500 Quadratmeter Gartenglück

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Herbert Rathje, Jan Grabau und Werner Reincke schätzen die familiäre Atmosphäre im Verein.Fotos: Christa Möller
 
Harald Haak ist Vorsitzender des Laubengarten-Vereins von 1913.

Tomaten, Mirabellenbaum und eine starke Gemeinschaft

Von Christa Möller

Wandsbek. Susanne und Harald Haak genießen jede Minute auf ihrer Parzelle im Laubengarten-Verein von 1913 an der Tilsiter Straße in Wandsbek-Hinschenfelde. Seit 25 Jahren hat Harald Haak seine Parzelle hier, seit zehn Jahren ist er Vereinsvorsitzender.
Jeder kennt jeden – es sind ja nur 32 Parzellen. „Nicht, dass jeder weiß, was der Nachbar kocht, aber es ist hier recht familiär…“ Zwar gibt es kein Vereinshaus, aber das macht nichts. Wenn sie gemeinsam ihr Sommerfest feiern wollen, dann stellen die Kleingärtner eben Wetterzelte auf den Gartenweg.

Gemeinsinn

Gemeinsinn ist den Schrebergärtnern wichtig, die 1952 bei einem Wettbewerb der Hamburger Baubehörde die heute noch in Resten vorhandene Wegbeleuchtung gewannen. Zusammen errichteten sie in den vergangenen Jahren eine Abkippstation und sanierten ihre Vereinswege.
Früher zählte der Verein mal 200 Parzellen, doch die wachsende Großstadt Hamburg brauchte Platz und so musste der Verein seit seiner Gründung vor bald 100 Jahren, am 5. April 1913 am Alten Teichweg, bereits mehrfach umziehen und Verkleinerungen seines Areals hinnehmen. 1919 bekamen die Laubenpieper ein neues Zuhause an der Wiesenkoppel. „Das war damals alles ein bisschen ländlich“, weiß Harald Haak aus den Vereinsunterlagen.

Stetig verkleinert

Seit 1928 befindet sich das Vereinsgelände an der heutigen Stelle, „damals hieß es noch Berner Straße und daneben waren Felder und eine Schuttkuhle.“ 1958 und 1960 sowie 1990 beanspruchte die Stadt Hamburg Teile der Kleingartenanlage, die nun zu den kleinsten in der Stadt zählt. 32 Pächter, davon die Hälfte ehrenamtlich im Verein aktiv, 47 Mitglieder, zwei Fördermitglieder und zehn Bewerber auf der Warteliste – das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. Zwar sind zwei Drittel der Pächter bereits über siebzig, aber der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern.

Begeisterung vererbt

Dabei sind das Engagement und das Fachwissen der älteren Gartenpächter durchaus gefragt. Herbert Rathje ist der älteste Aktive im Verein, er hat hier seit etwa 60 Jahren seinen Garten im Verein. Werner Reincke nutzt sein grünes Paradies schon seit 55 Jahren. Beide engagieren sich als Revisoren, ein Amt, für das sich auch Vereinsneuling Jan Grabau interessiert, der erst seit 2010 hier eine Parzelle gepachtet hat.
Auch Harald Haaks Eltern haben einen Kleingarten und dem Sohn wohl die Begeisterung dafür vererbt. Der Berufskraftfahrer findet Entspannung im Garten bei der Pflege von Paprika, Tomatenpflanzen und türkischen Peperoni. Außerdem hat der Rahlstedter diverse Obstbäume, darunter Äpfel und Mirabellen, im Garten und zieht seltene Pflanzen wie Avocados und den Tasmanischen Pfeffer. Bis zum Frost ist noch was zu tun und dann kann man die Bepflanzung fürs nächste Jahr planen.
Seinem Sohn Christian, 23, gefällt die Gartenarbeit auch, er hat sie sogar zum Beruf gemacht. Im Verein ist der gelernte Gärtner als ehrenamtlicher Gartenfachberater zur Stelle, wenn es beispielsweise um Tipps zur Bepflanzung oder zum Baum- und Heckenschnitt geht. Seit 2003 finden die Gartenfreunde Informationen zu ihrem grünen Hobby auf der Internetseite des Laubengarten-Vereins.

Drittelung

Wer sich um eine Parzelle bewerben möchte, hat gute Chancen, wenn er aus Hamburg stammt und Familie mitbringt. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle. Alle profitieren vom Erfahrungsaustausch. Nach wie vor gilt für die Nutzung der Pachtfläche die sogenannte Drittelung: Ein Drittel für Gemüse und Obst, ein Drittel für Rasen und Zierpflanzen, ein Drittel für Gartenhaus / Terrasse. Bis zu 24 Quadratmeter groß darf die Laube sein, der sogenannte „Typenlaubenzwang“ gilt heute nicht mehr. Teuer ist das grüne Hobby auch nicht, 17 Cent Pacht kostet der Quadratmeter, insgesamt werden etwa 240 Euro pro Parzelle fällig.

www.laubengartenverein.de
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