Berne fürchtet um seine Grundschule

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Von Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher stammt der Entwurf der 1930 erbauten „Volksschule Berne“, der nun die Schließung droht

Behörde hält sich bedeckt. Nutzung für Flüchtlinge geprüft

Von Michael Hertel
Berne In der Gartenstadt Berne brodelt es: Die Bürger fürchten um ihre „Lienauschule“ - 85 Jahre nach dem Schulbau steht der Standort offenbar auf der Kippe. Erste Protestplakate tauchten am Wochenende in den idyllischen Straßen auf, eine Elterninitiative startete eine Unterschriftenaktion. Und alle in der Wandsbeker Bezirksversammlung vertretenen Parteien springen den Bernern bei, fordern von der Schulbehörde Aufklärung und den Erhalt der Schule.
Zu den Fakten: Die Grundschule an der Lienaustraße, früher Grund-, Haupt- und Realschule, ist die einzige staatliche Schule in Berne, heute eine Außenstelle der Grundschule Karlshöhe (Thomas-Mann-Straße) und wird nur noch einzügig betrieben. Das einst von Architektenlegende Fritz-Schumacher entworfene Hauptgebäude steht unter Denkmalschutz, wie die umgebende Gartenstadt, gleichzeitig aber fast leer, denn der Unterricht findet in einem 1970er-
Jahre Anbau („Pavillon“) vom Typ dunkel, hässlich und marode statt.

Zusage für ein Schuljahr

Bernes SPD-Vorsitzender Marc Buttler, der in direkter Nachbarschaft zur Schule wohnt: „Es gibt deutliche Hinweise dafür, dass die Schulbehörde diesen Standort aufgeben will.“ Hilke Mellin (33) von der Elterninitiative, die ihre Tochter zum neuen Schuljahr bei der Vorschule an der Lienaustraße angemeldet hat, wirft der zuständigen Behörde vor, seit Jahren gezielt auf die Schließung des Standortes hinzuarbeiten. „Es gibt nur noch eine Zusage für das nächste Schuljahr. Wegen der unsicheren Zukunft sind schon viele Eltern abgesprungen. Dabei hat die Schule sogar Anmeldungen ablehnen müssen, die über die Einzügigkeit hinaus gegangen wären. Gleichzeitig platzt die benachbarte Grundschule Hasenweg aus den Nähten.“
Dazu Behördensprecher Peter Albrecht: „Die Schulbehörde hat aktuell keine Pläne, den Schulstandort Lienaustraße zu schließen.“ Dass im Hauptgebäude kein Unterricht mehr stattfindet, liegt laut Albrecht an dessen Sanierungsbedarf, ohne näher darauf einzugehen: „Eine Sanierung des Hauptgebäudes erfolgt in Abhängigkeit von einer Entscheidung über die weitere Nutzung des Standorts.“ Dass Anmeldungen für das Schuljahr 2015/16 für die Lienaustraße abgewiesen worden seien, wie Eltern berichteten, bestreitet die Behörde schlichtweg.
Was mit dem Schumacher-Bau nach einer Schließung passiert, ist zur Zeit Gegenstand wilder Spekulationen. Offiziell jedenfalls hört man von Kommunalpolitikern kein Wort dazu. Allerdings: Erst kürzlich informierte der Senat in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Karl-Heinz Warnholz (CDU), dass die Fläche Lienaustraße 32 als Standort für die Unterbringung von Flüchtlingen geprüft worden sei mit dem Ergebnis: „Von der Nutzung wird im laufenden Schulbetrieb abgesehen.“
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