Anderen helfen tut jedem gut

Anzeige
Elly Osbahr ist die älteste Ehrenamtliche, die nur fürs Foto mal selbst am Kaffeetisch sitzt. Foto: Christa Möller

Elly Osbahr serviert Kaffee und Kuchen im Martha Haus

Von Christa Möller
Rahlstedt. Regelmäßig einmal in der Woche geht Elly Osbahr in Martha’s Café. Die 95-Jährige kommt aber keinesfalls zum Kaffeeklatsch hierher – sie arbeitet ehrenamtlich im Café des Martha-Hauses in Rahlstedt. In der Wohn- und Pflegeeinrichtung leben 136 Bewohner, von denen viele nachmittags gern auch mal außerhalb ihrer Wohnbereiche Kaffee trinken. Eine gute Möglichkeit dazu bietet seit Ende 2011 Martha’s Café mit rund vierzig Plätzen, das komplett neu gestaltet wurde. „Bei einigen Mietern der Seniorenwohnungen entstand kurz darauf die Idee, sich ehrenamtlich in Martha´s Café zu engagieren. Wir waren von der Idee begeistert und haben sofort das Notwendige organisiert“, sagt Einrichtungsleiter Thomas Skorzak.
Klönschnack
Anfang 2013 war es dann soweit, seitdem bedienen Elly Osbahr sowie weitere sechs Damen und ein Herr, alle über siebzig, die Gäste. „Diese Form ist auch für uns neu. Ihre Dienstpläne schreiben sie selbst, Kaffee und Kuchen werden aus der hauseigenen Küche bereitgestellt.“, sagt Thomas Skorzak. Er weiß: Für die im Hause wohnenden Senioren bietet das Café Teilhabe am Leben. „Martha´s Café liegt unmittelbar am Hauptverkehrsweg zu den Wohnbereichen „Gestern habe ich volles Haus gehabt, ich musste zweimal Kuchen nachordern“, erzählt Elly Osbahr, die bis zu vier Stunden „im Dienst“ und hier die älteste ehrenamtliche Helferin ist. Ihre Motivation: „Weil ich Körper und Geist in Bewegung halten und anderen helfen möchte. Das tut mir auch gut.“ Sie hat festgestellt, dass der Andrang sehr unterschiedlich ist: „Bei schlechtem Wetter gehen die Leute nicht so gern raus.“ Wenn nicht ganz so viel zu tun ist, nutzt sie die Gelegenheit zum Klönschnack mit den Besuchern, „und wenn mal jemand einsam ist, dann tröste ich ein bisschen.“
Eine tolle Truppe
Die gebürtige Hamburgerin wäre gern Kinderärztin geworden, „aber das war nichts für ärmere Leute.“ Krankenschwester durfte sie auch nicht lernen, weil sie mit ihren 14 Jahren nach Schulabschluss noch vier Jahre zu jung war. Also machte sie ihr Hobby, das Handarbeiten, zum Beruf und lernte Verkäuferin in einem Handarbeitsgeschäft. Durch den Krieg kam sie nach Niedersachsen, machte dort einen Kindergarten auf und nutzte in der Nachkriegszeit neun Jahre lang die Möglichkeit, als Handarbeitslehrerin in einer Schule zu arbeiten. Später half sie ihrem Mann in seiner Tischlerei, bevor sie dann in den 50er Jahren, zurück in Hamburg, wieder als Verkäuferin tätig war. Für ehrenamtliches Engagement hatte die Mutter von zwei Töchtern damals keine Zeit: „Wir hatten einen großen Schrebergarten und mein Mann war krank geworden.“
Langeweile kommt bei der Seniorin, die in einer betreuten Wohnung der Martha Stiftung lebt und ihre Einkäufe nach wie vor zu Fuß erledigt, nicht auf. Das Handarbeiten spielt immer noch eine große Rolle: Häkeln und Stricken sind ihre Leidenschaft, „meistens butenkopps, seggt de Hamborger. Es macht viel mehr Spaß ohne Anleitung.“ Bettschuhe, Schals, Handschuhe oder auch possierliche Katzen spendet sie für den Herbst-Basar im Haus. Elly Osbahr hat auch Spaß am Basteln. „Früher habe ich Geburtstagskarten gestickt, heute stanze ich Motive aus und beklebe Karten.“ Regelmäßig besucht die agile Dame, die sechs Enkel und 13 Urenkel hat, auch den bayerischen Teil ihrer großen Familie.
Im Martha-Haus sind noch zwanzig weitere Ehrenamtliche im Einsatz, viele davon im Besuchsdienst. „Wir sind eine tolle Truppe und ich hoffe, dass wir uns noch lange für die Bewohner und Gäste engagieren können“, sagt Elly Osbahr.

Das Martha Haus ist die erste Einrichtung der Martha Stiftung, die nach dem Krieg entstand und mit der die Stiftungsarbeit des alten Martha Hauses in den 50er Jahren neu wieder aufgenommen wurde. Inmitten der Rahlstedter Villengegend liegt das Haus. Auf demselben Gelände befinden sich die Seniorenwohnungen des Martha Hauses. Das Martha Haus ist eine diakonische Einrichtung. Die Martha Stiftung als Trägerin ist Mitglied im Diakonischen Werk Hamburg. (hfr)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige