3.000 neue Denkmäler

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Viele Siedlungsbauten werden ab Mai den Denkmal-Status tragen, auch dieses Haus am Friedrich-Ebert-Damm. Foto: Kuchenbecker
 
Das Amtsgericht Hamburg Wandsbek ist etwas Besonderes: Es ist ein ordentliches Gericht und zugleich ein Kulturdenkmal. Foto: nk

Gesetzesänderung greift auch im Bezirk Wandsbek

Von Nicole Kuchenbecker
Wandsbek. Die Autos sausen den Friedrich-Ebert-Damm Richtung stadtauswärts entlang. Immer und immer wieder herrscht dichter Verkehr. Kaum ein Autofahrer wirft einen Blick auf die Wohnhäuser, die den Rand der Straße säumen. Dabei sind hier echte Denkmalschätze dabei. Durch das jetzt verabschiedete neue Denkmalschutzgesetz werden auch in Wandsbek sogenannte erkannte Denkmäler zu "richtigen“ Denkmäler.
Und so ist Hamburg auf einen Schlag gleich um 3000 solcher (an)erkannten Denkmäler reicher. Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) kann zufrieden sein, denn auch durch ihr Wirken wurde jetzt das neue Gesetz auf den Weg gebracht. Die Kultursenatorin: „Ziel des neuen Denkmalschutzgesetz ist es, den schützenswerten Bestand an historischen Gebäuden und Ensembles in Hamburg besser zu sichern und zugleich klare und transparente Regelungen für private Eigentümer und Investoren zu schaffen. Nach intensiven Beratungen ist es uns gelungen, einen guten Weg zu finden, der sowohl den Denkmalschutz stärkt, als auch die Interessen der Eigentümer berücksichtigt.“
Bislang stehen in Hamburg 1900 Denkmäler förmlich unter Schutz. „Die Eigentümer der jetzt hochgestuften 3 000 Denkmäler profitieren in mehrfacher Hinsicht“, erklärt Helmuth Barth, Vorsitzender des Denkmalvereins Hamburg, „sie haben jetzt Rechtssicherheit und damit Denkmalsicherheit, und sie können in Zukunft Steuererleichterungen und Finanzzuschüsse für denkmalpflegerischen Mehraufwand beantragen.“ In den kommenden Wochen sollen die Eigentümer der „neuen“ Denkmäler vom Denkmalschutzamtes Post erhalten; dazu noch einen Leitfaden. Für alle Besitzer ändert sich erst einmal gar nichts. Doch wenn sie eine Veränderung an ihrem Denkmal vornehmen wollen, müssen sie nach der neuen Regelung eine Genehmigung einholen und können bei Bedarf gegen die Entscheidung des Denkmalschutzamtes Einspruch einlegen. Barth betont: „Hier herrscht noch immer die Unkenntnis, dass das Widerspruchsrecht über den Denkmalwert weggefallen ist. Das ist nicht der Fall.“
Wandsbek, Dulsberg, Tonndorf oder Jenfeld – in allen Stadtteilen kommen jetzt neue Denkmäler dazu. „Das betrifft alle Stadtteile“, erklärt Kristina Sassenscheidt, Sprecherin des Denkmalschutzamtes. Wer und was genau jetzt zu einem neuen Denkmal wird, kann einer umfangreichen Liste im Internet entnommen werden (www.hamburg.de/kulturbehoerde/verzeichnis). An der Farmsener Landstraße beispielsweise wurde ein Haus nach einem Entwurf von Ludwig Lorenzen aus dem Jahre 1906 zum Denkmal. In Wandsbek wurde die gesamte Friedrich-Ebert-Damm-Siedlung unter Schutz gestellt. Dazu zählen Wohnhäuser am Friedrich-Ebert-Damm sowie an der Lesserstraße und Hinschenfelder Straße. Der Schutz umfasst zudem die Vorgärten, die Geländer und sämtliche Freiflächen. Auch das Amtsgericht an der Schädlerstraße genießt den besonderen Schutz, ebenso große Teile des Dulsberger Siedlungsbaus. Einspruch zwecklos: Das neue Denkmalschutzgesetz wurde jetzt von der Bürgerschaft verabschiedet. Es tritt voraussichtlich am 1. Mai mit der offiziellen Veröffentlichung im Hamburgischen Gesetz- und Verordnungsblatt in Kraft. (nk)

Info:
Denkmal – was ist das eigentlich?

Denkmäler sind unbewegliche Sachen – so die Definition. Das können einzelne Bauwerke, eine ganze Gruppe von Bauwerken wie Siedlungen sein; aber auch Grenzsteine und archäologische Stätten, die von öffentlichem Interesse sind. Und dieses Interesse definiert sich durch seine Bedeutung, die geschichtlicher, künstlerischer oder wissenschaftlicher Natur sein können. Weiter muss das Bauwerk im „ursprünglichen“ Zustand und nicht umgebaut worden sein. Auch die innere Raumstruktur, die Ausstattungselemente sowie Gartenanlangen können bei der Beurteilung berücksichtigt werden. (nk)
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