Auf den Grund gegangen

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Verärgert: Sobeir Omar hofft auf eine friedliche Lösung mit Hamburg Wasser Foto: sos

Wasserleitungstausch bringt es an den Tag: Flächen illegal erweitert

Von Sonja Schmidt
Wandsbek
Die Hamburger Wasserwerke (HWW) erneuern das Leitungsnetz in Marienthal. Was grundsätzlich eine gute Nachricht ist, wird für viele Bewohner am Zikadenweg zum Desaster. Denn die maroden Rohre zwischen den Reihenhäusern 15 bis 27 sowie in der gegenüberliegenden Reihe 16 verlaufen größtenteils direkt unterhalb der Gärten und werden von Hecken, Blumenbeeten oder Gartenhäusern bedeckt. Diverse Bewohner hatten ihre Grünflächen, vermutlich unwissentlich, auf öffentlichen Grund ausgedehnt und so die Gehwege zu den Häusern von fünf auf anderthalb Meter verkleinert.
Für die Rohrbauarbeiten müssen sie diese Grünzone im kommenden Jahr wieder entfernen – auf eigene Kosten. „Viele waren erstaunt, als sie erfuhren, dass gar nicht alles ihnen gehört“, erklärt Fritz Hälbig. Der 85-Jährige bezeichnet sich selbst gern scherzhaft als einen der wenigen „Ureinwohner“ am Zikadenweg, sein Grundstück habe er als einer der Ersten 1965 gekauft. Glücklicherweise, so sagt er, habe er selbst keine aufwendigen Umbauten zu befürchten. Ihm gehöre lediglich ein kleines Rasenstück und nur die Müllboxen vor dem Haus müssten versetzt werden. Jedoch teilt Hälbig eine gemeinsame Angst seiner Nachbarn: „Ich befürchte, einige Eigentümer müssen zukünftig dafür zahlen, dass sie unerlaubt öffentlichen Grund nutzen.“
Der Bebauungsplan „Marienthal 10“ stammt aus dem Jahr 1982. Man könne den Eigentümern daher keinen Vorwurf machen, sagt Ingo Freund von der SPD-Fraktion Wandsbek: „Vielleicht hätten die Bewohner gemerkt, dass ihr Grundstück zu weitläufig verbaut ist, wenn sie ins Grundbuch geschaut hätten. Aber mal ehrlich: Wer macht das schon. Ich bin sicher, dass niemand böswillig den öffentlichen Grund nutzt.“

HWW bietet Zusammenarbeit an



Noch ist unklar, wann genau die Bauarbeiten im kommenden Jahr beginnen. Nötig aber seien sie in jedem Fall. „Die Rohre sind 50 Jahre alt, und Ablagerungen aus Eisen und Mangan mindern den Wasserdruck. Wir bringen die Leitungen wieder auf den neuesten Stand“, sagte HWW-Pressesprecher Matthias Sobottka. Anfang November hatten HWW-Referenten den betroffenen Bürgern in einer Bezirksversammlung die bevorstehenden Maßnahmen vorgetragen und zusätzliche Mitteilungen per Post verschickt. Die Versorgungsleitung werde im schonenden Verfahren ohne Aufgrabung hergestellt, jedoch können die jeweiligen Hausanschlüsse nur über eine Baugrube erfolgen, heißt es.
„Wir übernehmen alle Arbeiten im öffentlichen Grund. Für den privaten Bereich sind aber üblicherweise die Hauseigentümer zuständig“, erklärt Sobottka. Sobeir Omar, ebenfalls Bewohner am Zikadenweg, ärgert das. „Ich bemängele, dass Hamburg Wasser die Erneuerung der Trinkwasserleitungen nicht komplett bis ins Haus übernimmt. Vermutlich müssen wir selbst teure Unternehmen beauftragen. Das kostet viel Geld.“ Auf Nachfrage vom Hamburger Wochenblatt reagierte Hamburg Wasser prompt. Sobottka: „Wir tauschen uns gern mit den Hausbesitzern aus und klären dann gern vor Ort, ob sich eine unkomplizierte Zusammenarbeit mit unseren Baufirmen regeln lässt.“ Bis es soweit ist, wolle Sobeir auf der nächsten Eigentümerversammlung die Flut an Ärgernissen besprechen. Und auch Fritz Hälbig ist sicher: „Das wird noch viel Aufregung geben hier bei uns am Zikadenweg.“
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 01.12.2015 | 15:17  
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