzeln immigrierte er 1935 in die USA. Als Erfinder des Hollywood Sounds startete Korngold eine zweite Karriere. Zwei Oscars für seine Filmmusiken, haben seiner Opernkarriere allerdings eher geschadet. Gerade erlebt „Die tote Stadt“ eine ungeahnte Renaissance. An gleich elf Bühnen weltweit wird dieses Werk gespielt.

Vorstellungen am 31. März 2015 sowie 2., 7., 11. April 2015, 19.30 Uhr. Karten unter 040 / 35 68 68, online, sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. (Frank Denker-Kotowski)

Trailer "Die tote Stadt" Staatsoper Hamburg
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 26.03.2015 | 12:42  
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