Alltag mit Baby im „Gelben Dorf“

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Konzentriertes Arbeiten im Nähkreis (stehend v.r.): Regina Heyer, Heike Peemöller und eine Mutter mit ihrem Baby Foto: Meyer

Frauen treffen sich wöchentlich zum Nähen und Klönen. Kinder sprechen schon gut Deutsch

Von Reinhard Meyer
Rahlstedt
Nähkreis im „Gelben Dorf“ – jeden Mittwoch Nachmittag finden sich im Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft an der Rahlstedter Straße Frauen ein, um sich unter Anleitung ehrenamtlicher Helferinnen vom Runden Tisch mit dem Häkeln, Stricken, Nähen vertraut zu machen.
Der Umgang mit Faden, Maschen, Nähmaschine Zuschneiden, Kante, Säumen will gelernt sein. Dabei sind schon ansehnliche Patchworkarbeiten zustande gekommen. Mit Eifer und Fröhlichkeit sind die Frauen dabei, sich ihre Arbeiten wie Tischdekoration, Decken gegenseitig zu zeigen – offensichtlich ermutigende Erfolgserlebnisse für sie. Wichtiger: Sie haben hier die Möglichkeit, Oberbekleidung nach ihren traditionell-modischen Vorstellungen zu schneidern, die sie zu bezahlbaren Preisen im Handel nicht erwerben können. Bei der ersten Anprobe zeigt sich auf dem Gesicht leichter Stolz, das Kleidungsstück scheint gelungen. Die Materialien wie Wolle, Garn und Stoffe kommen als Sachspenden aus dem Kreis der Ehrenamtlichen , die modernen Singernähmaschinen konnten aus Geldspenden angeschafft werden. Der Nähkreis bietet den Frauen aber nicht nur sehr praktische Hilfe, er ist auch ein Ort zwangloser Kommunikation. Immer wieder finden sich Frauen ein , die zunächst „nur“ das Gespräch mit den ehrenamtlichen Helferinnen, dann aber auch mit ihren Nachbarinnen aus dem Gelben Dorf suchen. Kinder wuseln herum – plaudern in einer fremdem Sprache – friedliches Miteinander im Gemeinschaftsraum. Die Menschen hier fühlen sich angenommen. Draußen spielende kleine Mädchen mit Puppen , kleine Jungen mit kleinen Frisbees, radelnde Jugendliche. Sie sprechen nach kurzer Zeit schon gut Deutsch – dank Schule und Schülerhilfe im Gelben Dorf. Nach einigen Jahren deutscher Schule werden sie sich hier zuhause fühlen, und sie werden ihren Weg gehen: Kein Zweifel -auch hier wächst Deutschlands Nachwuchs heran. Vier Babys sind hier schon geboren. Regina Heyder vom Runden Tisch sagt: „Babynachwuchs im Gelben Dorf – ein wunderbares Zeichen eines sich normalisierenden Lebens.“ Und Heike Peemöller, Koordinatorin des Runden Tisches und Leiterin des Nähkreises: „Unsere Antwort auf die nachbarlichen Proteste am Anfang (die es gab, die aber schnell verstummten): „Die Flüchtlinge sind Menschen wie wir – wir wollen ihnen helfen, sich hier einzuleben – und sie leben sich ein.“
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