Andenken an den Altkanzler

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Hamburgs Finanzsenator Peter Tschentscher präsentiert die Gedenkmünze Foto: Timm
 
Ein Satz Rohlinge Foto: Timm

Finanzsenator Tschentscher prägte die erste Helmut Schmidt-Gedenkmünze

Von Frank Berno Timm
Meiendorf
In Deutschlands, nach eigenen Angaben ältester Prägestätte wurde am letzten Donnerstag die erste Helmut-Schmidt-Gedenkmünze geprägt. Die Serie soll an Stationen seines Lebens erinnern – Schmidt hat sie noch selbst autorisiert. Der Altkanzler war am 10. November in seinem Langenhorner Haus 96-jährig gestorben und am Montag nach einem Staatsakt im Michel auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.
Der Pförtner scherzt: „Man soll uns ja nicht finden“. Die Hamburger Münze liegt, fast ein wenig versteckt, in einem Meiendorfer Gewerbegebiet. Hier herrscht am vergangenen Donnerstag „Großauftrieb“: Fernsehkameras sind aufgestellt, Fotografen prüfen ihre Kameras. Heute soll Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) die erste Helmut-Schmidt-Gedenkmünze prägen. Ehe der Senator eintrifft, erklärt Münzchef Ralph Thiemann das Verfahren: Die Schmidt-Münze, das erste Motiv ist auf 25.000 Stück limitiert, wird aus einem Silberrohling mit drei Schlägen á 100 Tonnen hergestellt. Das Material ist 333er Silber, hat 30 mm Durchmesser und wiegt 6,8 Gramm. Das letzte Exemplar, so Thiemann, wird aus Gold sein. Die eigentliche Prägemaschine sieht aus wie ein großer Backofen: Der Rohling wird gereinigt und eingelegt, eine Scheibe schließt sich, die Prägung läuft ab, die fertige Münze herausgenommen – so geht Handarbeit.
Dann ist der Senator da: Es gehe um das Gedenken des Hamburger Ehrenbürgers Helmut Schmidt, mit zehn Silber- und einer Gioldprägung sollten die Stationen seines politischen Lebens und Wirkens gewürdigt werden. Der Senator zählt die Hamburger Sturmflut von 1962 auf (Schmidt bewältigte die Folgen als Innensenator), den Deutschen Herbst (gemeint ist die „Hochzeit“ der RAF, Schmidt war Bundeskanzler), seine Kanzlerschaft als solche und die deutsch-französische Freundschaft – eine Münze wird Schmidt gemeinsam mit dem damaligen, französischen Präsidenten Valérie Giscard d’Estaing zeigen. Der gerade Verstorbene hatte die Münzserie noch selbst autorisiert.
Azubi André Kedenburg hilft dem Senator beim Prägen. Er muss einen weißen Handschuh auf der einen und Gummifingerlinge auf der anderen Hand überstreifen. Die Silberrohlinge liegen auf einem Kunststofftablett. Tschentscher greift hinein, reinigt den Rohling mit einem Druckluftschlauch, legt ihn ein. Das Schutzfenster schließt sich, zwei Augenblicke vergehen, dann hebt es sich wieder und der Senator kann die erste Münze in die Kameras halten. Fotoapparate klackern, der Senator wird ein wenig dirigiert, dann kommen Fernseh- und Radiojournalisten zu ihrem Recht. Mitarbeiter der Münze beobachten das Schauspiel, auch Richard Borek, Geschäftsführer und Gesellschafter eines Münzhändlers, der den Vertrieb der Münzen übernehmen wird, ist gekommen.
Die Schmidt-Gedenkmünze kostet nach Auskunft der Vertriebsfirma zehn Euro. Die Lieferzeit beträgt fünf bis sechs Wochen. Mit Münzprägungen hat Hamburg Erfahrung: Laut Finanzbehörde lässt sich die Münzherstellung in Hamburg bis 834 zurückverfolgen. Kaiser Friedrich Barbarossa hat der Hansestadt 1189 offiziell das kaiserliche Münzrecht verliehen. Neben den Gedenkmünzen produzieren die Hamburger Geld für alle: Von einem Cent bis zu zwei Euro.
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