Berner Bunker: Neues Heim für Fledermäuse?

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Die Breitflügelfledermaus könnte im Berner Wald ein neues Zuhause für den Winter finden Symbolfoto: thinkstock

Bezirksamt will Luftschutzgebäude im Wald als neues Quartier prüfen

Von Michael Hertel
Berne
Wenn es nach dem Saseler Horst Bertram (80) geht, wird Berne bald zu einem Paradies für Fledermäuse ausgebaut. Der frühere Biologie-Lehrer am Gymnasium Oberalster (GOA), langjähriger zweiter Vorsitzende des Botanischen Vereins zu Hamburg, hat dem Bezirksamt Wandsbek vorgeschlagen, die drei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg im Berner Wald zu Fledermaus-Winterquartieren auszubauen. Der Bezirk hat die Initiative aufgegriffen und ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: Die Idee ist umsetzbar, die Bunker sind für die Überwinterung von Fledermaus-Kolonien geeignet und könnten sogar „einen wertvollen Beitrag zur Arterhaltung“ leisten. Laut Gutachten gibt es in der Hansestadt 14 verschiedene Fledermausarten – alle sind streng oder besonders streng geschützt. Das „Braune Langohr“, die Wasser- und die Fransenfledermaus beispielsweise benötigen Höhlen oder höhlenartige Gebäude mit hoher Luftfeuchtigkeit zum Überwintern. Das größte bekannte Winterquartier im Norden ist die Kalkberghöhle in Bad Segeberg, wo sich allwinters rund 25.000 Fledermäuse einfinden. „Bertram hat vor Kurzem mit einer sogenannten Batbox, die Ultraschallwellen der Tiere auffängt, in der Nähe des Berner Waldes festgestellt, dass dort ganz schön Betrieb ist“. Vorhandene Quartiere im Wald oder an Gebäuden allein reichen seiner Meinung aber nicht aus: „Deshalb bin ich auf die Bunker gekommen, die ja sonst nutzlos rumstehen.“ Der Ausbau bestünde im wesentlichen aus dem Bohren weniger kleiner Einfluglöcher von rund 40 mal 10 Zentimetern Größe in den Beton. Außerdem, so das Gutachten, müsste gesichert werden, dass die Wintergäste nicht durch groben Unfug – wie eingeworfene Feuerwerkskörper – gefährdet werden. Bertram: „Man kann die Einfluglöcher vergittern und so einen gewissen Schutz bieten.“ Die Bezirksversammlung Wandsbek hat das Bezirksamt jetzt aufgefordert, die Vorschläge zum Fledermausquartier zu prüfen. Bertram: „Das Bezirksamt muss jetzt die Initiative ergreifen. Dabei braucht der Bezirk wahrscheinlich nicht einmal Geld ausgeben, denn das Projekt könnte aus dem Natur-Cent finanziert werden“, meint Bertram.

Info:
Fledermäuse gibt es bereits seit mehr als 50 Millionen Jahren. Heute vermutet man weltweit 1.200 Arten, allein in Deutschland leben 25 davon, 14 in Hamburg. Da die geflügelten Säugetiere kaum natürliche Feinde haben, wird ihre Population vor allem durch den Menschen bedroht. So werden zum Beispiel durch die Bebauung von Grünflächen insbesondere im Stadtrandbereich und der Verlust von innerstädtischen Grünflächen potentielle Jagdreveiere der Fledermäuse vernichtet. Auch Umweltgifte, Holzschutzmittel und die direkte Verfolgung durch den Menschen sind schwerwiegende Bedrohungen der Bestände.
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