Hoch auf Claudius

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Alle sangen mit beim Abendlied Foto: je

Großer Festakt für den „Wandsbeker Boten“

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Es sind die Orte mit W, die mit ihren Dichtern fest verbunden sind. In Weimar Goethe und Schiller, in Wandsbek Matthias Claudius. Rund 200 Besucher strömten am Sonnabend zum Festakt des Claudius-Jahres in die Christuskirche am Wandsbeker Markt. Dort wurde der Dichter mit Musikbeiträgen, Vorträgen und Rezitationen gefeiert. In diesem Jahr jährte sich der 200. Todestag sowie der 275. Geburtstag von Matthias Claudius.
In seiner Festrede ging Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz auf den Lebensweg des Dichters ein, der seine Heimat in Wandsbek fand. Die Fahrtzeit von Wandsbek dauerte damals eine gute Stunde. Der Bürgermeister: „Es war ein langer Weg, der Claudius in das Herz der Hamburger führte. Aber in Hamburg fand der Wandsbeker Bote, der zwölf Kinder zu ernähren hatte, Gönner und Sponsoren. Es zeigt: Die Hamburger waren damals und sind auch heute keine geizigen Pfeffersäcke.“
Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff würdigte die Bedeutung des Dichters für Wandsbek. Ritzenhoff: „Matthias Claudius ist immer noch Wandsbeks bester Werbeträger; ein Marke!“
Fachvorträge schlossen sich an. Erle Bessert, Vorsitzende der Claudius-Gesellschaft, sprach über die literarische Bedeutung des Dichters. Bessert: „Die Sprache von Claudius ist bilderreich und volksnah. Er ging auf die menschlichen Grundprobleme ein. Immer wieder findet man kleine Juwelen in seinem Werk und Texte, die durch ihre Aktualität überraschen.“ Bekannt wurde Claudius vor allem durch sein „Abendlied“ (Der Mond ist aufgegangen...).
Der Wandsbeker Historiker Michael Pommerening betonte in seinem Vortag: „Claudius war mehr als nur das Abendlied.“ Auch heute noch vorbildlich, so Pommerening, sei die Toleranz des überzeugten Lutheraners gegen andere Religionen. Sein Kampf gegen Krieg und Zerstörung. Seine These: „Bevor ihr etwas zerstört, denkt darüber nach, was danach kommt!“ Und wichtig: seine Bescheidenheit. Seinen Sohn Johannes belehrte er: „Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagst.“
Die Organisation des Festaktes übernahmen Rainer Schünemann und Pastor Richard Hölck; die musikalische Gestaltung bei Gerd Jordan (Klavier und Orgel); Jenny Holewik (Violine); Felix Stockmar (Violoncello), Josa Malisch (Trompete) und Pauline Jacob (Alt). Die Claudius-Gedichte rezitierte Michy Reincke, ehemals Schüler am Matthias Claudius Gymnasium und berühmter Musiker (Taxi nach Paris). Reincke: „Unter uns Schülern wurde damals gewettet, dass es einem von uns doch mal gelingen sollte, Matthias Claudius als Namensgeber des Gymnasiums zu beerben. Aber ganz ehrlich: Wir wissen jetzt, das wird nichts mehr. An Claudius kommt keiner vorbei.“
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