Bekkamp-Schüler feiern Abschluss in Hamburg

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David Knöfler, 19, hat den Schulabschluss geschafft. Er wird in der Werkstatt für Behinderte arbeiten Foto: sin
 
Schulleiter Dr. Wolfgang Mahns

Förderschule entlässt zehn junge Menschen, die jetzt in ihr Arbeitsleben starten

Von Silke Nadler
Hamburg. Time to say Goodbye – Zeit, Tschüß zu sagen: Das war vergangene Woche das Thema in der Schule Bekkamp, denn zehn junge Menschen verließen nach der 10. Klasse die Förderschule. „Time to say Goodbye“, diese Abschiedshymne, schallte durch die prall gefüllte Aula bei der Abschlussfeier.

Start in das Arbeitsleben

Was kommt jetzt? Was erwartet die jungen Erwachsenen nach zum Teil zwölf Jahren in der Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung?
Zwei der Abgänger sind Nico Feddern (18) und David Knöfler (19). Beide haben viel vor. Nico wird in einem Hotel arbeiten, in dem er auch schon als Praktikant einen guten Eindruck gemacht hatte. „Ich werde staubsaugen, Spiegel saubermachen und in der Küche helfen“, erzählt er stolz. Nico wohnt noch bei seinen Eltern in Billstedt, gemeinsam mit zwei Brüdern.
Sein Kumpel David hingegen wohnt bereits seit vier Monaten in einer Wohngruppe mit zwei anderen Jugendlichen. Am liebsten hatte er in der Schule Englisch- und Computerunterricht, jetzt geht er in die Werkstatt für Behinderte. „Endlich arbeiten!“, sagt er, „endlich Geld verdienen!“ Wofür er sein Geld am liebsten ausgeben wird, weiß er auch schon: Er sammelt CDs, vor allem von Michael Jackson, dessen Musik er liebt.
„Es zeigt sich, dass unsere Schüler trotz mancher Startschwierigkeiten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen“, sagt Dr. Wolfgang Mahns, Direktor der Schule Bekkamp. „Ich erlebe uns nicht als isoliert. Aber es kommt immer wieder vor, dass Eltern unglücklich darüber sind, wenn ihr Kind zu uns kommen soll.“ Weil man damit zugibt, dass das eigene Kind nicht „normal“ ist? Weil es ein Eingeständnis ist, wenn das Kind eine Förderschule besucht? Weil es eine „andere Welt“ ist? Aber wie sieht dort der Alltag aus?

Feste Strukturen

In der Schule Bekkamp fallen als erstes Fröhlichkeit und Helligkeit auf. Gleich im Eingangsbereich ist ein Lageplan auf den Boden gemalt, sodass die Orientierung leicht fällt. Bunte Bilder an den Wänden. Ein Aquarium in der Pausenhalle – inklusive Miniatur-Taucherfigur und Mini-Schiffswrack. Das Hausmeister-Ehepaar Schulz hält gemeinsam mit seinem Assistenten Ordnung im ganzen Haus und auf dem weitläufigen Schulgelände. Feste Strukturen wie Beschilderungen, Fotos von Klassen und Tagesablaufpläne helfen Menschen mit geistiger Behinderung sehr, sich zu orientieren.
Die Schule Bekkamp hat derzeit 123 Schüler, verteilt auf 14 Klassen. Die Schüler sind zwischen sechs und 20 Jahren alt. Einige haben persönliche Betreuer. Gut 60 Mitarbeiter zählt das Personal, die meisten davon sind Lehrer und Erzieher.
Dr. Mahns ist sehr interessiert an Teilhabe und Vernetzung. Ziel der Schullaufbahn am Bekkamp ist die Teilhabe am Gemeinschaftsleben.
Der Hausmeisterassistent Oliver Rösner war beispielsweise früher selbst Schüler am Bekkamp und hat es nach einer Ausbildung geschafft, hierher zurückzukehren und regulär zu arbeiten.
Nicht nur Schreiben, Rechnen und Lesen werden vermittelt, sondern auch alltägliches Know-how wie zum Beispiel Kochen oder Hauswirtschaft, Werken oder Reparaturen. Beachtlich ist die Ausstattung der Schule: Bewegungsräume, ein Sinnesraum, eine Schülerbibliothek, Musikräume und Werkstätten, eine Großküche mit etwa 20 Kochplätzen, Töpfer- und Malräume, Behandlungsräume (für Physiotherapie, Logopädie, Musiktherapie und Ergotherapie), ein Planschraum, ein Go-Kart-Fuhrpark, besonders geeignete Spezial-Fahrräder, inklusive Werkstatt.
Die Schule Bekkamp ist eine von sieben Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung im Raum Hamburg. In zwei Jahren wird sie ihr 50. Jubiläum feiern. Und feiern – das können die Bekkampler! „Wir haben hier ganz besondere Kinder“, sagt Carola Bennewitz-Radtke aus dem Schulbüro, „tolle Kinder!“
Fürs kommende Schuljahr sind 18 neue Schüler angemeldet, davon 14 Erstklässler. Nach den großen Ferien starten sie in das neue Schuljahr.
Und die Abgänger werden sich ab jetzt in der Arbeitswelt beweisen können. Frage an David: Hat er einen Lebenstraum? Er lächelt und sagt: „Einfach arbeiten!“
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