Berner Au(ßen vor)

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Warum ihr Häuschen nicht unter Denkmalschutz steht, wissen Birgit und Klaus Oberdick nicht. Plausible Erklärungen blieben bis heute aus Foto: nk

Die Gartensiedlung Berne steht unter Denkmalschutz – allerdings nicht ganz...

Von Nicole
Kuchenbecker
Berne. Wenn am kommenden Wochenende der „Tag des offenen Denkmals“ lockt, können sich Birgit und Klaus Oberdick entspannt zurücklehnen. Obwohl das Ehepaar in der denkmalgeschützten Gartenstadtsiedlung Berne lebt, ist ihr kleines Häuschen nicht Teil des Programms. Es gehört zu den sechs Prozent der Siedlung, die als „nicht sanierungsfähig“ gelten und daher keinen Denkmalstatus genießen. Bei Familie Oberdick stößt das auf Unverständnis.
Die Gartenstadtsiedlung Berne steht nach langem Kampf unter Denkmalschutz. Ein neues Gesetz, sogenannte „erkannte Denkmäler“ definitiv unter Schutz zu stellen, spielte den Anwohnern in die Hände. Warum das allerdings nur für 94 Prozent der Genossenschaftshäuschen gilt, will manchen Anwohnern nicht einleuchten. Klaus Oberdick (54): „Uns konnte man nicht erklären, warum unser Haus nicht unter Denkmalschutz gestellt wird und worin die Unterschiede liegen.“ Birgit und Klaus Oberdick wohnen seit 21 Jahren am Meiendorfer Stieg; schon in dritter Generation. „Wir haben hier viel Geld reingesteckt“, sagt die Hausherrin, 51. Sie haben sich es in ihren vier Wänden „hübsch“ gemacht und ihr Leben hier verbracht. Hier sind die vier Kinder aufgewachsen; in diesem Haus wohnen Erinnerungen, die Birgit Oberdick nicht missen will.
Warum gerade das Dreieck Meiendorfer Stieg/Berner Heerweg vom Denkmalschutz ausgespart wurde, sorgt bei Anwohnern für Spekulationen. Oberdick mutmaßt: „In zehn Jahren wird hier mehr als die Hälfte der Häuser leer stehen.“
Schon jetzt gäbe es etwa zehn Prozent Leerstand, und das, obwohl diese bei Genossen sehr beliebt seien, so Oberdick. Zudem sind die Häuser in der gesamten Siedlung zwischen 1915 und 1925, erbaut, daher ist unverständlich warum bei einem die Bausubstanz schlechter sein soll als beim anderen.
Führungen durch Siedlung
Die Gründe liegen tiefer, vermutet das Ehepaar. Würde man auf diesem Grundstück neue, moderne Wohnungen in mehrgeschossigen Häusern errichten, würde das mehr Geld einbringen als die Vermietung der kleinen Doppelhäuschen auf Lebenszeit. Das lebenslange Wohnrecht haben auch die Oberdicks, doch ob sie ihr Haus an die Kinder weitergeben, ist fraglich. Birgt Oberdick: „Es ist im Gespräch, das Erbrecht zu ändern. Noch ist es möglich, dass wir das Haus zu unseren Lebzeiten an die Kinder weitergeben. Das soll aber unterbunden werden.“ Würde man die Pläne für das 40 000 Quadratmeter große Gebiet öffentlich machen, könne Oberdick sich vielleicht damit „anfreunden“. Aber wenn man nicht gemeinsam spricht, schafft dies Misstrauen. Klaus Oberdick ist sich schon jetzt über eines sicher: „Ich möchte nicht in einer Geistersiedlung wohnen.“
Zum ersten Mal kann die Gartenstadtsiedlung Berne am Tag des offenen Denkmals teilnehmen. Die Initiative-Siedlung-Berne bietet am Sonnabend und Sonntag jeweils 12 und 15 Uhr Führungen durch das Gebiet an. Start ist an beiden Tagen an der Lienaustraße 19. Informationen unter www.
Initiative-Siedlung-Berne.de.
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