Beratungsteam hilft Suchtkranken und Angehörigen

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Die „Boje“ in Wandsbek berät und unterstützt Spielsüchtige

Wandsbek Wer den Laptop nicht mal mehr zur Seite legt, wenn gemeinsame Essenszeiten mit der Familie anstehen, und der Parallel-Identität im PC-Spiel stets den Vorzug vor der realen Welt gibt, der braucht dringend Hilfe. Spielsucht findet keinesfalls nur im Casino statt. Problematischer Mediengebrauch ist ein Einsatzgebiet der „Boje“ im Brauhausstieg 15 – 17 in Wandsbek, eines Betriebsteils der Gemeindepsychiatrischen Dienste Hamburg-Nordost. Mehr als 900 Klienten finden hier jährlich Hilfe. Die Beratung finanziert die Stadt Hamburg, während die Behandlung meist über die Krankenkassen oder die Rentenversicherer gezahlt wird. Die Mitarbeiter des Suchthilfezentrums unterstützen sowohl abhängige Menschen als auch Suchtgefährdete, sind aber auch Anlaufstelle für Angehörige. Es gibt Menschen, die am PC ständig streamen oder chatten, aber auch Abhängige, die nicht mehr aufhören können, Solitär zu spielen oder ihr Handy nicht mehr aus der Hand legen und zum Teil auch viel Geld dafür einsetzen, wie Marita Junker, 58, weiß. Problematisch dabei: Der komplette Verzicht, wie etwa beim Alkohol, ist bei PC oder Handy unrealistisch. „Es gibt Menschen, die kriegen das hin mit geregeltem Zugang“, weiß die Therapeutin. Die Diplompsychologin und psychologische Psychotherapeutin arbeitet seit 1991 bei „Boje“, die sie seit 2004 leitet. Die Hilfesuchenden haben zu etwa 20 Prozent Probleme mit Alkohol, 30 Prozent sind abhängig von Cannabis. Den Schwerpunkt bilden allerdings Spielsüchtige. Ursprünglich stand das Hilfsangebot der 1979 in Eimsbüttel gestarteten „Boje“ nur jungen Erwachsenen zur Verfügung. Später gab es eine zweite Anlaufstelle zunächst in Billstedt und dann in Barmbek, und die Beratung wurde erweitert. Seit 2012 hat die „Boje“ ihren Sitz in Wandsbek. Seit Anfang dieses Jahres werden alle Betroffenen ab 18 Jahren ohne Altersgrenze nach oben beraten. Dazu kommen bei hundert Betroffenen etwa 20 Angehörige, so Junker. Zu ihrem Team gehören elf Mitarbeiter, überwiegend mit sozialpädagogischer Ausbildung. Eine Besonderheit ist Akupunktur als stabilisierendes Angebot. Wenn sich jemand mit seiner Sucht auseinandersetzt, ist das ein Teil ihres Erfolges. Bei Bedarf unterstützt das Team Spielsüchtige mit Kindern in der Stärkung ihrer Erziehungskompetenz. Generell sei es schwierig, das richtige Maß zu finden – etwa bezüglich des Computerkonsums der Kinder. „Das Wichtigste ist, mit den Kindern zu reden“, betont die 58-Jährige. Die meisten Abhängigen suchen aus eigenem Antrieb Hilfe, wenn sie merken, das andere Lebensbereiche wie Schule oder Ausbildung leiden. Andere werden von Angehörigen, Jobcenter oder Krankenkassen geschickt. Generell gilt: nicht allen Süchtigen können sie und ihr Team im ersten Anlauf helfen. Manche brechen auch die Beratung ab. Studien belegen jedoch, dass 60 bis 80 Prozent es für einen langen Zeitraum schaffen. Manche kommen nach Jahren erneut zur Beratung, „wenn es doch mal wieder aus den Fugen gerät“. Die ambulante Behandlung umfasst im Allgemeinen wöchentlich ein Einzel- und ein Gruppengespräch, es gibt aber auch die Möglichkeit, in eine Fachklinik zu gehen und im Anschluss die Behandlung ambulant fortzuführen. (cm)

Weitere Infos zur Boje unter Telefon 44 40 91 und 731 49 49 oder unter www.dieboje.de
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