Alte Fassade in der Josephstraße erhalten

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Die historischen Fassaden in der Josephstraße könnten erhalten und 60 neue Wohnungen gebaut werden Foto: Glitz

Kompromiss-Vorschlag: Terrassenhäuser sollen nur entkernt werden, um 60 neue Wohnungen bauen zu können

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Seit vier Jahren wird um Erhalt oder Abriss der Terrassenhäuser in der Josephstraße gerungen. Die rot-grüne Bezirkskoalition will das in Wandsbek einzigartige Ensemble unbedingt erhalten. Die Gebäude aus der Zeit um 1900 prägten das Ortsbild und seien von großer städtebaulicher und geschichtlicher Bedeutung. Um einen Abriss zu verhindern, beschloss die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksversammlung eine städtebauliche Erhaltensverordnung. Die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 WHW will in der Josephstraße 66 Wohnungen neu bauen, die Hälfte davon Sozialwohnungen. Und sie will die Terrassenhäuser mit 24 Kleinwohnungen abreißen. Diese stünden nicht unter Denkmalschutz, ein Erhalt würde sich laut eines Gutachtens aufgrund der baulichen Veränderungen nach dem Krieg nicht lohnen.

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Nun gibt es einen Kompromissvorschlag der Genossenschaft. „Wir haben noch einmal neu geplant, um die Fassaden der beiden Hinterhäuser zu erhalten“, erklärte WHW-Vorstand Ralf Niedmers. Die Häuser sollen entkernt werden, um darin je ein Multiparksystem zum Einstellen von Autos und Fahrrädern einzubauen. „Wir verzichten damit auf sechs Wohnungen, könnten dann aber immer noch 60 Wohnungen mit einem hohen Anteil an Sozialwohnungen bauen. Wir hoffen auf die Zustimmung des Bezirks“, so Niedmers. Andreas Breitner, Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen begrüßte den Kompromissvorschlag: „Dieser ist sehr ausgewogen und berücksichtigt insbesondere die Interessen des Bezirkes Wandsbek am Erhalt der beiden Hinterhäuser. Damit wäre allen gedient“. Die Wandsbeker Koalition sei noch nicht direkt angesprochen worden, sagte Oliver Schweim, Experte für Städtebau der Grünen: „Ich persönlich finde es positiv, dass Bewegung in die Sache kommt. Das ist ein gutes Signal.“ Wenn der Vorschlag auf dem Tisch liege, müssten Grüne und SPD erst einmal darüber diskutieren. Der Kompromiss gehe aber offenbar genau in die Richtung, die Rot-Grün der WHW vor Erlass der Erhaltensverordnung vorgeschlagen hatte, so Schweim. „Wir freuen uns, dass die Genossenschaft nach Jahren endlich einen konstruktiven Vorschlag erarbeitet hat und stehen dem sehr offen gegenüber“, sagte Rainer Schünemann, Fachsprecher Stadtplanung der SPD. Es könne sogar Modellcharakter haben, wenn es auf diese Weise gelänge, dass die dringend benötigten Wohnungen gebaut werden können und gleichzeitig die wertvolle historische Bausubstanz der Terrassenhäuser erhalten bliebe. „Wir sind gespannt auf die Details“, so Schünemann.

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