„Ist die Nacht ohne Mond, frag die Sterne…“

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Mihoko Fujimura, Bejun Mehta, Susanne Elmark in der umjubelten Oper „Stilles Meer“ Foto: Arno Declair

Gefeierte Uraufführung „Stilles Meer“ an der Staatsoper Hamburg

Der Abend beginnt mit heftigen Detonationen, gefolgt von sanften Klängen, die die Bedrohung beinahe schon wieder vergessen lassen. Aber vergessen kann Claudia nicht. Vor Jahren kam sie mit ihrem Kind von Deutschland nach Japan. Jetzt hat sie ihren japanischen Mann und den Sohn Max bei der Erdbebenkatastrophe verloren. Den Tod ihres Mannes Takashi kann sie akzeptieren, den ihres Sohnes Max nicht. So steht sie an der Küste und wartet auf ihn, während Dorfbewohner so etwas wie Normalität im Schutzanzug zu leben versuchen. Stephan, der Vater von Max, ist nach Japan gereist, um Claudia zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen. Doch sie will bleiben. Stephan und ihre Schwägerin Haruko versuchen vergeblich die Trauerende in die Realität zurück zu bringen.

Fukushima-Katastrophe als Opernstoff


Toshio Hosokawa ist mit „Stilles Meer“ ein beeindruckendes, beklemmendes Werk gegen das Vergessen gelungen. Es erzählt die bedrückende Geschichte der Menschen nach dem Tōhoku-Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011, den verzweifelten Versuch Trauer zu bewältigen und Normalität wiederherzustellen.

Wie auf Wellen trägt die Musik das Ungreifbare näher. Explosionsartige Schlagzeug Intermezzi, die beinahe reale körperliche Schmerzen auslösen, lassen aber die ganze Brutalität des Geschehenen spüren. Die extrem behutsamen Bewegungen auf der Bühne (Inszenierung: Oriza Hirata) machen das Stück zu einem suggestiven, feinsinnigen Musiktheater. Beinahe zu schön und unschuldig wirkt dabei das fast leere Bühnenbild von Itaru Sugiyama. Nach Atomstrahlung oder Zerstörung sucht man vergebens.

Gemeinsam mit den Philharmoniker gelingt es Kent Nagano, mit scharfem, dennoch einfühlsamen Dirigat eine Brücke von Ost nach West zu schlagen. Die Koloratursopranistin Susanne Elmark (Claudia) begeistert ebenso, wie Mihoko Fujimura als Schwester des verstorbenen Gatten. Sensationell der Countertenor Bejun Mehta, (Stephan) der sich in beinahe außerirdische Sphären mit großartiger Wirkung singt. (fdk)

Weitere Vorstellungen am Sonnabend, 30. Januar, Dienstag, 9. Februar und Sonnabend, 13. Februar, jeweils 19:30 Uhr. Karten unter (040) 35 68 68 oder www.staatsoper-hamburg.de
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