Aus für Tanzsaal?

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Edles Parkett, viel Licht:der Tanzsaal Foto: Je

Verkauf gefährdet auch legendäre Handicap-Kurse

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Marienthal
Seit 55 Jahren schweben Tänzer über das Parkett im großen Ballsaal an der Rantzaustraße 74. Dort residiert die Tanzschule „Mein Tanzstudio“, geleitet von Thomas Narkus. Viele tausend Schüler aus dem Bezirk haben in dieser Tanzschule gelernt, sich elegant zur Musik zu bewegen. „Wir haben den schönsten Tanzsaal von ganz Hamburg“, sagt die begeisterte Tänzerin Kerstin Völkening. „Es wäre eine Katastrophe für den Bezirk, wenn diese Institution geschlossen werden sollte!“ Die Sorgen der engagierten Wandsbekerin, die 2013 mit dem Sozialpreis des Bezirks ausgezeichnet wurde, sind berechtigt. Der Lebenshilfe Verein Hamburg will das ganze Areal an der Rantzaustraße 74 verkaufen. Geräumt werden sollen auch die sechs Wohnungen für Behinderte.

Bundesverdienstkreuz im Jahr 1989


Außerdem wird durch den Verkauf eines der schönsten sozialen Projekte Hamburgs gefährdet: Die Tanzkurse für geistig behinderte junge Menschen, eingeführt im Jahre 1979 von dem damaligen Besitzer der Tanzschule Walter Herde. Ein großartiges Projekt, das deutschlandweit Aufmerksamkeit erregte. Walter Herde wurde dafür 1989 von dem damaligen Bundespräsidenten Dr. Richard von Weizsäcker mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Mit Sozialpreis geehrt


Der jetzige Besitzer von „Mein Tanzstudio“, Thomas Narkus, der den Tanzsaal von der Lebenshilfe e.V. gemietet hat, führt diese soziale Tradition des Ehepaares Charlotte und Walter Herde weiter fort. Jeden Sonntag bietet er einen Tanzkurs für Menschen mit Handicap an. Für dieses ehrenamtliche und soziale Engagement wurde der Tanzlehrer vom Bezirk Wandsbek mit dem Sozialpreis 2009 ausgezeichnet. Tanzen gehört für Narkus einfach dazu, um Menschen mit geistiger Behinderung ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Im Herbst 1999 verkaufte das Ehepaar Herde das Areal an der Rantzaustraße 74 an die Hamburger Lebenshilfe, in der Hoffnung, dass dort weiterhin gute Sozialarbeit geleistet wird.

Investor gesucht


Thomas Narkus, der mit dem Kauf des Objektes die Tanz-Tradition und das soziale Engagement weiterführen möchte, bräuchte die Hilfe eines Investors. Kerstin Völkening: „Sollte das nicht gelingen, ist der Bestand von dem Tanzstudio im Ganzen gefährdet, da im weiten Umkreis keine alternative Immobilie zur Verfügung steht. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Angelegenheit für alle Beteiligten, besonders aber für die Tänzer und Mieter mit Handicap, ein positives Ende finden wird.“
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