Mobiler Musikunterricht

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Die Musiker Gunnar Freitag (li.) und Gerd Bander betreuen die Jenfelder Bands. Foto: Glitz
Von Rainer Glitz
Jenfeld. Im vorderen Teil des Jamliners steht ein Schlagzeug, Gitarrenverstärker und Instrumente hängen an den schwarzen Wänden. Im hinteren Teil, getrennt durch eine Glastür, ein Mischpult und ein Computer mit einem digitalen Aufnahme- und Schnittprogramm. Der mit einem bunten Graffiti besprühte, umgebaute Linienbus ist Proberaum und Ton-Studio in einem. Der Jamliner ist ein spendenfinanziertes Projekt der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg. „Unser Angebot wendet sich an Jugendliche, die sonst keine Möglichkeit hätten, Musik zu machen. Vorkenntnisse sind nicht nötig“, sagt Gunnar Freitag (33).
Ziel: Ein eigener Song
Jeden Mittwoch steht er mit dem Jamliner und seinem Musiker-Kollegen Gerd Bander (43) in Jenfeld vor der Schule Denksteinweg. „Die Band steht im Vordergrund“, erklärt Bander, „jeder soll ein Instrument in der Hand haben“. Eine Band, das sind jeweils fünf Jugendliche ab zwölf Jahren. Für ein halbes Jahr werden sie von der Schule freigestellt, um jeweils eine Stunde pro Woche im Jamliner zu üben.
Ziel ist es, einen Song zu schreiben, aufzunehmen und zu produzieren. „Am Ende bekommt jeder seine CD mit selbstgestalteten Cover“, sagt Gerd Bander. Die Band entsteht meist erst bei der Arbeit.
Die Profis von der Jugendmusikschule helfen, aus groben Ideen einen Song mit Text, Strophe und Refrain zu machen. Am Anfang stehen Rhythmusübungen, nach einer Probierphase spielt jeder ein festes Instrument. Im Jamliner gelten zwei Regeln: Die Songs müssen selbst geschrieben sein, und getextet wird auf Deutsch. Inhaltlich geht es meist um Themen wie Freundschaft oder Schule.
Musikalisch steht vor allem der Sprechgesang hoch im Kurs, es gibt aber auch Bands, die rockiger klingen, einige Mädchengruppen singen lieber Balladen. „Natürlich kommt es manchmal zu Eifersüchteleien“, räumt Gerd Bander ein. Aber ganz nebenbei lernen die Jugendlichen, damit umzugehen. Viele finden durch das freiwillige musikalische Projekt die Akzeptanz, die sie sonst nicht bekommen. Die Proben finden übrigens hinter verschlossenen Türen statt. „Der Bus ist ein gutes Symbol für Freiheit“, sagt Gunnar Freitag. Die fertigen Songs werden auf der Internetseite jamliner.de veröffentlicht. Viele Jugendliche machen danach weiterhin Musik, dann in Proberäumen in Jugendhäusern oder Schulen. Und dann eben auch ohne Aufsicht. Zwei Busse sind in Jenfeld und acht weiteren, in eher sozial schwachen Stadtteilen unterwegs. Ab 16 Uhr können übrigens alle Nachwuchsmusiker den Jamliner nutzen. Und wer dabei Blut geleckt hat, kann sich auf eine Warteliste setzen lassen. Am besten gleich zusammen mit vier Mitstreitern. (rg)

Kontakt: http://www.jamliner.de
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