Beunruhigende Zahlen

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Christine Busch vom Bezirksamt Bergedorf, Gabriele Fuhrmann und Leiter Thomas Ritzenhoff vom Bezirksamt Wandsbek bei der Vorstellung des Berichtes. Fotos: Glitz

Bezirk Wandsbek legt Hamburger Kinderschutzbericht vor

Von Rainer Glitz
Wandsbek. In Hamburg haben sich Bürger und Behörden im vergangenen Jahr fast 29.000 Mal an den Allgemeinen Sozialen Dienst der Jugendämter gewandt. Das ist ein Plus von 0,35 Prozent im Vergleich zu 2010. Noch deutlicher ist der Zuwachs mit 5,4 Prozent bei den Kindeswohlgefährdungen. 9.425 Verdachtsfälle wurden gemeldet. Das sind die wichtigsten Zahlen des Kinderschutzberichtes, der jetzt vom Bezirk Wandsbek im Bürgersaal bei einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Vier von fünf Meldungen kamen von der Polizei und den Gerichten. „Das ist ein deutlicher Anstieg“, sagte Gabriele Fuhrmann vom Bezirksamt Wandsbek. Das hängt nach Meinung der Experten damit zusammen, dass die Beamten nach dem Fall
Chantal Anfang 2011 besonders aufmerksam waren. Damals war in Wilhelmsburg ein elfjähriges Mädchen in seiner Pflegefamilie an der Heroin-Ersatzdroge Methadon gestorben. Häufigste Gründe für eine angenommene Gefährdung des Kindeswohls waren durch die Jugendlichen begangene Straftaten, häusliche Gewalt und Vernachlässigung in den Familien. Laut Kinderschutzbericht ist die Zahl der Inobhutnahmen durch die Bezirke mit 18 Prozent deutlich gestiegen. „Das liegt an den vielen minderjährigen Flüchtlingen, die ohne Begleitung nach Hamburg kamen“, erläuterte Gabriele Fuhrmann vom Bezirk Wandsbek. 464 dieser Kinder mussten untergebracht werden, die meisten kamen aus Afghanistan und Afrika. „Wir haben eine relativ stabile Lage, von Entspannung kann aber keine Rede sein“, lautete trotzdem das Fazit von Wandsbeks Bezirkschef Thomas Ritzenhoff. Eine Bewertung wollte Ritzenhoff auch auf vielfache Nachfrage nicht geben. Er lege nur die nackten Zahlen vor, es gehe nicht um Einzelfälle und über die Situation in bestimmten Quartieren wisse man nichts. Allerdings gibt es laut Statistik in Wandsbek und Mitte die meisten Meldungen beim Allgemeinen Sozialen Dienst und bei den Verdachtsfällen auf Kindeswohlgefährdung. Das hängt in Mitte mit der besonders schlechten sozialen Situation vieler Familien zusammen. Wandsbek liege deshalb vorne, weil es der bevölkerungsreichste Bezirk ist, so Ritzenhoff. Der Kinderschutzbericht für Hamburg wurde das sechste Mal vorgelegt. Die Zahlen wurden von den sieben Bezirken mit Unterstützung der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration zusammengetragen. Das Bezirksamt Wandsbek hat diese Arbeit koordiniert und die Zahlen aufbereitet.

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