Abriss nach falschem Gutachten

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Das ehemalige soziale Gruppenhaus an der Steilshooper Allee 461 Foto: tel

Abbruchkosten für Gruppenhaus deutlich höher. CDU: „Unglaublicher Vorgang“

Von Michael Hertel
Bramfeld
Riesenärger um das ehemalige soziale Gruppenhaus an der Steilshooper Allee 461. Mit dem Abriss des maroden Pavillons musste sich der Jugendhilfeausschuss der Bezirksversammlung Wandsbek wiederholt befassen, zuletzt in der vergangenen Woche. Das Gebäude wurde erst vor kurzem plattgemacht. Nun stellt sich heraus, dass die Abrisskosten statt veranschlagter 50.000 Euro mindestens 92.000 Euro betragen. Der Grund: „Entgegen des Gutachtens vom April 2014 (...) ist in einer aktuellen Untersuchung Asbest in den Innenräumen des Gebäudes gefunden worden“, so das Bezirksamt. Die erhöhten Kosten ließ sich die Verwaltung nachträglich vom Ausschuss genehmigen. Für die CDU-Bezirksfraktion ein „unglaublicher Vorgang“. Zuvor hatte der Ausschuss aufgrund besagten Gutachtens (Abriss: 50.000 Euro; Sanierung: 90.000 Euro) für den Abriss gestimmt. Der CDU-Bezirksabgeordnete Sandro Kappe: „Durch die bereits veranlassten Abrissarbeiten und die entstandenen Planungskosten für den Abriss ist eine Sanierung ausgeschlossen. Die Verwaltung hat Fakten geschaffen. Bramfeld verliert erneut eine soziale Einrichtung.“ Im Ausschuss wurde klar dargelegt, wie es zu den erhöhten Kosten gekommen ist. „Für den Gutachter war offensichtlich aus den Unterlagen nicht ersichtlich, dass Asbest vorhanden war. Es ist aber gelungen, die Gruppen anderweitig unterzubringen“, erklärt Lena Voß, Pressesprecherin des Bezirksamtes. Die Kostendifferenz werde, so Voß, aus Mitteln des Ausschusses beglichen. Marc Buttler (SPD) erklärt den Vorgang detailliert: Das besagte Gutachten von 2014 (Kosten: rund 4.000 Euro) sollte nicht den Abriss, sondern die Sanierungsmöglichkeit prüfen. Dabei ging es vor allem um den maroden Sockel. Eine Materialprobe der äußeren Sockelverkleidung ergab den Befund „kein Asbest“. Bei der (späteren) Abrissvorbereitung allerdings wurden von der zuständigen Sprinkenhof AG aufgrund aktueller Vorschriften weitere Proben genommen. Und nun fand sich innen Asbest unter anderem in Spachtel, Kleber, Ausgleichsmasse und Fußboden. Buttler: „Die Angebote aus dem Gruppenhaus sind im Haus der Jugend untergekommen. Zur Zeit allerdings ist der Mitarbeiter erkrankt.“ Nach Informationen des Wochenblatts wurde das alte Gruppenhaus mindestens von sieben verschiedenen Gruppen regelmäßig sowie von weiteren externen Gruppen genutzt. Nicht alle konnten im Haus der Jugend eine neue Heimat finden. Zudem ist die dortige Arbeit, die auf lediglich einer Personalstelle basiert, seit Monaten unterbrochen. Derzeit prüft das Bezirksamt, wie das Angebot des Sozialen Gruppenhauses fortgeführt werden kann.
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