110 Flüchtlinge am Staatsarchiv

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Der Sportplatz an der Litzowstraße wird nicht genutzt. Bis November sollen hier 60 Wohncontainer aufgestellt werden Foto: mt
 
Auf dem städtischen Grundstück, Bahngärten 11, könnten kurzfristig 50 Menschen Platz finden Foto: mt

Containerdorf an der Litzowstraße ab November

Von Marco Thielcke
Hamburg. Die Sozialbehörde sucht dringend Flächen für die Unterbringung von Flüchtlingen in Hamburg – und findet sie in Wandsbek. Ab November wird die Zahl der in Wandsbek lebenden Asylbewerber stark ansteigen. Wie nun bekannt wurde ziehen 110 Flüchtlinge an die Litzowstraße. Die SPD-Bezirksfraktion informierte die Anwohner der Litzowstraße Anfang vergangener Woche mit Postwurfsendungen über den Beschluss der Sozialbehörde, die die Fläche für die öffentliche Unterbringung so kurzfristig freigab. Demnach werden auf dem ungenutzten Sportplatz neben dem Staatsarchiv 60 Wohncontainer für 110 Asylbewerber aufgestellt. Fünf Jahre sollen die Container in der Litzowstraße stehen.
Auch Anwohnerin Julia Zorn wurde in der vergangenen Woche über die geplante Unterbringung der Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft durch die Briefsendung informiert. Sie bezweifelt, dass der Sportplatz neben dem Staatsarchiv in Wandsbek der richtige Standort ist: „Die Wohncontainer sollen in einem Wohngebiet gegenüber einer Grundschule aufgebaut werden,“ sagt Zorn.
In dem Schreiben der SPD heißt es dazu: „Die aktuellen Erfahrungen zum Beispiel mit dem Standort August-Krogmann-Straße in Farmsen, wo rund 350 Menschen untergebracht wurden, zeigen uns, dass zunächst verständliche Vorbehalte sich nicht bestätigen.“ Im Frühjahr protestierten in Farmsen Anwohner und Bürger über die zentrale Unterbringung von Flüchtlingen. An dem Standort blieb es jedoch ruhig. Anja Quast, Fraktionsvorsitzende der SPD-Wandsbek, bietet in dem
Schreiben Gespräche an, hat in der Vergangenheit aber auch schon klargestellt: „Es kann nicht sein, dass alle immer nur sagen wo es nicht geht, aber niemand sagt, wo die Menschen denn wohnen sollen.“ Claudia Folkers, CDU, hätte die Anwohner schon früher informiert: „Die Anwohner hätten über die Aufstellung der Container informiert werden müssen, noch bevor die Planung im öffentlichen Ausschuss bekannt wurde. “
Noch in der vergangenen Woche bekräftigte Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff im Hamburger Abendblatt, die Bereitschaft des Bezirkes, bis zum Jahresende 200 Flüchtlinge aufzunehmen. Aktuelle Planungen der Sozialbehörde sehen aber weit mehr Plätze vor. In der Litzowstraße und am Volksdorfer Grenzweg entstehen allein 280 Asylbewerber. Weitere Standorte werden laut der Sozialbehörde noch geprüft. Dabei hat die Sozialbehörde bereits weitere konkrete Standort im Blick. Am Bahnhof Wandsbek, Bahngärten 11, könnten kurzfristig 50 Plätze geschaffen werden. Auf dem Gelände sitzt zur Zeit die „hamburger arbeit“, ein städtisches Unternehmen das seit 30 Jahren Beschäftigungsmaßnahmen an Menschen ohne Arbeit vermittelt. Auch an der Stephanstraße 15 könnten bald Wohncontainer stehen. Mit einer Entscheidung ist frühestens Mitte Oktober zu rechnen. „Wir prüfen alle Flächen, die uns, von den Bezirke vorgeschlagen werden. Der Bedarf ist zur Zeit so groß, dass jede Fläche die geeignet ist, auch verwendet wird“, so eine Sprecherin der Sozialbehörde.

Lage angespannt

In Wandsbek leben 1652 Flüchtlinge. Hamburgweit sind es 9046. Das Bundesamt für Migration erklärte im September, dass die Zahl der Asylanträge im Vergleich zum vergangenen Jahr um 87 Prozent angestiegen ist. Kurz vor dem anlaufenden Winternotprogramm ist die Situation beim städtischen Unternehmen „fördern und wohnen“, das die Flüchtlinge und Wohnungslose betreut, angespannt. Uwe Holtermann, Bezirksleiter „fördern und wohnen“: „Wir haben keine Reserven mehr. Oft ist es so, dass wir noch am Dienstag Plätze für Menschen suchen, die am Mittwoch erwartet werden.“ Solange es in Hamburg kein langfristiges Konzept gibt, bleiben Notmaßnahmen wie die Container an der Litzowstraße ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Unterbringung von Flüchtlingen. (mt)
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