Ärger um S-Bahnaufzug

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Diana Nußbaum vor der Factory: Sie hält die Pläne für den Neubau des Aufzuges in den Händen Foto: Sichting

Verbaut neue Brücke der Station Hasselbrook die denkmalgeschützte Factory?

Von Mathias Sichting
WANDSBEK
„Die Deutsche Bahn bittet alle Betroffenen um Verständnis für die mit den Arbeiten verbundenen Unannehmlichkeiten“, heißt es in einer dem Wochenblatt vorliegenden Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom 27. Oktober. Angekündigt wird im Zuge der Meldung der Neubau eines Aufzuges in der S-Bahnstation Hasselbrook. Auf dem S-Bahnsteig an der Treppe zum Hammer Steindamm entsteht für 1,5 Millionen Euro ein Aufzugschacht mit Zugang. Die Brücke über das Gleis wird Richtung alten Bahnhof gebaut. Die Eigentümerin der Gaststätte „Factory“, Diana Nußbaum, ist empört. „Ich habe nichts gegen den Aufzug oder die Barrierefreiheit der S-Bahnstation. Aber muss die Brücke direkt vor dem Haupteingang an die Grundstücksgrenze der Factory gebaut werden? Kann man das nicht verlegen“, fragt die Wirtin wütend.
Sie hat das Gebäude 2008 gekauft, war seit 2001 Pächterin. Während der Bauphase soll der Haupteingang laut Factory-Betreiberin für vier Wochen völlig gesperrt werden. „Ich bin ganz zufällig zu einer Baubesprechung dazugekommen. Die Herren von der Bahn saßen vor unserer Gaststätte und hatten sich einen Kaffee bestellt. In diesem Gespräch teilte mir der Bauleiter, Herr Dringenberg mit, dass vor meinem Restaurant auch noch ein Podest gebaut wird. Für diese Arbeiten soll der Zugang zum Restaurant für mindestens vier Wochen gesperrt werden“, so Diana Nußbaum erschüttert. Am vergangenen Dienstag wurde das Ausmaß der geplanten Baumaßnahme deutlich: Laut Inhaberin wurde 90 Zentimeter von ihrer Grundstücksgrenze entfernt die geplante Zuwegung per Sprühfarbe auf die Gehwegplatten gezeichnet.
Hinzu kommt, dass während der Baumaßnahme Dreck und Lärm Kunden abschrecken. „Am 20. Oktober war der Bauleiter erstmals bei uns im Laden und wollte uns informieren, dass es am 27. Oktober los geht. Mit uns hatte vorher niemand gesprochen. Ich habe sofort einen Anwalt eingeschaltet. Wir haben jetzt eine unterschriebene einstweilige Verfügung in der Schublade. Die Baustelle und die Brücke zum Aufzug sind für mich geschäftsschädigend“, so die Wirtin.
Unverständnis gibt es beim Gedanken an den Denkmalschutz. „Das historische Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz. Wenn wir in der Vergangenheit etwas verändern oder erneuern wollten, mussten wir uns immer ganz genau an die Vorgaben der Denkmalschutzbehörde halten. Und plötzlich baut man uns eine Brücke mit Rampe, ein S-Bahn-Schild, Fahrkartenautomaten und eine Lampe vor die Nase?! Das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Nach Rücksprache mit dem Denkmalschutzamt am vergangenen Dienstag wird es in den kommenden Tagen ein Treffen mit allen Beteiligten geben. „Den Denkmalschutzverantwortlichen war anscheinend das Ausmaß der Bauarbeiten nicht bewusst. Jetzt will man sich vor Ort nochmal ein Bild machen. Mein Anwalt schickt dem Amt jetzt ein Protokoll und Fotos von den markierten Flächen. Bei dem Treffen kommt hoffentlich Bewegung in die Sache“, so Diana Nußbaum.
Verständnis kann sie für die Baumaßnahme am Haupteingang ihrer Gaststätte nicht aufbringen. Die Inbetriebnahme ist für das 3. Quartal 2015 geplant. „Eine Idee wäre es, den Aufzug am Seiteneingang zu installieren. Dort gibt es bereits einen Tunnel, der unter den Gleisen durchführt“, so die Wirtin.
Von der Bahn heißt es auf Nachfrage: „Aus Sicht der DB gibt es für den Bau des Aufzuges sowie deren Bauzwischenzustände mit Bauflächen kein Problem. Die Thematik ist bekannt. Frau Nußbaum wird seit dem Baubeginn ständig über unseren Bauablauf informiert. Nach mehreren Standortuntersuchungen gibt es keine Alternative “, erklärt Egbert Meyer-Lovis, 
Bahn-Pressesprecher und Leiter Kommunikation Regionalbüro Nord.
„Es ist schlichtweg unzutreffend, dass ich von der Bahn oder einer behördlichen Stelle vom Bauvorhaben informiert wurde. Sollte das Vor-Ort-Treffen keinen Erfolg bringen, holen wir die Verfügung aus der Schublade. Wir müssen die Arbeiten stoppen, bevor die Bagger anrücken“, sagt Diana Nußbaum entschlossen. (ms)
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