„Berner Insel“ in Gefahr

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Gartenstadt-Charakter heute: der Meiendorfer Stieg auf der „Insel“ Foto: tel
 
Klaus Oberdick (l.) und Ralph Ortmüller wehren sich gegen den drohenden Abriss Foto: tel

Genossenschaft stellt Konzept vor. Bangen um Charakter der Gartenstadt

Von Michael Hertel
Berne
Der April wird für die Wohnungsgenossenschaft „Gartenstadt Hamburg eG“ zum Monat der Wahrheit: Glaubt man den Protagonisten, geht es um Abriss oder Modernisierung, um Stillstand oder Weiterentwicklung. Diese Woche bekommen die Mitglieder im Volkshaus Berne vom Vorstand die Pläne für die Entwicklung der Dreiecksfläche (auch „Insel“ genannt) zwischen Berner Heerweg und Meiendorfer Stieg als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Abstimmen über das von Vorstand und Aufsichtsrat bereits beschlossene Konzept sollen dann am 21. April die 84 Vertreter der Genossenschaft. Mittendrin läuft auch noch die Wahl der neuen Genossenschaftsvertreter. Im Gegensatz zum großen Rest der zwischen 1919 und 1930 entstandenen ehemaligen Arbeitersiedlung (540 Wohneinheiten) stehen die Häuser auf der „Insel“ (34 Wohneinheiten ) nicht unter Denkmalschutz und können laut einem früheren Beschluss von Vorstand und Aufsichtsrat auch nicht von Bewohnern an Familienangehörige (Kinder, Enkel) weitergegeben werden. Aus diesem Grunde stehen einige Doppelhaushälften zum Teil bereits seit Jahren leer (das Wochenblatt berichtete). Die dort stehenden Siedlungshäuser sollen nach den Vorstellungen von Vorstand und Aufsichtsrat nicht saniert, die Fläche stattdessen „langfristig entwickelt“ werden, etwa zwischen den Jahren 2020 und 2025. So ist beispielsweise an der Berner Brücke ein mehrgeschossiges Gebäude mit Seniorenwohnungen, Kleinwohnungen, Kindergarten und gewerblicher Nutzung geplant. Mehrgeschossige Wohnungen - entsprechend einer bereits vorhandenen Bebauung - stellt man sich auch entlang der Saseler Straße vor. Bei Unzumutbarkeit einer Sanierung soll auch im geschützten Bereich ein Abriss möglich sein. Moderne Ersatzbauten dürften laut Antrag dort maximal im Verhältnis zwei zu eins errichtet werden. Eine Verdichtung der Siedlung sei aber nicht geplant, heißt es. Gegen diese Pläne gibt es nach wie vor Widerstand. „Hier wird ein Teil der Genossenschaftsmitglieder gegen einen anderen ausgespielt und der Charakter der Gartenstadt geopfert“, sagt Klaus Oberdick (57), einer der Kritiker der „Initiative Siedlung Berne“. Oberdick, selbst Vertreter der Genossenschaft, wohnt in dritter Generation am Meiendorfer Stieg. Er befürchtet langfristig sogar negative Auswirkungen auf den vermeintlich geschützten Teil. Auch Nachbar Ralph Ortmüller (69) – er wohnt seit mehr als 39 Jahren auf der „Insel“ – hätte sein Haus lieber erhalten, um es an seinen Sohn weitergeben zu können: „Die Argumente für Leerstand und Abriss sind an den Haaren herbeigezogen“, sagt er.

Denkmalschutz aufgeweicht?


Kritik an der Genossenschaftsführung kommt auch aus dem politischen Raum. „Hier werden offensichtlich immer wieder Wege gesucht, den Denkmalschutz aufzuweichen. Wenn man ein Haus lange genug leer stehen lässt, bekommt man einen Problemfall. Dann ist angeblich eine Sanierung nicht mehr zumutbar“, meint der langjährige Ortsvorsitzende der CDU Berne, Olaf Böttger, zur aktuellen Entwicklung der Gartenstadt.
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