Bauen mit Rumms - fürs Wohnen im Bunker

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Bauleiter Frank Sauermilch überwacht den Abbruch des Eilbeker Bunkers Foto: mt
 
Sprengmeister Andreas Polivka bereitet die Sprengung vor

Am Eilbeker Weg wird kräftig gesprengt. Weitere Projekte in Planung

Von Marco Thielcke
Eilbek. „Achtung Sprengung!“ Andreas Polivka warnt die Anwohner des Eilbeker Wegs zweimal, dann rumst es. „Das sind nur Lockerungssprengungen“, sagt der Sprengmeister. Doch was für den 48-Jährigen Arbeitsalltag ist, ist im Eilbeker Weg eine
Attraktion.
Zweimal am Tag wird zwischen der Maxstraße und der Fichtestraße gesprengt. Viele Anwohner kommen raus und beobachten das Schauspiel um den alten Bunker am Eilbeker Weg. Die Schutzanlage, die schon vor Monaten einen neuen Besitzer fand, wird nun Wohnort für junge
Familien in Eilbek. „Dafür muss der Bunker weg. Die Außenwände bleiben aber stehen. Dazwischen bauen wir ein neues Wohnhaus“, sagt Frank Sauermilch Bauleiter am Eilbeker Weg 126. In der jetzigen Phase des Abbruchs werden die Decke und die Zwischengeschosse gesprengt. Ab einer Höhe von zwölf Metern wird dann ein spezieller Bagger eingesetzt, dessen Kralle eine Spannweite von 1,50 Metern hat.

Das reicht gerade so für die 1,10 Meter dicken Wände des Bunkers. Bis dahin wird zweimal täglich gesprengt. Dabei wird penibel auf die Sicherheitsvorschriften geachtet. „Sprengungen in einem dicht bewohnten Gebiet sind immer speziell“, sagt
Polivka kurz bevor er mit dem Signalhorn die erste Warnung an die Anwohner gibt.

„Die sind doch
alle gleich.
Eine Menge Beton
und Eisen.“
Frank Sauermilch, Bauleiter

Die Baustelle hat sich im Stadtteil herumgesprochen. Obwohl alle Nachbarn in den vergangenen Wochen angehalten worden sind bei den Sprengungen die Fenster zu schließen und in den Wohnungen zu bleiben, stehen viele auf dem Balkon, um die Sprengung hautnah mitzuerleben. Kurz vor der Detonation wird der Eilbeker Weg für den Autoverkehr gesperrt. Zu groß ist die Gefahr, dass trotz schwerer Sicherheitsmatten auf den Sprengladungen, Trümmerteile auf die Straße geschleudert werden. Der erfahrene Sprengmeister kontrolliert alles zweimal und sprengt. „Jetzt gehen wir wieder auf das Dach und bringen die nächsten Sprengladungen an“, sagt Polivka, nachdem sich der Rauch verzogen hat. Bis die 1,50 Meter dicke Betondecke weg ist, vergeht noch etwas Zeit. „Wir tragen immer nur eine Flächen von rund drei mal drei Metern ab“, sagt Sauermilch.

Schadstoffbelastung

Der Diplom-Geograf kennt
sich mit dem Abbruch von
Bunkern aus. Für ihn ist es bereits der dritte. „Die sind doch alle gleich. Eine Menge Beton und Eisen“, sagt der Bauleiter aus dem Emsland. Eine Besonderheit gab es bei dem Objekt am Eilbeker Weg aber doch: „Die Schadstoffbelastung hat uns hier überrascht. Mit Sachverständigen konnten aber alle Gefahrstoffe wie Asbest und giftige Farbreste beseitigt werden.“ Die Bremer Architekten mielke+freudenberg investieren in den Bunker in Eilbek rund 5 Millionen Euro. 12 Wohnungen und ein Penthouse mit Dachterrasse werden hier bald stehen. Andreas Polivka rollt die Kabel nach der Zündung ein. „Ich schau mir jetzt mal den großen Bunker in der Wielandstraße an“, sagt der Sprengmeister. Vielleicht ist der massive Bau um die Ecke sein nächstes „Opfer“ fürs Bauen mit Rumms. (mt)
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