380 Kinder und kein Platz zum Spielen

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Am Stadtrand leben fast 700 Menschen, mehr als die Hälfte sind Kinder Foto: fbt
 
Sechs Räume dieser Art existieren in dem Gebäude. Sie müssen aus Brandschutzgründen nach Veranstaltungen immer wieder leer geräumt werden Foto: fbt
Hamburg: Am Stadtrand 35 |

In der Wandsbeker Flüchtlingsunterkunft leben fast 700 Menschen. Behörde plant nun um

Von Frank Berno Timm
Wansbek
Im Streit um die Flüchtlingsunterkunft Am Stadtrand bewegt sich der städtische Betreiber fördern und wohnen (f&w) auf die Wandsbeker Initiative „Welcome to Wandsbek“ zu. Die Betreiber wollen nun nachträglich dauerhaft nutzbare Gemeinschaftsräume in die Flüchtlingsunterkunft einbauen lassen. Die Initiative hatte zuvor kritisiert, dass es in dem fast 700 Bewohner fassenden Gebäude kaum vernünftige Gemeinschaftsräume gibt.

380 Kinder und Jugendliche

Eigentlich ist die Gegend ein reines Gewerbegebiet mit Büros, verschiedenen Firmen und Behörden. Aber in dem früheren Verwaltungsgebäude eines Gabelstaplerherstellers wohnen Afghanen, Syrer und Afrikaner: 690 sind es nach Auskunft von f&w, davon allein rund 380 Kinder und Jugendliche. Seit Februar ist das Haus in Betrieb, die Belegung jetzt so gut wie abgeschlossen. Die Familien können in eigenen, kleinen Wohnungen leben.

Gemeinschaftsräume fehlen

Christine Meyer von f&w deutet aus dem Fenster des Verwaltungsbüros: Eine Feuertreppe ist zu sehen. In einem Haus dieser Größe und Belegung müsse es einen dritten Fluchtweg geben. „Die Gemeinschaftsräume sind Teil dieses Fluchtwegs“, so Meyer. Finden dort Veranstaltungen statt, muss anschließend alles wieder weggeräumt werden, Die f&w-Gebietsleiterin betont, dass es wichtig sei, hier genau zu sein: Eine andere Einrichtung habe ja wegen fehlendem Brandschutz nicht eröffnet werden können. „Es gibt ein Aber“, fügt sie hinzu: In drei der sechs derartigen Räume sollen neue Wände eingezogen werden; die müssen ebenfalls feuersicher sein. Nach den Bauarbeiten stehen dann Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Demnächst würden Bauanträge beim Bezirk Wandsbek gestellt und man hoffe, dass zügig entschieden werde. Bis Ende des Jahres sollen die Arbeiten, deren Kosten die Stadt Hamburg übernimmt, erledigt sein. Bärbel Adolphs und Alexander Weil von der Flüchtlingsinitiative „Welcome to Wandsbek“ hatten sich wegen der fehlenden Gemeinschaftsräume an das Hamburger Wochenblatt gewandt und zugleich darauf hingewiesen, dass auf dem Spielplatz, der zu dem Gebäude gehört und auf einem früheren Parkdeck angelegt wurde, eine Absturzsicherung fehle.

Angebote für Kinder

Christine Meyer macht darauf aufmerksam, dass „Welcome to Wandsbek“ einen Ausweichraum in der früheren Schule Walddörferstraße ausgeschlagen habe. Das bestätigt Alexander Weil: „Wie realistisch mag es wohl sein, dass Flüchtlinge von Am Stadtrand für ein Kinderspielangebot oder ähnliches diesen Weg zurücklegen?“ Die Räumlichkeiten seien 2,5 Kilometer entfernt, so Weil. Christine Meyer macht aber noch ein weiteres Angebot: Eine der 160 Wohneinheiten des Haues bleibe frei, sie könne für eine Übergangszeit für Veranstaltungsangebote genutzt werden und soll eine entsprechende Ausstattung erhalten. Es sei wichtig, dass Angebote für die Bewohner aus der Flüchtlingseinrichtung herausführten, betont die f&w-Mitarbeiterin. Auch der regelmäßige Kontakt mit Ehrenamtlichen müsse sich noch entwickeln.

Sommerfest am 23. August

Beim Rundgang durch das Gebäude wird schnell klar, dass es ursprünglich für einen anderen Zweck gebaut wurde. Die Flure wirken schmucklos, eigentlich grau, auf dem Hof stehen Müllcontainer in einem großen Karree, auf einem früheren Parkdeck soll eigentlich ein Kinderspielplatz sein. Es habe sich gezeigt, dass die Kinder auf die Mauer kletterten, nun müsse ein Zaun ergänzt werden, das solle bis Mitte August passieren. So lange bleibt die Spielanlage gesperrt. In der Tiefgarage darunter soll Platz für Kinderwagen und Fahrräder geschaffen werden. Am 23. August findet in der Unterkunft Am Stadtrand ein Sommerfest statt. Bewohner und Mitglieder der Initiative hoffen, dass bis dahin die angekündigten Spiel- und Gemeinschaftsräume geöffnet wurden.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 14.08.2017 | 15:45  
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