ADFC Hamburg: Rote Karte für Bettelampeln

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An der Kreuzung Wandsbeker Allee/Kattunbleiche bekommen Radfahrer ein unsicheres Gefühl. Die Ampel ist auf Dauer- oder Anforderungsbetrieb geschaltet Foto: sim

Diese Ampelanlagen sind ein großes Ärgernis für Radler, so die Lobby für Radfahrer

Von Siegmund Menzel
Wandsbek
Der ADFC Hamburg wird sich verstärkt für die Beseitigung der sogenannten Bettelampeln in Hamburg einsetzen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Landesversammlung, auf der Horst Palzer einen entsprechenden Antrag einbrachte. Lichtsignalanlagen an Kreuzungen, die dem nicht motorisierten Verkehr erst auf Anforderung „Grün“ geben, würden Radfahrer und Fußgänger diskriminieren, begründet der 80-Jährige aus dem Max-Herz-Ring seinen Antrag, der während der Landesversammlung sehr intensiv diskutiert wurde. Bettelampeln seien schon lange ein Thema, man müsse das Thema jedoch intensiver bearbeiten, erklärte der Landesvorsitzende Georg Sommer. Die Stadt sollte das Tempo deutlich erhöhen und die Bettelanlagen schneller beseitigen. Der ADFC Hamburg werde das Anliegen gegenüber Politik und Verwaltung künftig noch stärker verdeutlichen. Eigens dafür entwickelt der neu gewählte Vorstand eine Strategie, wie Sommer weiter mitteilte. Ulf Dietze, verkehrspolitischer Sprecher der ADFC-Bezirksgruppe Wandsbek, bezeichnete es als einen Skandal, dass die umweltfreundlichen Verkehrsträger ausgebremst werden. Bettelampeln seien seit Jahren das große Ärgernis für Radfahrende. Solange sie an Ampeln als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse behandelt werden, bleibe der Begriff „Fahrradstadt Hamburg“ eine Worthülse.

Gleichbehandlung


Für Horst Palzer geht es um die Gleichbehandlung an Kreuzungen, Radfahrer möchten auch zügig vorankommen (wie das Wochenblatt berichtete). Sie beschleunigen oder bremsen, um die Grünphase locker zu erreichen. Er macht auf das Problem an der Kreuzung Wandsbeker Allee/Kattunbleiche aufmerksam: Die dortige Ampel sei manchmal auf Dauerbetrieb geschaltet, manchmal müsse man aber halten und die Anforderungstaste betätigen. So entstehe ein „unsicheres Gefühl“. Alle Bettelanlagen müssten demontiert werden. Genau das hatte der Rentner bereits in einer Eingabe beim Bezirk Wandsbek gefordert. Verstärkter Protest sei notwendig, „weil sonst unter unserem Rot-Grünen Senat nichts Entscheidendes passiert“, meinte Horst Palzer. Diese Kritik möchte Bürgerschaftsmitglied Lars Pochnicht aus Wandsbek (SPD) nicht so stehen lassen. Seit Regierungsübernahme 2011 habe der Senat insgesamt 39 Bettelampeln in Hamburg abgeschafft. Derzeit gebe es noch 75 derartige Lichtsignalanlagen. Der Abbau gehe weiter. Nach Auskunft der zuständigen Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation bleiben jedoch 26 Anlagen mit Grün-Anforderung weiterhin erhalten. Argumente dafür sind geringe Fußgängerzahlen und Prioritäten für den Busverkehr. Für das Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft stellt sich die Frage, ob an den verbleibenden 26 Kreuzungen nicht auch Lösungen für Radfahrer realisiert werden können.

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