An Hamburgs Eltern: Schulweg üben!

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Viel zu wenig Platz für elterlichen Fahrservice: In der Sackgasse vor der Neurahlstedter Grundschule kommt es täglich zum Verkehrschaos Foto: nik
 
Cornelia Kayser appelliert an Eltern, Rücksicht zu üben Foto: nik

Polizei mahnt Rücksicht an und kontrolliert verstärkt Rückhaltesystem im Auto

Von Nicole Kuchenbecker
Rahlstedt
Besonders in diesen Tagen sind sie überall in der Stadt zu finden: Große Transparente mit denen Polizei und ADAC auf die Schulanfänger aufmerksam machen wollen. Doch wie wenig Rücksicht gerade Eltern auf die Verkehrsanfänger morgens nehmen, ist erschreckend. Auch vor der Hamburger Grundschule Neurahlstedt an der Rahlstedter Straße kommt es täglich zu bestürzenden Szenen: Auf dem Fußweg parkende Autos sind da schon fast ein Kavaliersdelikt. Cornelia Kayser und ihre Kollegin Anja Samain haben in der vergangenen Woche ihr Augenmerk besonders auf die Grundschule Neurahlstedt gelegt. Den Polizistinnen bot sich immer wieder das gleiche Bild: Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto fast bis ins Klassenzimmer bringen wollen. Dabei bietet die kleine Sackgasse, an deren Ende die Grundschule liegt, keine großen Möglichkeiten. In der Stoßzeit, kurz vor 8 Uhr morgens, ist die Straße mit Autos „verstopft“. „Das ist ein Dauerproblem, dann wird hier ohne Rücksicht auf Verluste reingefahren“, weiß Verkehrslehrerin Kayser. Die zwei Polizistinnen drückten schon ein Auge zu, wenn Eltern kurz im eingeschränkten Halteverbot das Auto verlassen, um den Schulneuling zum Eingangstor zu begleiten. Doch was sie überhaupt nicht dulden, ist das Parken auf dem Bürgersteig. „Hier kommen die Kinder doch gar nicht mehr durch“, sagt Anja Samain, Verkehrslehrerin in Ausbildung. Bequemlichkeit, Zeitmangel oder gar schlechte Planung verursachen allerdings jede Menge Stress auf dem Weg zur Schule. Davon können sich Eltern nicht ausnehmen, die in die Sackgasse an der Rahlstedter Straße eilen. Kayser rät daher: „Eltern sollten auf die Nebenstraßen ausweichen und die Kinder zu Fuß zur Schule bringen.“ Und wenn dies täglich praktiziert werden würde, könnten auch schon nach kurzer Zeit die jungen Verkehrsneulinge allein den Schulweg bewältigen.
Eltern- und Kindertraining ist bei der Verkehrslehrerin Kayser ein gutes Thema. „Wir bieten Aktionen wie beispielsweise den Verkehrsfuchs an“, sagt Kayser, die seit vier Jahren als Verkehrslehrerin tätig ist und in Jenfeld und Rahlstedt neun Schulen betreut. Hier werden Erstklässler kompetent auf ihren Schulweg vorbereitet. Und für Eltern gibt es zusätzliche Gespräche und Tipps. Es sei wichtig, dass Kinder das Gefühl bekommen, allein zur Schule gehen zu können. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Das sollten Eltern mit ihren Kindern trainieren, indem sie sich von den Kindern zur Schule „führen“ lassen. „Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste“, sagt Samain. Besonders auf Einmündungsbereiche sollten Eltern und Kinder achten. Obwohl die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Kinder bis 14 Jahre im vergangenen Jahr um knapp 30 auf 568 Verkehrsunfälle anstieg, weiß Kayser von keinem konkreten Unfall, der in direktem Zusammenhang mit dem elterlichen Fahrservice stünde. Vielmehr würden Kinder durch fehlende oder mangelnde Rückhaltesysteme im Auto verletzt werden. Im Vergleich zu 2014 stieg die Zahl hier um 22 verunglückte Kinder an. Daher legt die Hamburger Polizei derzeit einen Schwerpunkt auf die Kontrolle von Rückhaltesystemen und startete die Aktion „Kinder als Mitfahrer“.

Tipps für den sicheren Schulweg:


• Nicht direkt vor der Schule halten, sondern auf Seitenstraßen ausweichen
• Auch das „kurze“ Parken auf dem Bürgersteig ist nicht erlaubt
• Eine großzügige Zeitplanung schützt vor stressigen Situationen kurz vor Schulbeginn
• Den Schulweg mit den Kindern zu Fuß abgehen
• Eltern sollten auch Rücksicht auf andere Schulkinder nehmen und sich nicht ausschließlich auf das eigene Kind fokussieren
• Helle Kleidung macht Kinder im Straßenverkehr sichtbar – auch an Reflektoren oder Schutzwesten denken!
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