„ Achten Sie bitte auf die Nasenspitze!“

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Eines der Lieblingstiere von Ursula Isecke: Der ehemalige Schloss-Löwe auf dem Wandsbeker Marktplatz Fotos: Jenssen
 
Achten Sie auf die Nasenspitze: Die Büste von Tycho Brahe

Beim historischen Spaziergang durch das moderne Wandsbek erzählt Ursula Isecke Geschichten

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Die Handtaschen der Frauen sind unergründlich. Dazu gehört die Handtasche von Ursula Isecke. Auch wenn ihre Tasche nicht gefüllt ist mit der üblichen Krimskrams-Mischung aus Schmink- und Gebrauchsgegenständen. Ihre Handtasche ist gefüllt mit selbstgeschrieben Zetteln, Flyern und Broschüren zur Geschichte des Stadtteils Wandsbek. Ursula Isecke (74) ist „Stadtführerin“. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Wandsbeker Bürgervereins führt sie Hamburger und Touristen auf einem „historischen Spaziergang“ durch den modernen Ortskern von Wandsbek.
Vor zwei Jahren hat die frühere Justizangestellte den „Job“ übernommen. Während der Tour spürt man die Freude, die es Ursula Isecke bereitet, die Teilnehmer mit immer neuen Geschichten und Informationen über die Geschichte des Hamburger Steilteils zu überraschen. Sie hat viele Bücher über Wandsbek gelesen und sich ein Wissen erarbeitet, das sie jetzt gerne weitergibt.

Mausoleum

Doch Ursula Isecke leitet nicht nur die historischen Spaziergänge“. Von Mai bis September ist sie an jedem dritten Sonntag im Monat auch die „Herrscherin“ über das Schimmelmann-Mausoleum. Von 11 bis 13 Uhr ist die Grabkapelle an diesen Sonntagen geöffnet. Interessenten sollten unbedingt einen Blick in das Mausoleum werfen. Es gilt als das bedeutendste klassizistische Bauwerk in Nordeuropa. Die Sarkophage des Grafen Heinrich Carl von Schimmelmann (1724 – 1782) und seiner Gattin Caroline Tugendreich von Schimmelmann sind aus feinstem Carrara-Marmor hergestellt.

Historischer Friedhof

Zu Beginn des historischen Spaziergangs führt Ursula Isecke die Teilnehmer über den historischen Friedhof Wandsbeks. Viele bedeutende Bürger Wandsbeks sind dort begraben. Pflicht ist ein Besuch der Gräber des Dichters Matthias Claudius und seiner Frau Rebecka. Der leider verwilderte Friedhof soll bis Januar 2015 restauriert werden.Am 21. Januar wird der 200ste Todestag von Matthias Claudius gefeiert.
Dann geht es weiter durch den Ortskern. Nach dem Feuersturm im Zweiten Weltkrieg blieben nur wenige historische Gebäude unbeschädigt. Der Stadtteil ist daher geprägt von Bauten aus der Nachkriegszeit. Und dennoch gibt es viel zu entdecken: Einblicke in die spannende Geschichte Wandsbeks.

Meilensteine

Die „Spaziergänger“ werden zunächst zum Geschichtsstein, nahe der Christuskirche, geführt. Der Stein wurde 1937 auf dem Marktplatz errichtet. In diesem Jahr wurde Wandsbek von Hamburg eingemeindet. Auf ihm sind die historischen „Meilensteine“ der einstigen Gemeinde vermerkt. Durch den Bau des ZOB musste für den Stein ein anderer Standort gefunden werden.
Danach wandeln die „Rundgänger“ auf den Spuren des Dichters Matthias Claudius (1740-1815). Ursula Isecke führt sie zum Standort des ehemaligen Redaktionsgebäudes des „Wandsbecker Bothen“ (Wandsbek wurde damals mit ck geschrieben). Gezeigt werden die Plätze, an denen das Elternhaus von Rebecka, der Gattin des Dichters stand. Das Wohnhaus von Johann Heinrich Voß (1751-1826), dem berühmten Homer Übersetzer, stand an der Straße „Hinterm Stern“. Voß war ein enger Freund von Matthias Claudius.

Staatsarchiv

Ursula Isecke führt die „Spaziergänger“ anschließend am Staatsarchiv und den Jüdischen Friedhof an der Kattunbleiche vorbei. Danach geht es zurück zum Wandsbeker Marktplatz. Sehenswert dort die Löwen-Plastiken, die ehemals am Wandsbeker Schloss ( 1861 abgerissen) Wache hielten.
Auch zwei Sandsteinvasen (zu sehen am Übergang zur Schlossstraße) gehörten früher zum Schloss.
Am Rande des Puvogel-Gartens (benannt nach dem Ehrenbürger Friedrich Puvogel), wurden 2006 drei Büsten aufgestellt, die an bedeutende Persönlichkeiten erinnern sollten, die in Wandsbek gewirkt haben: Heinrich Rantzau, Tycho Brahe und Graf von Schimmelmann. Die Büste von Schimmelmann wurde 2008 entfernt. Aktivisten hatten sie immer wieder beschmiert, nachdem bekannt geworden war, dass Schimmelmann einen Teil seines gigantischen Vermögens durch Sklavenhandel erworben hatte.

Beim Duell Nase verloren

„Achten Sie mal auf die Nase“, richtet Ursula Isecke das Augenmerk der Spaziergänger auf die Nase von Tycho Brahe (1546-1601). Der bedeutende Astronom hatte im Alter von 20 Jahren bei einem Duell (es ging um eine mathematische Formel) einen Teil seiner Nase verloren. Er trug danach eine Nasenprothese - deutlich zu sehen auch an der Büste. Eine von vielen Überraschungen auf diesem historischen Spaziergang. Der Rundgang endet an der Christuskirche.
Zum nächsten historischen Spaziergang lädt der Bürgerverein Wandsbek am 18. August ein. Treffpunkt 14.30 Uhr am Mausoleum. Zuvor kann von 11 bis 13 Uhr das Mausoleum besichtigt werden
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