Grenzen überschreitend

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Der Blick in das Claudius-Zimmer im Heimatmuseum Wandsbek an der Böhmestraße Foto: Jenssen
 
Das neue Claudius-Denkmal Foto: Jenssen
 
Die Tafel erinnert an das ehemalige Redaktionshaus Foto: Jenssen

Auf den Spuren von Matthias Claudius in Reinfeld und Wandsbek

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Matthias Claudius, der wohl bedeutendste Lyriker Norddeutschlands, wird in diesem Jahr besonders gefeiert. Er wurde am 15. August 1740 (also vor 275 Jahren ) im Pfarrhaus in Reinfeld geboren. Er starb am 21. Januar 1815 (also vor 200 Jahren) im Hause seines Schwiegersohns Friedrich Perthes in Hamburg am Jungfernstieg. Beigesetzt wurde Claudius vier Tage nach seinem Tod in Wandsbek. Er selbst nannte sich „Der Bothe von Wandsbeck“. In Wandsbek lebte und wirkte Matthias Claudius von 1771 bis zu seinem Tod. Doch von Wandsbek aus zog es den Dichter häufig, trotz der beschwerlichen Reisebedingungen, in seinen Geburtsort, so dass man Wandsbek und Reinfeld als „Lebensmittelpunkte“ des Dichters nennen kann. In beiden Orten erinnern zahlreiche Gedenktafeln, Gedenksteine und Denkmäler an den Dichter. Auf den Spuren des Dichters hat das Wochenblatt einige dieser Gedenkstätten besucht.
In Reinfeld, einer Kleinstadt zwischen Bad Oldesloe und Lübeck, wird der Besucher fast an jeder Ecke an den berühmten Sohn der Stadt erinnert. Selbst die schmucke kleine Kirche des Ortes wurde 1940 in Matthias-Claudius-Kirche umbenannt.
Wichtigster Besichtigungspunkt: Das Geburtshaus des Dichters. Es ist das alte Pfarrhaus am Herrenteich, einem kleinen See, den Besucher auf einem etwa einstündigen Spaziergang umrunden können.
Das Claudius-Geburtshaus war ein morsches Fachwerkhaus, das Dach oft undicht, die Küche eine offene Feuerstelle. Dennoch fühlt sich die Familie dort wohl. Claudius wächst behütet im Kreise vieler Geschwister und liebevoller Eltern in Reinfeld auf. Eine Tafel am Eingang des nach dem Tod des Vaters neugebauten Pfarrhauses weist auf den Geburtsort des Dichters hin.

In Reinfeld geboren


Sein Vater, der auch Matthias hieß, war 1729 zum Gemeindepfarrer in Reinfeld ernannt worden. Die Eltern von Matthias Claudius sollen im Altarraum der Kirche beigesetzt worden sein. Den Herrenteich vor dem Pfarrhaus erforscht Matthias Claudius als „junger Freibeuter“ mit dem Boot. Er entwirft eine abenteuerliche Seekarte. Bei einer der „Entdeckertouren“ kentert er und wäre fast ertrunken. „Ich hatte schon alles aufgegeben und dachte nur daran, wie mir der Tod schmecken und was meine arme Mutter sagen würde“ schreibt er später darüber. Es war der Hauch einer Begegnung mit dem Tod, seinem „Freund Hein“, dem er später seine Werke widmete. Im Jahre 1751 bekam Matthias Claudius „Freund Hein“ sehr bitter zu spüren. Drei seiner Geschwister starben an einer Seuche, die in Reinfeld wütete.
Eine moderne Skulptur erinnert an Claudius am Ufer des Herrenteiches. Das Denkmal von Jörg Pickat symbolisiert einen Halbmond. Zu entdecken an dem Gedenkstein aus schwedischen Bohus-Granit ist eine Silhouette des Dichters und der vollständige Text des Abendliedes. Ein weiterer Gedenkstein steht vor der Matthias-Claudius-Schule in der Nähe des Marktplatzes.
Dr. Harald Klückmann, Vorsitzender der Reinfelder Matthias-Claudius-Vereinigung, bedauert, dass es keine eigenen Museumsräume in Reinfeld für den Dichter gibt. „Das wäre bei der Bedeutung von Matthias Claudius für unsere Stadt angemessen“, findet er.
In Wandsbek ist es vor allem Michael Pommerening zu verdanken, dass Claudius-Verehrer auf den Spuren des Dichters wandeln können. Der Historiker erschuf einen Übersichtsplan für einen historischen Rundgang durch Wandsbek mit zahlreichen an Claudius erinnernden Stationen. Bedeutendste Station ist der historische Friedhof an der Christuskirche.
Der Friedhof ist ein Schmuckstück für Wandsbek. Er wird zur Zeit restauriert, so dass die Grabstätten wieder deutlich sichtbar werden. Mehr Licht fällt dadurch auch auf die Grabkreuze von Matthias Claudius und seiner Frau Rebekka. Die Kreuze von dem Dichter und seiner Frau müssen sich allerdings noch einer „Schönheitskur“ unterziehen und dafür den Friedhof für etwa sechs Wochen verlassen. Die „Kur“ sollen sie aber erst nach dem großen Claudius-Festakt im Herbst angetreten.
Auf dem historischen Friedhof, vor dem berühmten Schimmelmann-Mausoleum, steht auch das Kreuz für Rebekka (1784- 1835), eine Tochter des Dichters. Sie war mit dem Wandsbeker Pastor Jacob Arnold Schröder verheiratet. Eine weitere Tafel für Tochter Christiane (1775-1796) soll Anfang Juli auf dem Friedhof aufgestellt werden.
Nur wenige Meter vom Friedhof entfernt können sich Claudius-Verehrer über das 2,50 Meter hohe und sechs Meter breite Bronze-Relief freuen, das als neues Claudius-Denkmal im Januar eingeweiht wurde. Es zeigt Claudius unter einem Sternenhimmel - so wie sich die Sterne an seinem Geburtstag am 15. August 1740 gezeigt haben. Geschaffen wurde die Skulptur von dem Bildhauer Waldemar Otto aus Worpswede.
Anhand der roten Tafeln des historischen Rundgangs können Besucher erkunden, wo sich das Redaktionsgebäude des „Wandsbecker Bothen“ (Der Zeitung, die Matthias Claudius von 1771 bis 1775 leitete, und die Wandsbek berühmt machte) befand. Heute befindet sich dort (Ecke Wandsbeker Marktstraße/ Lützowstraße) die Deutsche Bank. Wenige Schritte weiter (Ecke Lützowstieg/Hinterm Stern) stand das Elternhaus von Rebekka. Claudius lernte seine Frau dort kennen, als er im Dezember 1770 nach dem Schlüssel für seine erste Wohnung in Wandsbek fragte.
Ein fröhliches Claudius-Denkmal finden literarisch interessierte Besucher auf dem Wandsbeker Marktplatz. Seit 2001 steht dort eine Skulptur des Bildhauers Bernd Stoecker. Sie hat den Titel: Der Freudensprung.

Blick ins Heimatmuseum


Lohnend ein Besuch des Wandsbeker Heimatmuseums. Das Claudius-Zimmer wird geprägt durch das Claudius-Porträt von Otfried Bleeker. Zu entdecken: eine Ausgabe des Wandsbecker Bothen von 1845 sowie viele Informationen über den Dichter und seine Familie. Geöffnet ist das Museum in der Böhmestraße 20 dienstags von 16.00 bis 18.00 Uhr und jeweils am ersten Sonntag im Monat von 11.00 bis 13.00 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Im Wandsbeker Gehölz steht ein Gedenkstein von 1840, errichtet von Wandsbeker Bürgern zum 100. Geburtstag des Dichters. In dem kleinen Waldstück, durch das Claudius gerne spazierte, kamen ihm möglicherweise die Inspirationen für das „Abendlied“.
Als Entstehungsport für das berühmteste Gedicht von Matthias Claudius hatten sich Emkendorf, Darmstadt, Reinfeld und Wandsbek viele Jahre gestritten. Inzwischen sind Claudius-Forscher sicher, das weder Emkendorf, noch Reinfeld oder Darmstadt als Entstehungsort in Frage kommen … so muss es also doch Wandsbek gewesen sein.

Veranstaltungen zu Claudius in Wandsbek und Reinfeld:

Bis 15. August
Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität, Holstenhofweg 85
Im Jubiläumsjahr von Matthias Claudius zeigt die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität die Ausstellung „Der ‘Wandsbecker Bothe‘: Claudius, Klopstock & Konsorten“. Ausstellungseröffnung am 5. Mai 2015, 18 Uhr Öffnungszeiten: Mo – Do 9-16 Uhr; Fr 9-14 Uhr. An Feiertagen geschlossen.

Dienstag, 16. Juni 2015
20.00 Uhr, Evangelischen Akademie Wandsbek
Hauptpastor em. Helge Adolphsen, „Verachte keine Religion, denn sie ist dem Geist gemeint“ Toleranz aus glaubensstarker Demut bei Matthias Claudius

Festakt im September
Im September wird es einen großen Festabend anlässlich des Jubiläumsjahrs von Matthias Claudius geben. Aktuell wird ein Programm mit vielen prominenten Gästen zusammengestellt

26. Juni 2015, 19.30 Uhr
Heimatmuseum
Leben, Wirken und die Zeit, als Matthias Claudius in Reinfeld und Wandsbek wirkte Unterhaltsamer Vortrag von Germanistin Dr. Inge Bernheiden und Historiker Dr. Carsten Walczok.

15. August, 10 Uhr
Matthias-Claudius-Kirche und rundum. Am 15. August 1740 wurde M.C. geboren. Familien-MC-Geburtstagsgottesdienst mit anschließendem Geburtstagsfest. Mit Kuchenwettbewerb, Kaffeetafel im Garten der MC-Kirche.

28.-30. August
Karpfenfest: „Claudius trifft Karpfen“
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