Beschluss zu Denkmälern gefordert

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Bürgervereinsvorsitzende Ingrid Voss, Heimatforscher Michael Pommerening und Sigrid Curth von der Geschichtswerkstatt Wandsbek Foto: sim
 
Im Mittelpunkt der Diskussion stand der Geschichtsstein aus dem Jahr 1937, der heute am Gehölzrand gegenüber dem Bezirksamt steht Foto: sim

Historikerin brachte Stein ins Rollen und regt eine Diskussion im Regionalausschuss Wansbek an

Von Siegmund Menzel
Wandsbek
Die Historikerin Sigrid Curth aus Wandsbek hat mit einer Eingabe die Diskussion über Denkmäler in Wandsbek ins Rollen gebracht (das Wochenblatt berichtete). Der Regionalausschuss Kerngebiet Wandsbek der Bezirksversammlung beschäftigte sich kürzlich mit diesem Thema, lud dazu vier Experten ein: Neben Sigrid Curth noch Heimatforscher Michael Pommerening und Ingrid Voss , 1. Vorsitzende des Bürgervereins Wandsbek, aus dem größten Hamburger Bezirk sowie Ulrich Hentschel, der aus Altona auf Wandsbek schaut. Der Pastor im Ruhestand hatte an der Evangelischen Akademie Hamburg den Bereich „Erinnerungskultur“ aufgebaut. Die Gäste erörterten im Beisein der Ausschussmitglieder die aktuelle Situation und unterbreiteten Handlungsempfehlungen. Schnell wurde klar, dass es vor allem um den Geschichtsstein aus dem Jahr 1937 geht, der heute am Gehölzrand gegenüber dem Bezirksamt steht. Nach Ansicht von Sigrid Curth vermittelt der Stein ein Geschichtsbild, das noch immer vom NS-Staat diktiert ist, auch wenn „zwei eindeutige Unworte“ bis 1961 getilgt wurden. Der eingemeißelte Inhalt sei „in der Auswahl der Daten einseitig, historisch nicht stimmig, teils unverständlich oder sogar falsch“.

„Stein des Anstoßes“

Der im Vorjahr von Unbekannten mit Farbe beworfene Stein sollte eine kritische Kommentierung auf zusätzlichen Info-Tafeln erhalten, die über Ursprungstext und ideologische Absicht ebenso informieren wie über prägende Themen und Zeitabschnitte. Historikerin Curth hat eine breite Auswahl von Text-Neufassungen vorgeschlagen. Den jetzigen Standort bezeichnete sie als „nicht so schlecht“ . Der Farbklecks könnte ihrer Meinung nach bleiben, der Findling sei „ein Stein des Anstoßes“. Michael Pommerening favorisiert den Marktplatz als Standort. Ein „Geschichtsband“ mit 50 Tafeln sollte über Wandsbek informieren. Natürlich müsse man den Stein erhalten, ihn jedoch kommentieren. Der Heimatforscher unterbreitetet gleich Anregungen für die Finanzierung, will selbst 1000 Euro privat zur Verfügung stellen. Ingrid Voss schlug vor, die Geschichte auf dem Gelände der Christus-Kirche der Öffentlichkeit darzustellen. Der Stein sollte auf jeden Fall gereinigt werden. Ulrich Hentschel empfiehlt, geeignete Menschen zu finden, die eine Arbeitsgruppe bilden und die vielen Anregungen sorgfältig diskutieren. Man sollte sich Zeit nehmen für dieses wichtige Thema, die Öffentlichkeit mit einbeziehen. Ziel des Regionalausschusses ist ein Beschluss zu Denkmälern in Wandsbek. Die Fraktionen würden die vielen Informationen mitnehmen und nach umfangreicher Diskussion Ergebnisse präsentieren, wie es weiter gehen soll, hieß es. Der Erinnerungsstein wurde von den Nazis am Rande des Marktplatzes aufgestellt. Nächste Standorte waren etwas abseits hinter dem Bahnhof Wandsbek, auf dem Gelände der Christus-Kirche und schließlich am Gehölzrand, wo er seit 2015 steht.

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