Letzte Chance

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Bald wohnen hier Menschen: Der Hochbunker im Eilbeker Weg wird von einem Architekten-Paar aus Bremen zu Wohneigentum umgebaut.Fotos: sl

Verein „Unter Hamburg“ bietet Hochbunker-Begehung in Eilbek

Von Sylvana Lublow
Eilbek. Im Eilbeker Weg stehen noch zwei Hochbunker, die während des Zweiten Weltkriegs erbaut und genutzt wurden. Einer davon ist nun an ein Architekten-Paar aus Bremen verkauft worden, die das historische Gebäude in Eigentumswohnungen umbauen wollen. Am Wochenende bietet der Verein „Unter Hamburg“ drei letzte Führungen im Hochbunker im Eilbeker Weg 126 an.
„Der Bunker wurde 1942 errichtet und zwischen 1966 und 1967 zu einem sogenannten ABC-Schutzraum umgebaut, um auch während des Kalten Krieges Schutz zu bieten“, informiert Ronald Rossig, Gründungsmitglied des Vereins. Der sieben Etagen hohe Bunker mit 1,50 Meter dicken Stahlbetonwänden sollte die Hamburger vor Atombomben schützen. Noch bis vor einem Jahr war der Bunker voll ausgestattet. „Hier ist Platz für 1000 Menschen. Die zwei Eingangsbereiche sind mit ferngesteuerten Türen ausgestattet. Ein Kontakt am Boden zählte automatisch die Menschen. „Wenn der Bunker voll war, schlossen sich die Klappen, egal wer noch draußen stand. Das ist makaber“, sagt Rossig, der den Bunker mittlerweile sehr gut kennt und die Führungen macht.
Auch wenn Möbel bereits entfernt wurden, erfahren die Besucher auf bedrückende Weise, wie ein Aufenthalt in dem Schutzbunker ausgesehen hätte. Der Bunker ist völlig autark: mit Dieselmotor, einer Lüftungsanlage, die bei Stromausfall auch per Hand bedient werden konnte, ein Notstromaggregat und Wassertanks ausgestattet. Das alles kostete die BRD in den 60er Jahren drei Millionen Mark.
„Es war alles so vorbereitet, dass die Menschen hier zwei Wochen überleben konnten, ohne Kontakt zur Außenwelt. Von Toilettenpapier, über Babywindeln und Kosmetikartikel bis zu Baldriantropfen war alles eingelagert. „Nur die Nahrung nicht. Die Großversorger waren während des kalten Krieges gesetzlich verpflichtet, große Vorräte einzulagern. Bei Bedarf mussten diese schnell in die Bunker geliefert werden“, weiß Rossig. Neben den Aufenthaltsräumen gibt es im Bunker eine Küche, Toiletten, Waschbecken, Sanitäts- und Schlafräume und Lagerräume. Auf den Rundgängen erklärt Rossig genau, wie so ein „Atombunker“ funktioniert.
Etwa 60 Hochbunker gab es in Hamburg. Mehr als die Hälfte sind abgerissen oder zu Wohnhäusern umgebaut worden. Der Verein „Unter Hamburg“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bunker und historische Keller jeder Art zu erforschen und zu dokumentieren. Wo es geht, bieten sie Führungen an, um Geschichte an authentischen Orten zu vermitteln. „Wir haben einen unterirdischen Rundbunker am Berliner Tor gemietet, wo wir regelmäßig Führungen anbieten“, sagt Rossig. Gegründet wurde der 16 Mitglieder zählende Verein 2006. Sein Sitz ist in Dulsberg. „Uns verbindet der Wunsch, etwas zu entdecken und das Interesse an Architektur, die man nicht auf Anhieb erkennt“, erklärt der 46-Jährige.
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