375 Jahre Tradition

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Der Vorstand der Wandsbeker Schützengilde präsentiert das Jubiläumsheft (v.l.): Jens Behrens (2. Vorsitzender/ Sport) Schatzmeisterin Marianne Rademacher, Petra Bruhn (1. Vorsitzende) und Ronald Koslowski (2.Vorsitzender/ Haus). Foto: Thomas Hoyer
 
Eine Aufnahme von 1961. Die Schützen ziehen durch die Wandsbeker Marktstraße. Angeführt von einer Kutsche mit Wandsbeks früheren Bezirksamtsleiter Achim-Helge Freiherr v. Beust (l.) und Heinz Soltau, von 1933 bis 1963 WSG-Vorsitzender. Archiv: Karl-Heinz Steckel

Wandsbeker Schützen feiern Jubiläum. Teil I

Von Thomas Hoyer
Wandsbek. Nur noch vier Wochen, dann feiert die Wandsbeker Schützengilde ihr 375-jähriges Jubiläum. Die Vorbereitungen für das Schützenfest, das am Sonnabend, 1. September, erstmals in einem großen Zelt auf dem Wandsbeker Markt stattfindet, laufen auf Hochtouren.

Rückblick

Drehen wir das Rad der Geschichte zurück. 1637, also zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges, wurde die WSG als Schutz- und Brandgilde der Wandsbeker Bauern und Handwerker von dem vom dänischen König eingesetzten Obristen und Gutsverwalter Bernd v. Hagen, gegründet. Sie diente als Schutz vor Räubern, plündernden Landsknechten, bekämpfte darüber hinaus Feuersbrünste. Nach Kriegsende 1648 wurde die Gemeinschaft beibehalten. Schießübungen blieben weiterhin Pflicht.
Einmal im Jahr, zum Johannis, wurde eine große Feier veranstaltet. Man schoss auf einen hölzernen Vogel, der an einer Stange befestigt war. Wer ihn abschoss, wurde von seinen Gildebrüdern zum Schützenkönig ausgerufen und von allen Kosten befreit. Nachzulesen in der original Gilderolle, die Dr. Walter Höcker, ein früherer Schützenbruder, im Hamburger Staatsarchiv 1962 entdeckte. Mittlerweile wird beim Königsschießen eine handbemalte Scheibe mit 40 Zentimeter Durchmesser aus 50 Metern anvisiert. Der Teilnehmer, dessen Schuss der Mitte am nächsten ist, wird zum Schützenkönig proklamiert.
375 Jahre bedeuten für eine Gilde aber auch Höhen und Tiefen, wie Kriege, Hungersnöte und Seuchen, die es zu überstehen galt. Laut Annalen musste ein 1847 gebauter Schützenhof an der heutigen Rodigallee um 1900 an Wandsbek verkauft werden. Ein Ersatzgrundstück wurde in Wandsbek Gartenstadt nahe des U-Bahnhofs gefunden. Das 1926 eingeweihte Schützenhaus fiel allerdings schon 1943 Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges zum Opfer.

Akribische Rekonstruktion

Dabei gingen leider auch die Unterlagen und Aufzeichnungen verloren. In mühevoller Kleinarbeit gelang es Karl-Heinz Steckel, dem langjährigen Fotografen und Archivar der Gilde, der nach wie vor auf der Suche nach Bildern, Zeitungsausschnitten und Briefen aus alten Zeiten ist, alle Könige und ihre Ritter bis 1896 zurückzuverfolgen. „Insgesamt 300 Wandsbeker, die sich in den letzten 115 Jahren auf den Königsthron beziehungsweise zum Ritter geschossen haben“, berichtet Karl-Heinz-Steckel, der genau wie Peter Hilke dreimal zum Schützkönig ausgerufen wurde.
Die Schießanlagen konnten nach dem Krieg noch bis Ende der 1950-er Jahre genutzt werden. Als Treffpunkt dienten nach Zerstörung des Clubheims verschiedene Wandsbeker Gaststätten. Im Hotel Tiefenthal direkt am Wandsbeker Markt - der Keller diente zeitweise als Luftgewehrschießstand - wurde bis 1973 das jährliche Schützenfest mit dem Königsball abgehalten, während die dazugehörigen Wettkämpfe im Schützenhof Berner Au stattfanden. 1963 erwarb man ein Grundstück an der Hammer Straße, errichtete dort zunächst ein kleines Schützenhaus mit zehn Luftgewehrständen, ehe 1989 das heutige, behindertengerecht gebaute Schießsportzentrum fertig gestellt wurde, benannt nach dem langjährigen Vorsitzenden und Ehrenpräsidenten Peter Köpke (+2008), dem die Gilde ein Menge zu verdanken hat. Zur ehrenvollen Eröffnung ihrer Anlage anlässlich des 38. Deutschen Schützentages in Hamburg, durfte die Gilde den Wettkampf um die Würde des Bundesschützenkönigs in Wandsbek ausrichten.

Die Fortsetzung lesen Sie in der nächsten Woche.
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