Alle wollen den Opernfundus

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Die fantasievollen und aufwändigen Kostüme der Oper „La Cenerentola“ von Rossini könnten in einem Neubau auf der Jenfelder Au untergebracht werden Foto: Klaus Lefebvre
 
In diesem Gebäude am Schlicksweg sind die Opernwerkstätten derzeit untergebracht Foto: Je

Auch Bezirk Wandsbek meldet Interesse an

Von Martin Jensen
Wandsbek/Jenfeld. Zunächst wollte niemand das „Anhängsel“ der Hamburger Staatsoper haben: Das „Anhängsel“, das sind die Werkstätten, in denen die Bühnenbilder für die Opern- und Ballettaufführungen gebaut werden.
Weil die Bühnenhandwerker ihr Domizil in Barmbek Nord verlassen müssen, wurde händeringend ein Ausweichplatz gesucht.
In den neuen Werkstätten sollen gleichzeitig Lagerräume für Kostüme und Requisiten geschaffen werden. „Zwangsverordnet“ vom Senat sollten die neuen Werkstätten und das Hochregallager am Veringhof in Wilhelmsburg gebaut werden.
Dagegen gab es heftigen Widerstand. Für die neuen Produktionsstätten der Oper hätten über 30 Wilhelmsburger Künstler und Gewerbetreibende die Zinnwerke räumen müssen. Die Wilhelmsburger stellten sich hinter die Künstler. Durch den Protest in Wilhelmsburg kam es, dass die Umsiedlung der Opernwerkstätten zu einem hamburgweiten Gesprächsthema wurde. Und plötzlich reißen sich die Bezirke darum. Vor allem der Bezirk Wandsbek bemüht sich jetzt um die Werkstätten. Während der Sitzung des Hauptausschusses des Bezirksversammlung stellten SPD und Grüne am Montagabend den Antrag, den Neubau für die Oper an der „Jenfelder Au“ anzusiedeln, auf dem ehemaligen Gelände der Lettow-Vorbeck-Kaserne. Neben 770 Wohneinheiten ist dort auch ein Bereich für Gewerbe vorgesehen.
Rainer Schünemann, SPD-Fachsprecher für Stadtplanung: „Wir möchten dem Fachbehörden im Senat deutlich machen, dass wir sehr interessiert sind an dem Projekt. Vorstellbar, dass es später einmal auch Führungen für Schüler oder interessierte Fachgruppen durch die Werkstätten geben kann.“ Für die Grünen erklärte Cornelia Stoye: „Auch wenn es nur ein bisschen Kultur ist, was mit den Opernwerkstätten kommt, es ist ein Stück Kultur. Und das ist wichtig.“
Die CDU-Fraktion schloss sich dem Antrag an. Auch die Bezirksverwaltung in Wandsbek möchte die Opernwerkstätten in Jenfeld sehen. Lena Voß, Sprecherin des Bezirksamtes: „Es wäre genau die Gewerbenutzung, die man sich an der Jenfelder Au vorstellt.“ Lediglich die FDP stimmte gegen den Antrag mit dem Hinweis, dass der Bezirk einen Mangel an kleineren Gewerbeflächen habe.
Konkurrenz bekommen die Wandsbeker aus dem Bezirk Mitte. Nach Ansicht der SPD-Mitte wäre das Gelände des ehemaligen „Huckepackbahnhofs“ in Rothenburgsort der ideale Standort für die Opern-Handwerker. Das Gelände diente bis in die 90er Jahre dem Containerumschlag. Jetzt können dort 10,6 Hektar für die gewerbliche Nutzung bebaut werden. Die SPD-Bezirksfraktion stellte einen Antrag für den Bau der Opern-Halle. „Rothenburgsort ist bestens geeignet“, sagt Fraktionsgeschäftsführerin Henriette von Enckevort. „Das Gelände auf dem Huckepackbahnhof ist frei. Man kann dort sofort mit dem Bau beginnen. Der Opernbau (18 Meter hoch und so groß wie zwei Fußballfelder) würde etwa ein Drittel des freien Platzes auf dem Huckepackbahnhof einnehmen.
Zur Zeit sind die Opernwerkstätten am Schlicksweg/Diesel-straße untergebracht. Weil dort ein Neubaugebiet mit 675 Wohneinheiten geplant ist, muss die Oper ihre Werkstätten räumen. Rund 80 Handwerker werden demnächst entweder in Jenfeld, in Rothenburgsort oder auf der Veddel ihren Arbeitsplatz finden. Wo genau, muss der Senat entscheiden.
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